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Aktien und Prognose Die aussichtsreichsten Märkte 2015

Die Themen EZB-Anleihekäufe, EU-Investitionsprogramm und der Ölpreis werden in diesem Jahr die Aktienmärkte massiv beeinflussen. Welche Länder davon profitieren und wie Anleger auf diese Themen setzen können.

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Die Aktienmärkte in Südeuropa, China und Russland sollten Anleger 2015 im Blick haben. Quelle: Getty Images

Düsseldorf Billiges Geld, billiges Öl. Auf diese einfache Formel lässt sich das reduzieren, was die Aktienmärkte derzeit antreibt. Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) haben die Kapitalmärkte mit Geld geflutet. Das sorgte in den vergangenen Jahren fast weltweit für steigende Aktienkurse – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Der sinkende Ölpreis und politische Verwerfungen haben zuletzt allerdings die Wirtschaft in einigen Regionen unter Druck gesetzt – und in der Folge auch deren Aktienmärkte: In erster Linie ist hier Russland zu nennen, das zudem unter den Sanktionen des Westens leidet.

Gleichzeitig profitieren Wirtschaftsräume wie Asien – hier insbesondere China – und Europa, die Energieträger in großem Umfang importieren, derzeit von den niedrigen Ölpreisen. Die Perspektiven für diese Aktienmärkte sehen entsprechend unterschiedlich aus. Ein Ausblick auf diese drei Regionen zeigt die Chancen auf, die sich aus der aktuellen Situation ergeben.

Europa: moderates Wachstum auf Pump

„Die wirtschaftliche Dynamik in den ehemaligen europäischen Krisenländern beschleunigt sich wieder. Das ist ein Zeichen, dass die Strukturreformen in den Peripherieländern greifen. Der Kontinent bewegt sich aber immer noch wirtschaftlich auf einer Durststrecke“, sagt Asoka Wöhrmann, Chief Investment Officer der Deutschen Asset & Wealth Management. Für die Aktien an den europäischen Börsen muss das jedoch nicht heißen, dass die Kurse sinken werden.

Im Gegenteil: „Die EZB dürfte mit Anleihekäufen für Impulse in Europa sorgen. Die Politik des lockeren Geldes hat sich bisher als Treiber für steigende Aktienkurse sowie Immobilien- und Anleihepreise erwiesen. Und sie wird dies auch 2015 tun“, so Wöhrmann. Flankiert wird die Politik der EZB zudem durch neue Konjunkturprogramme der europäischen Union: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat in diesen Tagen ein milliardenschweres Investitionsprogramm für die europäische Wirtschaft vorgestellt.

Der Plan hat das Ziel, mit Hilfe eines Kapitaltopfs in Höhe von 21 Milliarden Euro und weitreichenden Garantieversprechen für Unternehmen Investitionen von mindestens 315 Milliarden Euro in den kommenden Jahren anzustoßen. „Wenn das funktioniert, wird das Geld in die Infrastruktur fließen.

Bessere Straßen, ein zukunftsfähiges Energienetz und ein Ausbau des Internets sorgen dann für reales Wachstum“, erklärt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Die Kehrseite der Medaille sei allerdings eine weiter steigende Verschuldung der Staatshaushalte in Europa. „Es ist Wachstum auf Pump“, so Halver.


Wachstum auf Pump

Doch der Zweck heiligt mittlerweile alle Mittel: Zum einen werden gerade in den europäischen Ländern der Südperipherie Investitionen angestoßen. Zum anderen dürfte Deutschland der Wachstumsmotor in Europa bleiben – auch an der Börse. Anleger sollten dabei jedoch nicht nur den Dax im Blick behalten.

Von Konjunkturprogrammen, die auf den Ausbau der hiesigen Infrastruktur zielen, könnten insbesondere deutsche Mittelständler aus der zweiten Börsenreihe profitieren, die vornehmlich im Mittelstandsindex MDax gelistet sind. Dazu zählen Unternehmen wie die Baukonzerne Hochtief, Bilfinger oder der Anlagenbauer Kuka.

Passende Produkte: Anleger, die von den Strukturinvestitionen im Süden Europas Kurssteigerungen an den Börsen erwarten, können in ein Zertifikat von der BNP Paribas (WKN AA5BF2) investieren: Das Euro-Peripherie Value Select TR Basket Zertifikat bildet die Kursentwicklung von 15 großen Unternehmen aus den Peripherie-Staaten Italien, Portugal und Spanien nach.

Investoren, die sich das Zertifikat bei der Emission im Juli 2012 ins Depot gelegt haben, können sich heute bereits über einen Wertzuwachs von 62 Prozent freuen. Das ist natürlich kein Scheck auf die Zukunft. Aber es zeigt die Dynamik, mit der sich die Länder in den vergangenen Jahren entwickelt haben.

