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Aktien, Anleihen, Fonds Die Anlagetipps der Woche

Der Düsseldorfer Stromgigant E.On befindet sich auf einem guten Weg, seine schweren Probleme in den Griff zu bekommen. Anleger sollten die Aktie im Blick haben. Aktien, Anleihen und Fonds für die private Geldanlage.

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Kursverlauf E.On

Aktientpp - E.On: Spekulation auf die neue Stromwende

E.On hat im vergangenen Jahr etwa 120 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Der Düsseldorfer Energiekonzern ist nach Volkswagen (197 Milliarden Euro) und mit Daimler (118 Milliarden) einer der drei größten börsennotierten Industriekonzerne Deutschlands. Nur beim Marktwert der Aktien, da ist E.On mit 28 Milliarden Euro (nicht einmal halb so viel wie Daimler) ein Zwerg.

Natürlich, E.On hat schwere Probleme. Das einst sichere Geschäft mit Atomstrom ist mit der Energiewende weggebrochen. Die ökobedingte Überproduktion hat die Strompreise gedrückt und macht immer mehr Gas- und Kohlekraftwerke unrentabel. Dazu hat E.On 33 Milliarden Euro Schulden.

Doch E.On steuert dagegen. Zunächst konzentrieren sich die Düsseldorfer stärker auf ihre Kernmärkte Deutschland, Großbritannien und Schweden. Der Ausbau des Geschäfts in Schwellenländern ist mühsam (etwa in Brasilien), kommt aber voran: In der Türkei hat E.On über Beteiligungen mittlerweile mehr Stromkunden als in Deutschland. Im Gegenzug werden Beteiligungen in Italien oder Spanien verkauft. Dabei sind Windparks und Solaranlagen, die gutes Geld einbringen können. Das sollte die Schulden in den nächsten Jahren unter 30 Milliarden Euro drücken.

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Entscheidend für die operative Erholung wird die Strompreisentwicklung in Deutschland und den angrenzenden Ländern. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Preise an der führenden Strombörse Leipzig gedrittelt. Sollte der Ökostromausbau nun aber politisch begrenzt werden und große Produzenten mehr Gas- und Kohlekraftwerke stilllegen, könnte das den Strompreisrückgang bremsen. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen sogar damit, dass die Strombörsenpreise 2014 anziehen.

Mitte März wird E.On seine Jahresbilanz vorlegen. Mit einem möglichen Nettogewinn von 2,3 Milliarden Euro dürfte sie gar nicht so schlecht ausfallen. Der Gewinn von etwa 1,20 Euro je Aktie würde für eine Dividende von rund 60 Cent je Anteil reichen, mehr als vier Prozent Rendite. Und selbst die E.On-Bilanz, in der etwa 37 Milliarden Euro Eigenkapital stecken (mehr als ein Viertel der Bilanzsumme), ist keineswegs ein Fass ohne Boden.

Aktientipp - Bunge: Globales Agrarnetzwerk in 40 Ländern

Kursverlauf Bunge

Aktuell werden nur etwa 15 Prozent der weltweit erzeugten Agrarerzeugnisse in andere Länder ausgeführt. Um die Nahrungsmittelsicherheit einer wachsenden Weltbevölkerung in Zukunft zu gewährleisten, muss diese Quote steigen. Dafür sorgen können weltweit agierende Agrarkonzerne wie Bunge.

Der 1818 in Amsterdam gegründete Getreidehändler verlegte 1884 den Sitz nach Argentinien, der damaligen Kornkammer der Welt. Von dort aus breitete sich das Handelshaus rasch in Süd- und Nordamerika aus. Um näher an die Finanzmärkte zu rücken, verlegte Bunge 1999 seinen Stammsitz in die Nähe von New York, registriert ist der Konzern im Steuerparadies Bermuda. 2001 folgte der Gang an die Wall Street, die globale Expansion setzte sich fort. Heute ist Bunge einer der führenden Agrarkonzerne der Welt mit Vermögenswerten in rund 40 Ländern.

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Der Konzern deckt die komplette Wertschöpfungskette im Agrargeschäft ab. Der Agrarriese kauft, verkauft, lagert und transportiert weltweit Ölsaaten und Getreide, verarbeitet Soja zu proteinhaltiger Tiernahrung und zu Speiseöl, produziert Zucker und den Treibstoff Bioethanol aus Zuckerrohr, mahlt Weizen und Mais als Zutaten für die Nahrungsmittelindustrie und produziert Düngemittel.

Agrarhändler wie Bunge leben vor allem von der Spanne zwischen Einkauf und Verkauf, weniger von der absoluten Höhe der Agrarpreise. Der mit 11,8 Milliarden Dollar bewertete Agrarriese ist mit Blick auf die Bewertung von Substanz (fünf Prozent Abschlag auf den Buchwert) und Ertrag (KGV 11,5 für 2014) nicht teuer.

Anleihetipp - Glencore Xstrata: Schweizer mit Katar

Logokombi Glencore-Xstrata Quelle: dpa

Weil sich der Fusionsprozess zwischen dem Rohstoffhändler Glencore und dem Minenkonzern Xstrata länger als erwartet hinzog, wurden im vergangenen Jahr rund acht Milliarden Dollar Abschreibungen notwendig. Xstrata-Minen und die dazugehörigen Lagerbestände – vor allem Kupfer und Nickel – wurden vom überraschend starken Rückgang der weltweiten Rohstoffpreise erfasst. Letztlich kam den Schweizer Glencore, treibende Kraft beim Zusammenschluss, die Fusion teurer als erwartet, die Nettoschulden stiegen auf rund 50 Milliarden Dollar.

