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Aktienanlage nach Regionen So grasen Investoren die Börsen nach Rendite ab

Europa - und zuvorderst Deutschland – steht in der Gunst von Profi-Investoren so hoch wie nie. Aber USA und Schwellenländeraktien holen auf. Ist ein regionaler Anlagefokus eine lohnende Strategie?

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Wo brummt die Wirtschaft und die Börse? Seine Aktienkäufe auf bestimmte Länder und Regionen zu konzentrieren, hat so seine Tücken. Quelle: dpa, Montage

Der Dax tendelt um die 10.000 Punkte, der breite US-Index S&P 500 eilt von Rekord zu Rekord und selbst an Spaniens Börse geht es seit fast zwei Jahren steil aufwärts. Keine Frage, die Aktienmärkte boomen, Aktien bleiben das Investment der Stunde. Wo aber dürfen Anleger die zuverlässigsten Kursgewinne erwarten?

Die Börsenprofis sind sich da nicht ganz einig. In die engere Wahl kommen die Anlageregionen Europa – mit Deutschland an der Spitze - , USA, Japan und die Schwellenländer.

In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage unter Fondsmanagern und Vermögensverwaltern der Bank of America Merrill Lynch war das Urteil auf den ersten Blick eindeutig: Europäische Aktien liegen in der Gunst der Profiinvestoren weit vorne. Besonders Deutschland rückte im vergangenen Monat wieder verstärkt ins Visier der Anlagestrategen: 31 Prozent von ihnen wollen ihre Aktieninvestments in Deutschland ausbauen. Einen Monat zuvor lag dieser Wert noch bei 17 Prozent.

Die Gewinner und Verlierer am Aktienmarkt
GewinnerBorussia Dortmund: 22 Prozent Der einzige börsennotierte Fußballklub Deutschlands ist nicht nur sportlich erfolgreich, sondern auch wirtschaftlich. Im Juni ist die Aktie in den SDax aufgerückt, nicht zuletzt, weil sich der Börsenwert in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt hat. Quelle: dpa
RWE: 23 ProzentDie Aktie des deutschen Energieversorgers ist wieder im kommen, von dem starken Abwärtstrend um 60 Prozent zwischen Anfang 2010 und September 2013 ist fast nichts mehr zu spüren. Warum? Das Investment ist durch eine günstige Bewertung und eine gute Dividendenrendite wieder attraktiv. Allerdings ist es unklar, ob das auf Dauer so bleiben wird. Quelle: dpa
Fielmann: 25 ProzentDas Unternehmen ist der Marktführer im Bereich "Augenoptik": 578 Niederlassungen gab es 2012 in Deutschland und einen Absatzmarktanteil von 51 Prozent. Auch in Zukunft sieht es nicht schlecht für den Brillenhersteller aus - es werden nämlich immer mehr Brillen und Kontaktlinsen gebraucht. Das Geschäftsmodell ist sicher, die Dividendenrendite stark - alles gute Zeichen für Fielmann. Lediglich die Online-Versandhändler könnte die gute Bilanz vermiesen. Quelle: dpa
Xing: 27 Prozent Das Unternehmen ist seit 2006 an der Börse und seit September 2011 im TecDax notiert - es gibt nicht viele soziale Medien, die am deutschen Aktienmarkt gehandelt werden. Das Netzwerk für berufliche Kontakte hat eine relativ gute Bewertung. Quelle: dpa
Hornbach: 28 ProzentEs wird vermutet, dass die Baumarktkette ihren Geschäftsblick für das laufende Jahr noch anheben wird. Denn das Unternehmen ist gut unterwegs: Alleine im ersten Quartal 2014 konnte der Umsatz um 16 Prozent auf eine Milliarde Euro gesteigert werden. Quelle: dpa
Sixt: 32 ProzentMieten ist attraktiver als kaufen - davon profitiert das Unternehmen. Außerdem gibt es zwei weitere Punkte, warum Sixt so erfolgreich ist: Das internationale Geschäft wird wichtiger und der Limousinenservice "my Driver" soll das Wachstum antreiben. Quelle: dpa
Kuka: 33 ProzentIndustrietaugliche Roboter bescheren dem Unternehmen einen Vorsprung gegenüber den Wettbewerber. Die hohe Bewertung wird auch durch Gerüchte um den Einstieg eines anderen Unternehmens angeheizt. Quelle: dpa

Aktien aus Spanien und Italien sind gefragt

Auch für Europa insgesamt ist die Stimmung der Umfrage zufolge "bullish": Die Zahl der Fondsmanager, die Europa auf Sicht der kommenden zwölf Monate übergewichten, steigt nochmals deutlich. 43 Prozent der Befragten haben in ihren Portfolios bereits einen Schwerpunkt auf europäischen Aktien gelegt. Es ist der zweithöchste Wert seit Juli 2007. Zudem sind sie hinsichtlich des Wirtschaftswachstums in der Euro-Zone optimistischer.

