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Aktien Vorsicht, Dividende

Mit der Hauptversammlung von Daimler kommt die Dividendensaison in Fahrt. In den kommenden Wochen werden die Konzerne im Dax so viel aus wie noch nie ausschütten. Ein Segen für die Aktionäre? Nicht unbedingt.

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Alle warten auf die große Ausschüttung. Auch auf dem Parkett in Frankfurt. Quelle: dpa

Endlich Frühling. Keine Sorge, es geht an dieser Stelle ausnahmsweise nicht um das Wetter, sondern ums Geld. Jeder Aktionär weiß, wovon die Rede ist: Die Dividendensaison beginnt. Insgesamt werden die Aktionäre in diesem Jahr so viel Geld wie noch nie erhalten.

Mit Daimler geht der Geldregen so richtig los. Auf der heutigen Hauptversammlung stimmen die Aktionäre über die Dividende ab. Der Stuttgarter Autobauer wird 2,20 Euro je Aktie zahlen - nicht mehr, aber auch nicht weniger als im vergangenen Jahr. Morgen wird die Dividende ausgeschüttet. Jeder, der heute noch kauft, erhält sie. Allerdings wird die Aktie dann weniger wert sein, der Abschlag entspricht in der Regel der Höhe der Dividende.

In den kommenden Wochen folgt dann ein Dax-Konzern nach dem anderen mit seiner Dividende. Die 30 Dax-Unternehmen zahlen insgesamt 27,6 Milliarden Euro und damit knapp ein Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2008, wie die Unternehmensberatung Ernst & Young auf Basis der heutigen Dax-Zusammensetzung errechnet hat.

Die Dividende ist für Anleger mehr als nur ein nettes Extra, über einen langen Zeitraum betrachtet macht sie einen großen Teil der Erträge aus. Gerade in Zeiten, in denen es für Zinspapiere kaum noch Rendite gibt, können Dividendenwerte eine Alternative sein. Die Dividendenrendite vieler Aktien fällt höher aus, als das, was sich den Anleihen desselben Unternehmens erzielen lässt.

Die Frage ist nur: Können sich die Firmen die großzügigen Geschenke auch leisten? „Der Gesamtumsatz und das operative Ergebnis der Dax-Konzerne lag im vergangenen Jahr auf Rekordniveau – da wollen die Aktionäre natürlich beteiligt werden“, sagt Thomas Harms, Partner von Ernst & Young.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Schere zwischen den Guten und den Schlechten im Dax geht weit auseinander. Nur die erfolgreichen Unternehmen können sich eine hohe Ausschüttung erlauben. Andere wiederum geben sich spendabel, ohne dass sie sich das leisten könnten.

„Wir werden genau analysieren, ob die vorgeschlagene Dividende tatsächlich verdient wurde“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Im vergangenen Jahr sei das bei Eon, Lufthansa, Thyssen-Krupp, Telekom, MAN und Münchener Rück nicht der Fall gewesen.

In diesem Jahr schütten achtzehn Unternehmen eine höhere Dividendensumme aus als 2012, sieben Unternehmen zahlen weniger, weitere drei Unternehmen verzichten in diesem Jahr ganz auf die Zahlung einer Dividende: Commerzbank, Lufthansa und Thyssen-Krupp – 2012 waren es nur die Commerzbank.


Eher ein Warnsignal

Bei einigen Unternehmen drängt sich der Verdacht auf, dass sie die Dividende aus kosmetischen Gründen hochhalten – um die Aktionäre ruhig zu stellen. Eine sehr kurzsichtige Strategie. Auf lange Sicht erweisen sie ihren Anteilseignern damit keinen guten Dienst. Denn was an die Anteilseigner ausgeschüttet wird, fehlt im Unternehmen, zum Beispiel für Investitionen oder Forschung. Davon merkt der Anleger erst Jahre später etwas, wenn die Umsätze sinken.

„Sind steigende Ausschüttungen aber nicht von höherer Ertragskraft unterfüttert, sollten Investoren solche ‚Beruhigungspillen‘ eher als ein Warnsignal verstehen“, schreibt Michael Schmidt von Union Investment in einem Gastkommentar für das Handelsblatt.

Angesichts der Rezession in der Euro-Zone werden es Unternehmen, deren Geschäft sich auf Europa konzentriert, ohnehin schwer haben, etwa Versorger oder Telekomfirmen. Die liquiden Mittel können entscheidend sein, wenn die Konzerne auf Konjunkturschwankungen reagieren müssen. „Angesichts der weiterhin schwelenden Euro-Krise und der weltweiten Konjunkturrisiken ist eine großzügige Dividendenpolitik schließlich auch ein zweischneidiges Schwert“, räumt Harms ein

Die beiden Versorger Eon und RWE schütten nach Angaben von Ernst &Young mehr als 90 Prozent ihres Jahresüberschusses an die Aktionäre aus, bei Bayer sind es immerhin zwei Drittel. Auch bei Deutsche Börse, Siemens, Adidas und Deutsche Post liegt die Ausschüttungsquote bei mehr als 50 Prozent.

