Aktien im Test Der große Dax-Check 2015

Die Dax-Aktien dürften 2015 nicht abstürzen - doch nicht alle Titel aus der ersten Börsenliga sind ein Kauf. Bei welchen Werten Anleger zugreifen können.

Diese Unternehmen haben 2014 die Börse gerockt
AlibabaDem chinesischen Online-Riesen gelang der größte Börsengang der Finanzgeschichte: Alibaba nahm bei der Aktienplatzierung in New York am 19. September über 25 Milliarden Dollar ein. Seitdem stieg der Kurs um 20 Prozent, Alibaba ist nun 280 Milliarden Dollar wert. Quelle: REUTERS
NN GroupDer größte Börsengang in Europa war das IPO der NN Group, der Versicherungssparte des Finanzkonzerns ING mit einem Emissionsvolumen von 2,4 Milliarden US-Dollar, vor dem IPO des britischen Verkehrsclubs AA, der 2,36 Milliarden US-Dollar einbrachte. Insgesamt gab es im Jahr 2014 sieben Börsengänge deutscher Firmen in Frankfurt und elf Emissionen von ausländischen Unternehmen, die zusammen 3,4 Milliarden Euro einbrachten. Quelle: REUTERS
SLM SolutionsIm Mai wagte sich das erste deutsche Unternehmen an die Börse. Die IPO des Lübecker 3D Drucker-Herstellers SLM Solutions fiel jedoch kleiner aus als geplant. Das Unternehmen teilte nur zehn Millionen statt der geplanten bis zu 11,2 Millionen Aktien zu. Der Preis lag mit 18 Euro am unteren Ende der bis 23 Euro reichenden Preisspanne. Der SLM-Börsengang hatte damit ein Volumen von 180 Millionen Euro. Quelle: dpa
Braas Monier Im Juni machte der Dachpfannen- und Schornstein-Hersteller Braas Monier den bis dato größten Börsengang des Jahres in Deutschland perfekt. Das Unternehmen und seine Eigentümer nehmen mit der Emission bis zu 541 Millionen Euro ein. Die bis zu 22,5 Millionen Braas-Monier-Aktien würden zu je 24 Euro ausgegeben und damit im unteren Viertel der Preisspanne, die von 23 bis 28 Euro reichte. Allerding verlief der eigentliche Börsenstart. Mit 23,40 Euro wurden die Aktien zu Beginn des Handelstags unter dem Ausgabepreis von 24 Euro gehandelt. Quelle: dpa
Rocket InternetDer Startup-Entwickler Rocket Internet schürte große Erwartungen. Rocket Internet nahm 1,4 Milliarden Euro ein, doch die Aktie kippte beim Debüt am 2. Oktober unter den Ausgabepreis. Inzwischen gibt es ein Kursplus von 50 Prozent, Rocket ist 8,3 Milliarden Euro wert. Quelle: dpa
ZalandoDer Mode-Händler Zalando gab seinen Aktionären erst keinen Grund, vor Glück zu schreien. Die Zalando-Aktie fiel gleich zum Start am 1. Oktober unter den Ausgabepreis und erholte sich erst nach guten Quartalszahlen. Der Marktwert liegt damit bei 5,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
GoProDer US-Hersteller von Abenteuerkameras begann als Hobby-Projekt - und ist heute zehn Milliarden Dollar wert. Schon beim Börsengang am 27. Juni sprang die Aktie von GoPro um mehr als 30 Prozent über den Ausgabepreis. Seit dem Debüt stieg der Kurs um mehr als 150 Prozent. Quelle: REUTERS

Frank Doll, Mark Fehr, Martin Gerth, Stefan Hajek, Niklas Hoyer, Annina Reimann, Hauke Reimer, Anton Riedl, Heike Schwerdtfeger, Christof Schürmann, Cornelius Welp

⇓ Adidas: Der Schuh drückt

Eigentlich hätte es ein tolles Jahr werden müssen: Olympia, Fußball-WM mit dem richtigen, weil mit drei Streifen ausgestatteten Weltmeister – und Hauptwerbeträger FC Bayern eilte von Sieg zu Sieg. Doch was üblicherweise zu Rekordgewinnen führt, endete 2014 im Desaster.

Um ein Fünftel brachen die Gewinne weg, alle wichtigen Margen knickten ein, in der Spitze gab der Kurs um 40 Prozent nach. Die Gründe sind vielschichtig: Konkurrent Nike überrollte den Markt mit neuen Sneakers und Laufschuhen erfolgreich wie nie; Tochter Reebok ist nach wie vor meilenweit von ursprünglichen Zielen entfernt; das Russlandgeschäft krisengeschüttelt.

