Aktien, Anleihen, Fonds Die Anlagetipps der Woche

Der Medienkonzern Bertelsmann wird wohlmöglich schon bald ein weiteres Paket RTL-Aktien an den Markt bringen. Damit wäre der Sender ein heißer Kandidat für den MDax. Aktien, Anleihen und Fonds für die private Geldanlage.

Kursverlauf der RTL-Group

Aktientipp - RTL: Vor allem als Cashcow missbraucht

Bertelsmann braucht Geld – viel Geld, um den eigenen Umbau voranzutreiben. Der Verlag will nach Asien expandieren und sich endlich topfit für das digitale Zeitalter machen. Schon lange war klar, dass die Gütersloher dafür ein größeres Paket von RTL-Aktien an den Markt bringen würden. Noch besitzt Bertelsmann 92,3 Prozent an dem Sender, der zugleich seine größte Einnahmequelle ist. Nach der Ankündigung im Januar stürzte das RTL-Papier in Brüssel um 25 Prozent ab.

Nun sollen (inklusive Mehrzuteilungsoption) bis zu 25,5 Millionen Aktien dazukommen, die ab 30. April in Frankfurt gehandelt werden. Die neuen RTL-Papiere kosten zwischen 54 und 62 Euro; in Brüssel notieren die alten RTL-Aktien bei 57 Euro.

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Mit einem nach dem Listing der neuen Aktien zu erwartenden Marktwert des RTL-Streubesitzes von rund 2,5 Milliarden Euro wäre der Sender ein heißer Kandidat für den MDax.

Anleger sollten trotz der zuletzt hohen Dividenden (Rendite: 6,1 Prozent) vorsichtig sein. Wie fast alle Medienunternehmen hat RTL mit seinen 53 TV- und 28 Radiosendern derzeit zu kämpfen. Vor allem der TV-Werbemarkt schwächelt, Besserung ist kaum in Sicht, zumal RTL fast nur in stagnierenden Märkten wie Frankreich, Spanien, Benelux und Deutschland aktiv ist und trotz zahlreicher Versuche nie in Wachstumsregionen außerhalb Westeuropas Fuß fassen konnte. Im Geschäftsjahr 2012 verbuchte die RTL Group 13,2 Prozent weniger Gewinn als im Vorjahr. Weil Bertelsmann die Mehrheit von 75 Prozent der RTL-Anteile auch nach dem Börsenlisting der 25,5 Millionen zusätzlichen Papiere behalten wird, kann der Konzern bei RTL weiter schalten und walten, wie er will, sprich: Gewinne abführen und die Höhe der Dividenden im Alleingang bestimmen. So besteht die Gefahr, dass Bertelsmann seinen Sender weiterhin als Geldzapfstelle missbraucht: Wenn in Gütersloh in den vergangenen Jahren Geld gebraucht wurde, zapfte der Konzern RTL an. Für die letzte (recht üppige) Dividende musste RTL gar teilweise einen Kredit bei der eigenen Mutter aufnehmen; das Geld fehlt den Luxemburgern nun, zum Beispiel zur Entwicklung dringend benötigter innovativer und digitaler Formate.

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