Selbst Aktien aus Spanien und Italien waren bei den Anlagestrategen zuletzt besonders beliebt. Aktien aus den beiden angeschlagenen Peripheriestaaten wollen jeweils 19 Prozent der Fondsmanager übergewichten – der zweithöchste Wert in der Umfrage. Zwei Drittel aller Befragten erwarten zudem eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank und damit einhergehend eine Belebung der Konjunktur – insbesondere in Krisenländern.

Also alles auf Dax, EuroStoxx oder die Euro-Peripherie setzen? Solche Überlegungen hält Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, für den falschen Weg. „Ich finde es schon fast unterhaltsam, wie oft bei der Diskussion um die regionale Gewichtung Äpfel mit Birnen verglichen werden. Da heißt es, der EuroStoxx sei günstiger bewertet als der S&P, der Nikkei sehe attraktiver aus als der FTSE – und dabei wird vergessen, dass die jeweiligen Indizes sehr unterschiedliche Zusammensetzungen nach Sektoren aufweisen“, argumentiert Vorndran. Der eine Index enthielte beispielsweise sehr viele Banken, der andere sehr viele Unternehmen aus dem Bereich Minen und Rohstoffe.

US-Aktien profitieren

Deshalb sollten Anleger, wenn sie die Performance der wichtigsten Börsenindizes verschiedener Länder betrachten, die Häufungen bestimmter Branchen berücksichtigen. „Bei solchen Vergleichen sollte man für die Indizes, die betrachtet werden, erst einmal die Sektorgewichtung kalibrieren. Dann verschwindet ein Großteil der Bewertungsdifferenz“, so Vorndran. Selbst dann müsste man aufpassen, denn innerhalb eines Sektors unterscheide sich die Qualität der Unternehmen teilweise drastisch. „Eine Deutsche Telekom ist keine Vodafone, General Motors oder Fiat nicht Porsche oder BMW, und Wells Fargo keine Commerzbank“, bringt es Vorndran auf den Punkt.

Wie man an der Börse die besten Chancen hat

Das relativiert auch die Argumente, die derzeit eher für die USA und gegen Europa als Anlageregion sprechen. Für die USA spricht derzeit ein dynamischeres Wachstum. „Die Amerikaner sind im Konjunkturzyklus weiter. Und weil der sehr gut aussieht, kann sich die Fed erlauben, ihre expansive Geldpolitik zu drosseln“, sagt auch Harald Preißler, Chefvolkswirt beim Anleihenmanager Bantleon.

Allerdings sei das Argument für den US-Aktienmarkt auch umkehrbar. „Das kann man negativ sehen, weil eben der Ausstieg bevorsteht. Oder man sieht es als Ritterschlag für den Aufschwung, der so stabil ist, dass er auch ohne die Geldspritzen der Notenbank auskommt“, so Preißler. Auch die im ersten Quartal gesunkenen Unternehmensgewinne in den USA hält Preißler in beide Richtungen für interpretationsfähig. „Die Gewinne in den USA sind zuletzt zwar geschrumpft. Andererseits gab es dort mehr positive Überraschungen als in Europa. Weil sich das nicht zu einem logischen Gesamtbild zusammensetzen lässt, konzentrieren wir uns auf den Konjunkturzyklus insgesamt.“

Keine Argumente für bestimmte Länder

Freunde regionaler Anlagestrategien mögen ins Feld führen, dass das Wirtschaftswachstum regional stark unterschiedlich ausfallen kann – und in anderen Regionen der Erde jenseits der USA und Europas auch deutlich höher ist. Beispiel dafür sind Schwellenländer wie Indien und China.