2013 dürfte der Rohstoffkonzern vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) rund zwölf Milliarden Dollar verdient haben. Zwei Milliarden Dollar wechselseitige Einsparungen (Synergien), die ab 2014 greifen, können den operativen Gewinn im nächsten Jahr ein gutes Stück höher ausfallen lassen. Dazu werden geplante Investitionen um mehr als drei Milliarden Dollar zusammengestrichen. Insgesamt dürfte der Schuldenabbau vorankommen, bis 2015 rechnen die Analysten von JP Morgan mit einem Rückgang auf 44 Milliarden Dollar. Zusammen bringen es Glencore und Xstrata schon heute auf etwa 75 Milliarden Dollar Eigenkapital, etwa die Hälfte der Bilanzsumme. Von Standard & Poor’s wird der Minenriese mit der Note BBB und stabilem Ausblick bewertet. Das ist, wenn auch im unteren Bereich, noch Investmentgrade.

Anleihe-Info: Glencore Xstrata
Kurs (in Prozent) 98,40
Kupon (in Prozent)2,50
Rendite (in Prozent)2,87
Laufzeit bis15. Januar 2019
WährungDollar
ISINXS0938722401

Anleger, die auf Glencore-Anleihen setzen, bekommen dafür immerhin 2,9 Prozent Jahresrendite – allerdings in Dollar (Daten siehe unten). Wer im Euro bleiben will, kann sich bis 2020 derzeit 2,6 Prozent Jahresrendite holen (ISIN: XS0974877150).

Glencore-Xstrata-Anleihen sind ein vielversprechendes Investment mit spekulativem Touch. Mit wahrscheinlich mehr als 250 Milliarden Dollar Umsatz in diesem Jahr ist Glencore einer der größten Rohstoffkonzerne der Welt. Geschäftsschwerpunkte sind Metalle (Kupfer, Nickel, Zink, Aluminium, Eisenerz), Energie (Öl und Kohle) und Agrarrohstoffe (Getreide, Ölsaaten, Baumwolle, Zucker). Da der Schweizer Konzern mit Sitz in Baar (Kanton Zug) stärker als seine großen Konkurrenten Rio Tinto und BHP die Förderung und den Handel von Rohstoffen verbindet, ist er als integriertes Unternehmen weniger von Preisschwankungen abhängig.

Großaktionäre von Glencore sind mit 8,3 Prozent Konzernchef Ivan Glasenberg, der Staatsfonds von Katar (8,1 Prozent) und der amerikanische Finanzinvestor Blackrock (5,3 Prozent).

Fondstipp - UniEuroRenta Emerging Markets: Mit Kolumbien-Anleihen in ruhigere Gefilde

Kursverlauf UniEuroRenta EM

Von Versicherern und Pensionskassen, die zu den Großanlegern von Frank Ehrich zählen, hört der Fondsmanager der genossenschaftlichen Union Investment derzeit nur eine Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um unseren Bestand an Schwellenländer-Anleihen zu erhöhen? Schwellenländer-Bonds in Dollar bieten nach den vorangegangenen Kursverlusten etwa drei Prozentpunkte mehr Rendite als US-Staatsanleihen, das macht sie für risikobereite Anleger attraktiv. „Während der Krisen in den Achtzigerjahren gab es Aufschläge von acht Prozentpunkten.

Eine richtige Krise ist derzeit noch nicht in den Kursen eingepreist“, sagt Ehrich, der auch den UniEuroRenta Emerging Markets managt. In ihm mischt er Staats- und Unternehmensbonds, die vor allem auf Dollar lauten. Dabei setzt er sowohl auf verlässliche als auch auf weniger solide Schuldner. Zu den sicheren gehören für ihn Korea, Taiwan, Mexiko, Chile und Kolumbien. „Die Fundamentaldaten der Länder stimmen“, sagt Ehrich. Besonders viel zu holen gibt es dort aber nicht. Eine sechsjährige kolumbianische Anleihe bietet nur 3,6 Prozent Rendite. Ehrichs Vorsicht hat sich trotzdem gelohnt, der Fonds verlor weniger als der Index (siehe Chart).

Die Krise hat Anleihen besonders getroffen, die in lokalen Währungen ausgegeben wurden. „In dem Markt tummeln sich Hedgefonds, die mit Zinsswaps und Devisenderivaten auf Währungen und Renditen Einfluss nehmen“, sagt Ehrich. Selektiv greift er aber dort zu: etwa bei einer fünfjährigen auf Real lautenden Brasilien-Anleihe mit zwölf Prozent Rendite.

In Arbeit
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Sehr vorsichtig engagiert er sich in Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und der Türkei. Die Staaten heißen wegen ihrer Leistungsbilanzdefizite und der daraus resultierenden Abhängigkeit von Auslandskapital „Fragile Five“. Mehrere von ihnen haben die Zinsen erhöht, um die Währungen zu stabilisieren und Anlegergelder zu halten. Soziale Unruhen belasten die Wirtschaft in Südafrika und Indonesien, durch Wahlen in der Türkei und im Herbst in Brasilien entstehen neue Risiken.

Spannend wird es in der Ukraine. „Sie ist einem Ausfall am nächsten“, meint der Manager. Es werde dringend Geld benötigt, vor allem, um fällige Anleihen zurück zu zahlen.

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