WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Aktien Commerzbank und Deutsche Bank im Crash-Test

Die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank sind schwer angeschlagen. Lohnt sich eine Turnaround-Spekulation?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Zentrale der Deutschen Bank Quelle: dapd

Wenn man sich derzeit mit Bankern unterhält, dann ist dort eine tiefe Unruhe zu spüren. Und zwar nicht nur über eine vorübergehende Flaute, sondern über einen generellen Zweifel am bisherigen Geschäftsmodell. Besonders schwer drücken diese Zweifel die Investmentbanker. Sie wissen, wie auch viele Fondsmanager, kaum noch, wo man lukrativ und nachhaltig anlegt; sie wissen auch, dass die ganzen Produkte (Zertifikate, ETFs, Fonds etcetera), die sie auf irgendwelche Basiswerte herausgeben, ziemlich wenig bringen.

Dieses diffuse Gefühl, das viele gepackt hat, schlägt sich in Euro und Cent in den Geschäften der Banken nieder. Besonders tief im Schlamassel steckt die Commerzbank. Die jüngsten Zahlen sind fast schon ein Desaster. Nicht wegen der Abschreibungen oder der brisanten Anleihen, die die Commerzbank wie viele andere Geldhäuser noch mit sich herumschleppt; nein, in ihrem eigentlichen Kerngeschäft mit dem privaten Kunden hat sie auf einmal Probleme.

Wie gut ist die Nummer zwei der deutschen Bankenwelt?
Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
 Ein Containerschiff wird im Hamburger Hafen be- und entladen Quelle: dpa
Eine Auszubildende schraubt an einem Motor Quelle: dpa
Das Logo der Dresdner Bank vor dem Gebäude der Commerzbank Quelle: dpa
Anshu Jain, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Quelle: dpa
Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG zu Beginn der Hauptversammlung des Unternehmens Quelle: dpa
Der Kurswert der Commerzbank-Aktie am 9. Januar 2009 Quelle: AP

Das Geschäftsmodell ist so tief erschüttert wie noch nie in der Geschichte der Cobank

Und da wird es ernst: Denn wo, wenn nicht mit dem privaten Kunden (vom Kleinsparer bis zum mittelgroßen Unternehmer) soll die Bank den stabile Erträge erwirtschaften, wenn die andere, schnelle Seite, das Investmentbanking und die großen Finanzierungen, so bitter daneben ging?

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Commerzbank jedenfalls hat noch kein Rezept dagegen gefunden. Es ist zwar ein Vorteil, dass sie bei den Kapitalanforderungen weiter kommt, auch beim Durchforsten fauler Kredite und anfälliger Anleihen. Doch es fehlen die substanziellen Erträge auf der Einnahmenseite. Und da jetzt wieder mal mit Einsparungen gegenzusteuern, ist das Eingeständnis des Scheiterns.

    Aktienkurs Commerzbank

    Kein Wunder, dass die Commerzbank-Aktie derzeit zu den schwächsten Bank-Papieren in Europa gehört. Sie hängt wesentlich mieser im Markt, als der Stoxx 600 Banken zeigt. Und vor allem ist sie wesentlich schwächer als erfolgreichere Konkurrenten wie etwa die französische BNP Paribas. Der nämlich gelang, neben der Stabilisierungen des Kapitals und der Risikominderung bei den Assets, das Filialgeschäft wieder auf die Beine zu stellen.

    Brisant ist in diesem Zusammenhang die Deutsche Bank. Deren Aktien sind derzeit ebenfalls erstaunlich schwach. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise müsste die Deutsche in einem durchaus nicht schlechten Umfeld (der Dax in Richtung 7000, der Bund Future immer noch auf Rekordniveau) wesentlich besser dastehen.