Mit einem Bonuszertifikat auf den MDax von der Commerzbank (WKN CB1T3Z) setzen Investoren auf steigende Kurse deutscher MDax-Aktien in den nächsten sechs Monaten. Ein Sicherheitspuffer des Bonuspapiers sorgt dafür, dass selbst leichte Kursverluste ohne Folgen bleiben. Das Zertifikat bietet bis zum Fälligkeitstag am 18.06.2015 eine Bonusrendite von rund 2,3 Prozent und eine Barriere, die 17 Prozent unterhalb des aktuellen MDax-Kurses verläuft.

Konkret bedeutet das: Aktuell notiert der MDax bei 16.955 Punkten. Sofern der Index nicht auf oder unter die Marke von 14.000 Punkten fällt, erzielen Anleger mit dem Zertifikat mindestens 2,3 Prozent Gewinn. Steigt der Index über die Bonus-Schwelle von 18.000 Punkten, partizipieren Investoren eins zu eins von weiteren Kurssteigerungen, da das Zertifikat keine Gewinnbegrenzung (Cap) hat.

China: Konzentration auf den Binnenmarkt

„Konjunkturpolitik wird in Europa derzeit mit Geldpolitik gemacht. Letztlich bezahlen das die Sparer mit einem schwächer werdenden Euro und einer schleichenden Enteignung. Deshalb sollten sie auch über die Grenzen Europas hinausschauen“, rät Robert Halver. Insbesondere China biete derzeit ein gutes Umfeld für Investitionen. „Die gesunkenen Rohstoffpreise sind für ein Land wie China vorteilhaft. Denn es steht auf der Käuferseite“, sagt Robert Halver.


Wie Anleger auf chinesische Indizes setzen können

Das Land kann billiges Öl gut gebrauchen – gerade angesichts der anstehenden wirtschaftlichen Neuorientierung. „China will die Binnenkonjunktur stärken. Diese Entwicklung ist zu begrüßen. Denn andernfalls würde die chinesische Konjunkturblase mit massiven Kollateralschäden für die gesamte Weltwirtschaft platzen“, so Halver. Für deutsche Anleger in diesem Zusammenhang besonders interessant: Erst seit wenigen Wochen hat sich der weltgrößte Aktienmarkt ausländischen Investoren geöffnet.

An den chinesischen Börsen in Hongkong und Shanghai haben Anleger aus dem Ausland nun Zugang zum zwei Billionen US-Dollar schweren chinesischen Binnenmarkt. Bislang konnten Investoren nur in Hongkong mehr oder weniger unreguliert mit chinesischen Aktien handeln.

Nun kommen Anteilsscheine von 568 in Shanghai gelisteten Unternehmen hinzu, die für rund 90 Prozent der Marktkapitalisierung stehen. Der Effekt: Seit der Öffnung im November hat der Shanghai-Composite Index 25 Prozent an Wert zugelegt. Es dürfte nur ein Auftakt sein. Der Run auf chinesische Inlandsaktien hat gerade erst begonnen.

Passende Produkte: Anleger, die darauf setzen, dass sich der chinesische Binnenmarkt weiterhin gut entwickelt, können leider nicht direkt mittels Zertifikaten in den Shanghai Composite Index investieren. Es gibt allerdings Alternativen, mit denen sich auch gut leben lässt, beispielsweise ein Produkt von der BNP Paribas auf die A-Aktien des CSI 300 China Total Return Index (WKN AA1DEW). Basiswert ist der Exchange Traded Fund (ETF) W.S.I.E CSI 300 China Tracker, aufgelegt von der Hongkonger ETF-Schmiede BOCI Prudential.

Der ETF ist an der Börse in Hong Kong gelistet und bildet die Wertentwicklung der 300 größten Aktien aus dem A-Segment der Börsen in Shanghai und Shenzhen ab. Auch das China-Zertifikat der Deutschen Bank auf den FTSE/Xinghua A50 China Index (WKN DB0RCA) bedient sich als Basiswert eines ETFs, der in Deutschland nicht handelbar ist. Die Performance entwickelte sich in der Vergangenheit ähnlich wie der CSI 300 China Index. Von dem Index gibt es auch eine Version mit nur 25 Aktien, dessen Entwicklung direkt von dem entsprechenden iShares ETF verbrieft wird (A0DPMY). Der FTSE/Xinghua 25 China Index umfasst auch H-Aktien und Red Chips.

Russland: Bärenmarkt mit Turnaround-Chance

Während der niedrige Ölpreis für China ein Segen ist, erweist er sich für Russland als Fluch. Die Sanktionen der westlichen Welt setzen der Wirtschaft zu. Der drastische Preisverfall des Ölpreises potenziert den Abwärtstrend. „Die Wirtschaft wird vom Energiesektor dominiert und leidet entsprechend“, sagt Daniel Schär, Analyst bei der Weberbank.

Der russische Rubel befindet sich seit dem Sommer im freien Fall. Der Versuch der Notenbank, durch Devisenkäufe die Währung zu stärken, blieb ebenso wirkungslos wie die überstürzte Anhebung des Leitzinses von 10,5 auf 17 Prozent. Einziger Effekt: Die Devisenreserven des Landes schmelzen.