„Bei den Aktienmärkten sehe ich momentan keine Region, die besonders zu bevorzugen wäre. Es gibt nur ein kollektives Bewusstsein unter Investoren, dass man Aktien haben muss, weil die Konjunkturaussichten insgesamt auf Sicht der nächsten sechs Monate positiv sind“, sagt Harald Preißler. „Das hat sich zuletzt auch für die USA bestätigt. Wir haben überall auf der Welt starke monetäre Stimuli – auch in China, Japan, Europa. Alle Märkte haben derzeit die Notenbanken als Schutzmacht hinter sich. Deshalb sehe ich keinen klaren Favoriten. Ein starkes Argument dafür, einzelne Länder oder Regionen stärker zu gewichten, sehe ich momentan nicht.“

Warren Buffetts Lieblingsaktien
Offenlegen müssen Investoren Aktien, Optionen und Wandelanleien aus dem vergangenen Quartal. In welche Papiere Buffett das Geld seiner Kunden außerhalb der USA anlegt, muss er aber nicht verraten. Auch Optionsscheine (Warrants) und Anleihen müssen nicht aufgeführt werden. Das folgende Ranking listet die Top-10 Firmen aus dem Depot des Großinvestors nach ihrem Wert. Quelle: AP
Platz 10: Davita Healthcare Partners Davita Healthcare Partners ist einer der größten Gesundheitsversorger in den Vereinigten Staaten mit Sitz in Denver, Colorado. Spezialisiert hat sich die Firma auf die Betreuung von Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen. Seit ihrer Gründung 1992 stellt sie die Dialyse-Ausrüstung bereit und betreibt derzeit rund 2000 ambulante Dialyse-Zentren und Versorgungszentren in Krankenhäusern in nahezu allen Staaten der USA. Unternehmenswert 2014: 2.310.552.201 Dollar Kursentwicklung (1 Jahr): +10,26 Prozent KGV (2013): 21,00 Quelle: www.davitahealthcarepartners.com
Platz 9: Directv (DTV)Directv ist ein Pay-TV-Anbieter. Zusammen mit Tochterfirmen bietet das Unternehmen seinen Kunden digitale TV-Dienste in den Vereinigten Staaten und in Lateinamerika. Darüber hinaus produziert die Gesellschaft eigene Entertainment-Sendungen wie beispielsweise Friday Night Lights und besitzt drei eigene Sportsender. Unternehmenswert 2014: 2.521.705.182 Dollar Kursentwicklung (1 Jahr): +42,18 Prozent KGV (2012): 10,9 Quelle: www.directv.com
Platz 8: U.S. BancorpU.S. Bancorp entstand 2002 aus der Fusion der U.S. Bank und die Firststar Bank, die fortan unter dem Dach der Holdinggesellschaft U.S. Bancorp agierten. Das Finanzinstitut ist mit über 3000 Filialen in knapp der Hälfte der US-Bundesstaaten vertreten. Zielgruppe des Unternehmens sind Lateinamerikaner. In vielen Regionen hat die Bank Filialen mit zweisprachigem Service. Insgesamt betreut sie über elf Millionen Kunden. Unternehmenswert 2014: 3.204.564.400 Dollar Kursentwicklung (1 Jahr): +19,06 Prozent KGV (2012): 11,2 Quelle: www.usbank.com
Platz 7: Wal-Mart Stores Auch wenn der Multi-Supermarkt wegen seiner Arbeitsbedingungen immer wieder in der Kritik steht: Für Investoren wie Buffett scheinen die Aktien des Discounters lohnenswert. Zuletzt war der Konzern in den Schlagzeilen, weil er in den USA 2300 Jobs strich, der größte Stellenabbau seit 2010. Unternehmenswert 2014: 3.893.874.950 Dollar Kursentwicklung (1 Jahr): +7,46 Prozent KGV (2012): 13,5 Quelle: AP
Platz 6: Exxon Mobil ExxonMobil Corporation einer der größten Spieler der Mineralöl-, Erdgas- und Petrochemiebranche. Der Konzern ging aus Standard Oil hervor. Exxon-Mobil produziert 5,3 Millionen Fass Öl am Tag und beschäftigt 76.900 Menschen. Unter den US-Aktien zählt das Unternehmen zu den „Dividendenaristokraten”. Seit zehn Jahren hat der Konzern seine Dividende beständig erhöht. Zuletzt lag sie bei 2,18 Euro pro Aktie. Unternehmenswert 2014: 4.162.319.872 Dollar Kursentwicklung (1 Jahr): +2,6 Prozent KGV (2012): 8,9 Quelle: AP
Platz 5: Procter & Gamble Ein weiterer Aristokrat in Buffetts Portfolio ist Procter & Gamble. Den Konsumgüterhersteller gibt es schon seit 1837. Seinen Kunden dürfte er durch Marken wie „Pampers” oder „Gillette” bekannt sein. Zuletzt hatte der Multi seine Gewinnprognose korrigieren müssen. Grund ist der relativ zu den Währungen der Schwellenländern, in denen P&G stark vertreten ist, starke Dollar. Auf dem Heimatmarkt verspürt der Konzern ebenfalls rauen Wind. Er verliert Marktanteile bei der Herstellung von Wasch- und Reinigungsmitteln. Unternehmenswert 2014: 4.297.884.480 Dollar Kursentwicklung (1 Jahr): -1,1 Prozent KGV (2012): 19,1 Quelle: AP