    Doppelt bitter: Wenn die richtige Strategie durch Machtfragen torpediert wird

    Die Brennpunkte der Deutschen Bank
    BerlinDas Verhältnis der Deutschen Bank zur Politik war unter Ackermann zwiespältig. Das soll nun vor allem Co-Chef Fitschen pflegen. Quelle: Reuters
    FrankfurtIn der Deutschen-Bank-Zentrale fürchten einige Manager zu viel Einfluss der Investmentbanker. Als Beleg sehen Skeptiker die Besetzung der Top-Position im Risikomanagement durch einen Getreuen von Co-Chef Jain. Quelle: Laif
    BonnDer kommende Postbank-Chef Frank Strauß soll Ertragskraft und Effizienz des größten Zukaufs der Ära Ackermann stärken. Dafür muss er vor allem kulturelle Differenzen in den Griff bekommen. Quelle: dpa
    LondonDie Zentrale der Investmentsparte der Deutschen Bank sitzt in London und beeindruckt Besucher mit moderner Kunst. Sie will von der Schwäche der Konkurrenz profitieren und weltweit unter die Top 3 vorstoßen. Quelle: Laif
    New YorkWegen ihrer zweifelhaften Rolle in der Verbriefung minderwertiger Hypothekenkredite protestieren Hausbesitzer in den USA gegen die Deutsche Bank. Die Schadensersatzforderungen belasten das neue Duo an der Spitze. Quelle: Reuters
    PekingDas Geschäft in Asien wird für die Deutsche Bank trotz staatlicher Beschränkungen immer wichtiger. Am größten sind die Wachstumsaussichten in China. Aber auch Indien erweist sich als unausgeschöpftes Finanzreservoir. Quelle: Laif

    Was genau hinter der auffälligen Schwäche der Deutschen Bank steckt, lässt sich erahnen. Es ist das grundlegende Dilemma, das die Bank nun schon seit Jahren mit sich herumträgt und das durch den Richtungsentscheid mit der neuen Führung nur noch verschärft wurde.

    Ackermann hat immer wieder versucht, das in der Tat starke und wichtige Investmentbanking der Deutschen Bank durch ein ebenso starkes und wichtiges Basis- und sogar Massengeschäft auszutarieren; deshalb der richtige Kauf der Postbank. Die brisante Entwicklung auf den Kapitalmärkten in den vergangenen Jahren hat Ackermann absolut recht gegeben.

    Klar, im Investmentbanking muss die Deutsche Bank stark sein, nur so kann sie international in der ersten Liga spielen. Aber: Die Finanzturbulenzen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Bank dem nicht ausgeliefert sein darf und unbedingt ein weiteres, breites Standbein braucht.

    Das Hin und Her der neuen Führung ist bezeichnend. Erst einen dezidierten Investmentbanker oben hinsetzen, der dann als einer seiner ersten großen Maßnahmen gleich massenweise Investmentbanker entlassen muss, zeugt von keiner stringenten Strategie. Egal, was Ackermann darüber nun wirklich gesagt hat; dass er ziemlich frustiert darüber sein dürfte, wie mit seinem Erbe umgegangen wird, ist anzunehmen.

    Top-Jobs des Tages

    Jetzt die besten Jobs finden und
    per E-Mail benachrichtigt werden.

    Standort erkennen

      Börse



      Frustiert sind auch die Aktionäre der Deutschen Bank. Es kommt selten vor, dass die Aktie in einer allgemeinen Erholungsphase des Marktes nicht zu den Taktgebern gehört sondern zu den Losern. Das einzige, was sich mit der Deutschen- Bank-Aktie derzeit „sinnvoll“ machen lässt, ist die Spekulation, dass sich das Papier zwischen 20 und 25 Euro fängt und von da aus den Turnaround startet.

      Die Deutsche Bank als spekulative Turnaround-Aktie – ein Kompliment für die Bank ist das ja nicht. Aber immerhin, besser als bei der Commerzbank stehen die Chancen hier schon.

      © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
      Zur Startseite
      -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%