Erinnerungen an die Rubelkrise 1998

„Mittlerweile wird das Ausfallrisiko bei russischen Staatsanleihen auf 33 Prozent geschätzt. Das weckt Erinnerungen an die Rubelkrise von 1998“, so Schär. Auch die Prognosen machen zunächst keinen Mut: Experten rechnen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um etwa fünf Prozent in den kommenden drei Jahren.

„Ein Investment in russische Aktien scheint im Moment in der Tat nicht besonders attraktiv. Aber das ist das Wesen von politischen Börsen. Wenn andere Regionen ein augenscheinlich besseres Chance-Risiko-Profil bieten, fließt das Kapital eben dort hin“, sagt Uwe Zimmer, CEO der Meridio Vermögensverwaltung.

Die Panik der Anleger sei allerdings übertrieben, so Zimmer. Mit dieser Meinung ist Zimmer nicht alleine. „Ein fallender Ölpreis ist natürlich nicht gut für Russland. Allerdings kann der Preis auch nicht mehr in dem Maße weiter sinken wie zuletzt“, meint auch Uwe Wiesner vom Vermögensverwalter Hansen & Heinrich in Berlin. „Außer Saudi-Arabien und Kuweit kann kaum ein Förderland dauerhaft Öl zu einem Preis unter 50 Dollar pro Barrel aus dem Boden holen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Ölpreis sich in den kommenden Monaten zumindest stabilisieren wird“, so Wiesner. Sollte es so kommen, werden auch die Kurse von russischen Energie-Konzernen wieder im Wert steigen – und damit auch die relevanten russischen Börsenindizes, die von diesen Aktien dominiert werden.

„Eine Gazprom wird derzeit mit einem 2015er Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwei gehandelt, eine Lukoil mit einem KGV von etwa drei. Etliche russische Unternehmen kosten derzeit weniger als ihr eigener Buchwert. Da ist auf jeden Fall Luft nach oben“, so Wiesner.

Passende Produkte: Anleger, die auf einen mittelfristigen Turnaround hoffen, sollten möglichst breit gestreut investieren und Einzelinvestments meiden. Hier bieten sich entsprechende Index-ETFs oder Zertifikate an. Beispiel: Der RDX (Russian Depositary Index), ein nach der Marktkapitalisierung gewichteter Preisindex, besteht aus russischen Blue-Chip-Aktien, die in US-Dollar an der Börse in London gehandelt werden. In diesem Index machen allein die drei Öl- und Gaskonzerne Gazprom, Lukoil und Rosneft zusammen einen Anteil von fast 50 Prozent aus.


Öl und Gas spielen eine große Rolle

RDX-Papiere, wie beispielsweise das Indexzertifikat von Société Générale (WKN SG23SR), entwickeln sich entsprechend in Abhängigkeit zu den Rohstoffpreisen. Auch im RTX (Russian Traded Index), der aus den umsatzstärksten und höchstkapitalisierten Aktien von Unternehmen besteht, die an der MICEX (Moscow Interbank Currency Exchange) gelistet sind, spielen Öl und Gas eine große Rolle – und das mit ähnlicher Gewichtung:

Allein die vier Öl- und Gas-Förderer Gazprom, Lukoil, Rosneft und Surgutneftegaz machen hier mehr als die Hälfte des Index aus. Ein Beispiel für ein Investment, das diesen Index als Basiswert hat, ist ein Zertifikat von Hypo-Vereinsbank onemarkets (WKN HV5B6Z).

Anleger, die diese Index-Produkte wählen, setzen deshalb nicht nur auf russische Aktien, sondern sind mit einem Bein immer auch im Ölmarkt investiert. Langfristig betrachtet, ist das angesichts des zurzeit niedrigen Ölpreises eher eine Chance als ein Risiko.

Fazit: Drei Faktoren werden auch im kommenden Jahr das Börsengeschehen maßgeblich mitbestimmen: die Zinspolitik der Zentralbanken, die Investitions-Politik der europäischen Regierungen und der Ölpreis. In diesem Spannungsfeld bieten die Börsen in Westeuropa, China und Russland Anlegern sehr unterschiedliche Chancen. Europas Politiker könnten mit Investitionsprogrammen für neuen Schwung in der Wirtschaft und an den europäischen Börsen sorgen. Insbesondere die Südländer und deutsche Mittelständler könnten davon profitieren.

Auf der anderen Seite der Erdkugel ist weitere Öffnung des chinesischen Aktienmarktes ist ein positives Signal und birgt großes Potenzial, während Russland-Investments langfristig aussichtsreich sein könnten. Geeignet sind sie mittelfristig jedoch nur für Anleger, die gerne dann kaufen, wenn die Kanonen donnern. Mit Blick auf die Ukraine ist dies in diesem Fall leider wörtlich zunehmen. In jedem Fall sollten Investoren wachsam bleiben und ihr Kapital möglichst breit streuen. Ein Selbstläufer ist im kommenden Jahr kein Aktienmarkt.

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