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Aktien aus MDax, SDax, TecDax Ausländer überholen deutsche Anleger bei Mittelstands-Aktien

Große Staatsfonds haben viele kleinere deutsche Aktien gekauft. Weil Öleinnahmen dieser Fonds durch den dramatisch gesunkenen Ölpreis wegbrechen, ist das für Anleger nicht ohne Risiko.

Schriftzug des MDax Quelle: dpa

Der Börsenaufschwung geht an deutschen Anlegern vorbei - das ist mittlerweile sattsam bekannt. Wer aber kauft dann deutsche Aktien?

Die Wiesbadener Berater der Agentur cometis und der Investor Relations-Datenbankanbieter Ipreo Ltd. haben das jetzt in ihrer Studie "Wem gehört der börsennotierte Mittelstand? Update 2015" untersucht. In der aktuellen Studie wurde die Aktionärsstruktur der in den drei Nebenwerte-Indizes MDax, SDax und TecDax  notierten Unternehmen und die Veränderungen zwischen Ende September 2013 und Oktober 2014 analysiert.

Ergebnis: Vor allem ausländische Fonds sind stark vertreten - auch Adressen, von denen man das auf den ersten Blick nicht gedacht hätte.

Diese Länder investieren in den deutschen Mittelstand
Die Aktionärsstruktur des MDax am 30.09.2013 Quelle: Cometis AG, Ipreo Ltd., Studie "Wem gehört der börsennotierte Mittelstand? Update 2015"
 Aktionärsstruktur des MDax
Aktionärsstruktur des SDax
So veränderte sich die Aktionärsstruktur des SDax im Vergleich zum 30.09.2013: Nordamerika: +2%; UK & Irland: +1 %; Deutschland: 0%; Westeuropa: 0%; Asien: 0%; Rest der Welt: 0%; Skandinavien: -3%
Die Aktionärsstruktur des TecDAX am 30.09.2013
So veränderte sich die Aktionärsstruktur des TecDax im Vergleich zum 30.09.2013: Nordamerika: +5%; Asien: +1 %; UK&Irland: 0%; Skandinavien: 0%; Westeuropa: -1%; Rest der Welt: -1%; Deutschland: -4%

Extrem wichtiger Aktionär bei kleinen und mittleren deutschen Unternehmen ist der Staatsfonds aus Norwegen. In diesem Fonds bunkern die Norweger ihre milliardenschweren Öleinnahmen. Nimmt man MDax, SDax und TecDax zusammen, steht der norwegische Staat mit 3,9 Mrd. Euro investiertem Kapital bei den kleinen Unternehmen an der Spitze.

Im MDax waren die Norweger (Norges Bank) zweitstärkster institutioneller Investor. Sie hielt im September 2014 Aktien im MDax für 2,9 Milliarden Euro, rund 200 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. 

Investor Marc Faber warnt: Die in Staatsfonds geparkten Mittel seien zwischen 2007 und September 2014 von 3,2 Billionen Dollar auf 6,8 Billionen gestiegen, der Großteil dieses  Anstiegs stammte aus Erdöl- und Erdgaseinnahmen. Faber fragt: "Was wird im Zuge des Ölpreisverfalls aus den Staatsfonds, die bisher weltweit immer mehr Geld in Finanzwerte investierten? Die Mittelzuflüsse werden verdunsten, und sie werden Vermögenswerte verkaufen müssen." Letztlich heißt das, dass die in den Staatsfonds angehäuften Vermögenswerte sich nicht neuerlich verdoppeln, wie seit 2007.

Top-Investoren in MDax, TecDax, SDax

Stärkster Fondsinvestor im MDax war, noch vor Norwegen, die US-amerikanische Capital World, die ihren Aktienbestand mit 2,92 Milliarden Euro im September 2014 im Vergleich zum Vorjahresmonat (2,9 Milliarden Euro) nahezu unverändert gehalten hat.

Generell zeigt die Studie, dass deutsche Investoren weiter an Einfluss verlieren. Zum Ende des dritten Quartals 2014 lagen nur noch 17 Prozent des institutionell gehaltenen Streubesitzes aller MDax-Unternehmen bei deutschen Investoren, ein Jahr zuvor waren es noch 18 Prozent. Im SDax hielten Institutionen mit Sitz in Deutschland stabil 23 Prozent, während sie sich aus TecDax-Unternehmen signifikant zurückzogen und mit einem Anteil von 26 Prozent nun hinter nordamerikanischen Investoren (30 Prozent) liegen.

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Im MDax folgt die erste deutsche Fondsgesellschaft erst auf Platz drei, die Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset & Wealth Management. Sie hatten zwei Milliarden in MDax-Unternehmen angelegt, zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Viertgrößter Investor ist Allianz Global Investors mit 1,9 Milliarden Euro. Auch noch interessant: Die amerikanischen Elliot-Hedgefonds, die etwa bei der Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone oder von DMG (Gildemeister) durch die japanische Mori Seiki mitmischen, waren bereits im September 2014 siebtgrößter Investor, mit 1,18 Milliarden Euro. Im TecDax und im MDax liegt die Norges Bank vor Deutsche Asset & Wealth Management und Allianz Global Investors.

Die Staatsfonds Temasek (560 Millionen Euro) und GIC (100 Millionen) aus Singapur sind die einzigen nennenswerten nicht-strategischen Investoren aus Asien in MDax-Unternehmen.

Noch ein interessantes Ergebnis: Index-Fonds sind vor allem in MDax (14 Prozent der Aktien im Streubesitz) und im TecDax (11 Prozent) stark vertreten. "So kann ein Ausscheiden aus dem Index auch bei Small- und Midcaps zu erheblichen Kursverwerfungen führen", warnen die Berater von cometis. Index-Fonds kaufen nur die Aktien, die in ihrem Index enthalten sind. Fliegt ein Unternehmen dort raus, müssen sie verkaufen.

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