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Aktien Japans Unternehmen sind eine Geldanlage wert

Börse Tokio Quelle: dpa

Angesichts der Bärenstimmung an deutschen Börsen sollten Anleger den Blick nach Japan wagen, schreibt der Investmentexperte Christophe Braun. Er sieht die Gewinnaussichten japanischer Unternehmen positiv.

Japans riesiger Aktienmarkt sollte einen genaueren Blick wert sein. Verglichen mit allen anderen wichtigen Börsenplätzen konnten die dort notierenden Unternehmen im vergangenen Jahr das größte Plus beim Gewinnwachstum erzielen. Das zeigt, dass Japan noch immer attraktiv ist. Zugleich ist der japanische Aktienmarkt weiterhin günstig bewertet. Verglichen mit den Bilanzwerten der Unternehmen liegen deren Kurse nahe dem Niveau nach der globalen Finanzkrise und dem auch für die Wirtschaft verheerenden Tsunami im Osten Japans im Jahr 2011.

Gleichzeitig besitzen japanische Aktien im Verhältnis zu anderen Märkten ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis, wobei die Gewinnrendite des japanischen Aktienmarktes im Gegensatz zur Rendite japanischer Staatsanleihen gestiegen ist. Das Verhältnis von Kursen zu Gewinnen der Unternehmen ist ein Richtwert dafür, wie lang es dauert, die Investition in eine Aktie durch ausschüttungsfähige Gewinne wieder hereinzuholen.

Ein weiterer positiver Faktor: Das Gewinnwachstum in Japan wird zunehmend von inländisch orientierten Unternehmen getrieben. Beispiele für Unternehmen, die sich auf den lokalen Konsum konzentrieren sind Seibu Holdings und East Japan Railway. Beide agieren in der Transport- und Logistikbranche und profitieren vor allem von den vielen Touristen in Japan. Aber auch der Markenhersteller und Einzelhändler MUJI, sowie das Süßwaren-Unternehmen Meiji erfreuen sich am Aufschwung der japanischen Wirtschaft und der langersehnten lokalen Nachfrage.

Somit dürfte der wichtige Aktienindex Tokyo Stock Price Index, kurz TOPIX, in Zukunft weniger abhängig von der Bewegung des Yen-Dollar-Wechselkurses werden. Und die Aussichten bleiben gut, die Bewertungen dürften sich weiter verbessern und die Erträge steigen.

Getragen wurde die gute Entwicklung am japanischen Aktienmarkt vor allem durch die zahlreichen Reformen, die so genannten Abenomics, wie das wirtschaftspolitische Programm des japanischen Premierministers Shinzo Abe gern genannt wird. Sein Programm ruht auf drei Pfeilern: Lockere Geldpolitik mit niedrigen Zinsen, Konjunkturhilfen sowie Strukturreformen für Japans verkrustetes Wirtschaftssystem. Abe und seine Abenomics haben die Grundlage für die wirtschaftlichen Verbesserungen geschaffen. Insgesamt macht die japanische Wirtschaft auch weiterhin langsam aber stetig Fortschritte – auch wenn das Ziel noch nicht erreicht ist.

Was für Anleger dieses Jahr gefährlich werden könnte
Die US-Notenbank Federal Reserve in Washington. Quelle: AP
Rote Beleuchtung von Sperrpollern an der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main (Hessen). Quelle: dpa
Eine Frau wirft in Köln (Nordrhein-Westfalen) ihren Wahlzettel in eine Urne. Quelle: dpa
Israelische Soldaten feuern in Bethelehem (Palästinensische Autonomiegebiete) mit Tränengas-Granaten auf palästinensische Demonstranten. Quelle: dpa
Ein Broker auf dem New Yorker Börsenparkett. Quelle: REUTERS
Ein Schild in der schweizerischen Stadt Zug. Quelle: dpa

Es scheint, dass die Regierung von Premierminister Abe Innovationen im Land künftig stärker fördern möchte – zum Beispiel in den Bereichen künstliche Intelligenz, medizinische Forschung und Fabrikautomatisierung. Folglich könnten Unternehmen, die von der zyklischen Nachfrage profitieren, besonders interessant für Anleger werden. Hierzu zählen beispielsweise Autohersteller, die die Entwicklung des autonomen Fahrens erfolgreich vorantreiben.

Autonome Fahrzeuge werden künftig genau wie Smartphones, Computer sowie Heimelektronik- und Industriegeräte Teil des Systems der vernetzten Geräte werden – dem so genannten Internet der Dinge. Diese Entwicklung ist auch vorteilhaft für Unternehmen, die aus den strukturellen Veränderungen der Branche einen Nutzen ziehen können. Dazu gehören unter anderem auf Datenkommunikationstechnologie und Sicherheit spezialisierte Unternehmen aber auch Sensorhersteller und Halbleiterunternehmen, die gleichzeitig tendenziell profitabler sind.

Vorsicht bei kleinen Börsenunternehmen

Vorsicht sollten Anleger hingegen bei Small Caps walten lassen, also bei kleineren börsennotierten Unternehmen, die nicht so rege gehandelt werden. Ein Beispiel für ein japanisches Small-Cap-Unternehmen ist der Werkzeughersteller Nakanishi (NSK), der weltweit das breiteste Sortiment an Instrumenten und Gerätschaften für Zahnärzte herstellt. In den vergangenen fünf Jahren haben sich solche japanischen Small-Cap-Unternehmen bereits außergewöhnlich gut entwickelt, sodass sie nun sehr hoch bewertet sind. Und doch besitzen sie das Potenzial ihre gute Entwicklung fortzusetzen, da es zurzeit viel Interesse für diese Art von Nischen-Unternehmen gibt. Allerdings sollten Anleger die Zinsen und die Währung im Auge behalten, weil deren Entwicklung die Kleinwerte negativ beeinflussen könnte.

Der Effekt lässt sich mit folgendem theoretischen Szenario verdeutlichen: Die oft inländisch-orientierten Small Caps laufen in der Regel gut, wenn der Yen stabil ist oder stärker wird. Verliert der Yen hingegen, erzielen Large-Cap-Exporteure wie Murata, SMC, Keyence oder Asahi Kasei Corp. und auch die großen japanischen Automobilhersteller meist bessere Ergebnisse, da die internationale Nachfrage nach ihren Produkten steigt. Gehen die Zinssätze hingegen zurück, performen kleinere, inländische Unternehmen oftmals gut. Wenn die Zinsen steigen, sollten Anleger eher auf größere Finanztitel setzen. Beachten Investoren diese Faktoren, können sie in Nippon erfolgreich sein.

Der Gastautor Christophe Braun ist Investmentspezialist für japanische Aktien am Londoner Standort des Vermögensmanagers Capital Group.

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