Das unrühmlichste Beispiel ist und bleibt allerdings die Telekom. Sie zahlt eine Dividende, obwohl das Konzernergebnis negativ ausfällt – die Ausschüttung finanziert sie aus der Substanz. Insgesamt zahlen die Bonner rund drei Milliarden Euro an die Anleger, so viel wie kein anderer Dax-Konzern. Auch bei der Dividendenrendite – also dem Verhältnis zwischen Aktienkurs und Dividende je Aktie – belegt die Telekom einen Spitzenplatz im Dax. Die Dividendenrendite liegt aktuell bei mehr als acht Prozent.

„Das Verhältnis der Dividende zum Kurs macht per se eine Aktie weder besonders sicher noch besonders attraktiv. Vielmehr ist in einigen Fällen die Dividendenrendite gerade deshalb so hoch, weil die Unternehmen Probleme haben und die Kurse gefallen sind“, weiß Schmidt.


Die besten Zahler

Immerhin hat bei der Telekom ein Umdenken eingesetzt. Statt in seine Aktionäre, will man künftig mehr in die Zukunft investieren. Die Dividende soll sinken, die Ausgaben für neue Breitbandtechnik steigen. Das hatte noch René Obermann vor seinem Abschied als Telekom-Chef angekündigt. Investoren werden künftig eine Dividende von 50 Cent je Aktie erhalten, jeweils für die Jahre 2013 und 2014. Die Investoren reagierten darauf verstimmt – dabei müssten sie eigentlich froh sein, dass das Unternehmen endlich eine ehrliche Dividende zahlen will.

Und noch etwas hat sich die Telekom einfallen lassen: Sie bietet ihren Aktionären erstmals an, sich die Dividende wahlweise in bar oder in Form von Aktien auszahlen zu lassen. Der Vorschlag könnte vor allem für den größten Aktionär interessant sein: Der Bund hält insgesamt 32 Prozent der T-Aktien, wobei 15 Prozent bei der KfW liegen. In den vergangenen Jahren pochte der Staat immer wieder auf eine hohe Ausschüttung, schließlich kommt das Geld direkt dem Haushalt zugute. Die Ausschüttung in Aktien statt in bar könnte einen Kompromiss darstellen, mit dem zumindest die KfW leben  könnte.

„Letztlich muss der Investor sich fragen, welches Ausschüttungsniveau ein Unternehmen nachhaltig tragen kann“, erklärt Schmidt von Union Investment. Umgekehrt könne eine Kürzung der Dividende das richtige Signal sein, wenn dies die Zukunftsfähigkeit eines Konzerns stärke. Als Beispiel nennt Schmidt die Lufthansa.

Wenn es dann wieder besser läuft, dann kann auch wieder eine Dividende gezahlt werden. Das zeigt das Beispiel Continental. Der Reifenhersteller schüttet 50 Prozent mehr als im vergangenen Jahr aus. Der Anstieg – der höchste im Dax – erscheint nicht übertrieben, er entspricht fast genau der Steigerung beim Jahresüberschuss. Zudem geht Conti mit einer Ausschüttungsquote von 24 Prozent immer noch sehr vorsichtig vor. Das wiederum mag daran liegen, dass Conti in der Finanzkrise 2009 bis 2011 gar keine Dividende  zahlen konnte.

Am besten sind Anleger bei Unternehmen aufgehoben, die Jahr für Jahr verlässlich zahlen. Die Direktbank Comdirect hat untersucht, welche Unternehmen zu den Top-Dividendenzahlern gehören. In den Vergleich spielte nicht nur die Rendite eine Rolle, sondern auch die Dividendenstabilität, die Kursentwicklung der vergangenen fünf Jahre, das Kurs-Gewinn-Verhältnis und Analystenmeinungen. Aus all diesen Faktoren errechnete die Direktbank eine Gesamtpunktzahl.

Am besten schnitt dabei Volkswagen ab. Trotz der starken Kursgewinne der vergangenen Jahre sei die Aktie „die billigste im Dax“, gemessen an dem Unternehmensgewinn. Seit 2009 steige die Dividende stetig, was angesichts der starken Nachfrage nach Autos in den USA und den Schwellenländern auch in den kommenden Jahren der Fall sein dürfte.

Ebenso stark schätzen die Experten die Aktie von BMW ein - deren Dividende hat sich seit 2009 verachtfacht. Auf den weiteren Plätzen folgen BASF, Allianz, Lanxess und Continental. Hinten liegen die üblichen Verdächtigen: Lufthansa, Infineon, Beiersdorf, Commerzbank und Thyssen-Krupp auf dem letzte Platz.

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