Aktien der Goldminen "Minenaktien sind so preiswert wie vor 70 Jahren"

Hohe Förderkosten und ein niedriger Goldpreis zwangen viele Goldminenbetreiber zu Kostensenkungen. Minenaktien seien gegenüber Gold unterbewertet und ein antizyklischer Kauf, sagt nun Fondsmanager Ronald-Peter Stöferle.

Goldminen-Aktien antizyklisch kaufen. Quelle: dpa Picture-Alliance

Herr Stöferle, Goldminenaktien sind seit dem Goldpreishoch im September 2011 bei 1900 Dollar um gut 80 Prozent eingebrochen. Was ist schief gelaufen?

Die Minen haben ihren Fokus gelegt auf riskante und teure Übernahmen, finanziert meist durch die Ausgabe neuer Aktien. Stark gestiegene Kosten, etwa wegen des Mangels an Fachkräften, höherer Treibstoffpreise, negativer Währungseffekte und dem Abbau von Gestein mit niedrigem Goldgehalt drückten auf die Margen. Hinzu kamen teure Auflösungen von Absicherungsgeschäften.

Ronald-Peter Stöferle Quelle: Presse

Die Branche kalkulierte mit immer höheren Preisen.

Ja, so ließen sich zuvor unrentable Vorkommen in die Minenpläne einbeziehen mit dem Ziel, die Lebenszyklen der Minen zu verlängern und die Produktion ausweiten. Der überbordende Optimismus steigerte den Risikoappetit des Managements.

Zur Person

Gold ist dann um 40 Prozent gefallen.

Die Minen mussten Explorations- und Entwicklungsprojekte abschreiben, veräußern oder auf Eis legen und rigide die Kosten senken. Die Betriebs- und Kapitalkosten haben sich inzwischen spürbar verringert. Im Zuge der Marktbereinigung wurden neue Prioritäten gesetzt.

Welche?

Es geht nicht mehr um die Maximierung der Goldförderung. Es geht jetzt um Rentabilität und Kapitaldisziplin. Die Erzielung eines freien Cashflow steht im Vordergrund. Daraus lassen sich Dividenden an die Aktionäre auszuschütten und gegebenenfalls Schulden tilgen.

Sind das noch Lippenbekenntnisse?

Viele Minen haben ihre Margen tatsächlich deutlich verbessert. Das Bekenntnis zu Kosten- und Finanzdisziplin und zum Shareholdervalue ist eine wesentliche – wenn auch sehr späte – Einsicht des Sektors. Nachdem Abschreibungen und Wertberichtigungen einmalige Maßnahmen waren, könnte das jetzt einen erhöhten Hebel nach oben bedeuten.

Wenn weniger in die Entdeckung neuer Vorkommen investiert wird, schrumpfen auf Dauer die Reserven.

In der Tat sind die Reserven der großen Produzenten im Vorjahr um durchschnittlich 14 Prozent gesunken. Ich rechne daher damit, dass die Produzenten ihre Reserven mittels Übernahmen und Fusionen (M&A) auffüllen werden.

Wer profitiert?

Das werden Junior-Produzenten und vor allem ausfinanzierte Explorations-Gesellschaften sein.

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Im Vergleich zum Goldpreis sind Goldminen so tief bewertet wie seit 2000 nicht mehr. Damals begann der Bullenmarkt. Sind Minenaktien unterbewertet?

Ja, eindeutig. Das wahre Ausmaß der Unterbewertung lässt sich erkennen anhand eines langfristigen Vergleichs: Der Barron’s Gold Mining Index (BGMI), der Minenindex mit der längsten Historie, markierte jüngst gegenüber dem Goldpreis den tiefsten Stand seit 70 Jahren. Die Relation liegt gut 70 Prozent unter ihrem langfristigen Mittelwert.

Gibt es sonst noch Kaufargumente?

Gold profitiert in Zeiten wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit, die wir jetzt wieder sehen. Goldminenaktien sind einer der wenigen Sektoren, die langfristig entgegengesetzt zum breiten Aktienmarkt laufen. Zudem gibt es keinen Sektor, der aktuell so skeptisch eingeschätzt wird wie Minenaktien.

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