Zudem dürften sich an guter Unternehmensführung interessierte Anleger angesichts der Causa Hoeneß mit Grausen abgewendet haben. Adidas ist Großaktionär beim FC Bayern, Chef Herbert Hainer sitzt im Aufsichtsrat, der am strafrechtlich gefallenen Bayern-Boss zu lange festhielt. Viel kaputtes Porzellan also, das sich nicht mehr kitten lässt. Die Aktie ist selbst nach dem Sturz nicht billig. Schnäppchenpreise liegen zwischen 40 und 50 Euro.

Alle Dax-Aktien im Härtetest

⇑ Allianz: Aktionäre bevorzugt

In Zeiten niedriger Zinsen werden Dividenden wichtiger. Statt wie bislang 40 Prozent des Jahresüberschusses sollen künftig 50 Prozent ausgeschüttet werden. Hintertürchen: Die unternehmenseigene Kapitalbasis muss stimmen, was angesichts der starken Bilanz klappen sollte.

Sieben Euro Dividende sind drin (2014: 5,30 Euro) – gut fünf Prozent Rendite vor Kosten. Eine Sonderdividende oder mehr Aktienrückkäufe winken ab 2017, falls die Allianz ihr für Zukäufe bestimmtes Budget nicht ausnutzt.

Das Budget liegt bei 20 Prozent vom Nettogewinn und wurde zuletzt nicht ausgereizt. Generell fahren Aktionäre besser als Lebensversicherte – die Leben-Tochter kürzte die laufende Verzinsung klassischer Policen um 0,2 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent.

Sie entlastet sich so von niedrigen Zinsen und braucht weniger Kapital als Sicherheitspuffer. Positiv auch der Erfolg neuer Policen ohne Garantiezins. Im Gegenzug für potenziell höhere Renditen tragen Kunden das Risiko der Kapitalanlage.

Vom Gesetzgeber kommt Rückenwind, Versicherer müssen Kursgewinne aus Anleihen nicht mehr an Kunden auskehren. Das Ziel, 2014 operativ 10,5 Milliarden Euro einzufahren, dürfte die Allianz erreichen. Risiko wären stark steigende Zinsen.

Mit denen fallen Anleihekurse, dann brauchen Versicherer ab 2016 dank neuer Regulierung mehr Kapital als Puffer. Problematisch die Tochter Pimco, der Anleger zweistellige Milliardenbeträge entzogen, nachdem Starmanager Bill Gross abtrat.

Welche Perspektiven die Dax-Werte bieten, wie sie sich 2014 entwickelten

⇑ BASF: Chemie als Basis

Die verhaltene Konjunktur in der Branche dürfte dazu führen, dass der Chemiekonzern in diesem Jahr das ursprüngliche Umsatzziel von 80 Milliarden Euro deutlich verfehlt. Negativ auch, dass der Deal mit dem russischen Staatskonzern Gazprom, bei dem BASF seinen Gashandel und die Gasspeicher abgeben und im Gegenzug Anteile an sibirischen Gasfeldern bekommen sollte, geplatzt ist.

Über den Ableger Wintershall, der sich durch Anteile an Ölfeldern der norwegischen Statoil verstärkt, wird BASF ein noch größerer Energieförderer. Das ist angesichts schwacher Energiepreise derzeit ein Nachteil, der die Kostenvorteile des niedrigen Ölpreises bei der Chemieproduktion mehr als aufzehrt.

Immerhin, mit neuen, margenstarken Produkten (etwa feuchtigkeitsaufsaugenden Polymeren) und vielversprechenden Zukäufen in China baut BASF sein Kunststoffgeschäft aus. In der Agrochemie drücken weiterhin niedrige Rohstoffpreise.

Welche finanziellen Lasten aus möglichen Manipulationen des Platinpreises drohen, ist offen. In ähnlichen Fällen blieben die Strafen mit zweistelligen Millionenbeträgen überschaubar. Insgesamt dürfte BASF 2015 beim Gewinn kaum zulegen.

Ziemlich sicher ist im 150. Jahr des Bestehens die Dividende. Schon die bisherige Ausschüttung von 2,70 Euro ergäbe rund vier Prozent Rendite. BASF bleibt ein Basisinvestment.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%