Risiken im Blick behalten

In allen wichtigen Anlageregionen haben sich die Aktienmärkte zuletzt gut entwickelt. Damit steigt auch die Gefahr, dass es bald zu deutlichen Rückschlägen kommen könnte. Fondsmanager monieren etwa, dass die Gefahr einer Aktienmanie zunimmt. Nach der Kreditblase in China wird diese Befürchtung an zweiter Stelle genannt. Geopolitische Risiken stehen auf den Angst-Liste erst an dritter Stelle.

Anzeichen für zu viel Euphorie im Markt ist zum Beispiel die wieder steigende Zahl an Börsengängen, mit denen Unternehmen ihre Aktien zu sehr ehrgeizigen Bewertungen an der Börse platzieren, und die dennoch reißenden Absatz finden. Die Papiere des Kamera-Herstellers GoPro verdoppelten ihren Wert in nur vier Tagen nach dem Börsengang. Und das bevorstehende Debüt des chinesischen Internetkonzerns Alibaba an der Wall Street schickt sich an, der größte Börsengang aller Zeiten zu werden - mit einer Unternehmensbewertung von mehr als 200 Milliarden Dollar.

Mit Börsenbewertungen, die sich zusehends von der Entwicklung der Unternehmensgewinne abkoppeln, steigen die Rückschlaggefahren. Die Kurse reagieren mitunter auf kleine Wachstumsdämpfer mit starken Kursabschlägen. „Aus unserer Sicht geht das Wachstum einer Volkswirtschaft nicht zwingend einher mit einem Wachstum der Unternehmensgewinne“, ist sich Philipp Vorndran sicher. „Klassischer Fall ist China: Angesichts der Wachstumsdynamik Chinas in den vergangenen Jahren hätten die Kurse in Shanghai durch die Decke gehen müssen. Das war aber nicht der Fall, da der chinesischen Regierung Faktoren wie Arbeitsplatzsicherheit schlussendlich wichtiger sind als Unternehmensrenditen – vom Thema Corporate Governance mal ganz zu schweigen.“

Diese Indizes haben 2013 am meisten zugelegt
ATXDer Australien Traded Index (ATX) bildet die 20 größten börsennotierten Unternehmen Österreichs ab. In den ersten drei Quartalen hat der Leitindex ein Plus von sechs Prozent verbucht. Die dazugehörige Wiener Börse ist 1771 gegründet worden und gehört damit zu den ältesten Handelsplätzen der Welt. Heute beherbergt sie neben dem klassischen Wertpapierhandel auch die Strombörse EXAA sowie die CEGH Gas Exchange. Quelle: dpa
Euro-Stoxx-50Noch mehr zulegen konnte der Euro-Stoxx 50, der die 50 größten börsennotierten Unternehmen der Eurozone beinhaltet. Zehn Prozent legte das europäische Börsenbarometer seit Beginn des Jahres zu. Wenn sich die europäische Wirtschaftslage weiterhin stabilisiert und das Vertrauen der Anleger steigt, ist bis zum Jahresende noch mehr drin. Quelle: dapd
DAXDer deutsche Leitindex DAX belegt im internationalen Vergleich Rang sieben. Im Verlauf der ersten drei Quartale des Jahres konnte der deutsche Aktienindex 13 Prozent zulegen. Für das vierte Quartal sind Analysten ebenfalls optimistisch. Die meisten von ihnen sehen lediglich die Gefahr zwischenzeitlicher Rücksetzer an den Börsen. „Wir gehen davon aus, dass wir die Jahreshöchststände noch nicht gesehen haben“, schreiben etwa die Marktspezialisten der Landesbank Baden-Württemberg. Quelle: dpa
Dow JonesDie lockere Geldpolitik der Fed hat sich für den amerikanischen Aktienindex Dow Jones rentiert. Nachdem klar war, dass die US-Notenbank weiterhin monatlich Immobilienpapiere und Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar kaufen wird, ging es für den Index nach oben. Allgemein stieg der Wert des Dow Jones' in den ersten neun Monaten des Jahres um 15 Prozent. Quelle: AP
SMIDer Schweizer Leitindex "Swiss Market Index" (SMI) zieht sogar am amerikanischen Dow Jones vorbei. Der SMI legte bis September um 16 Prozent zu. Grund dafür dürften die starken Kursgewinne von UBS und Credit Suisse sein, die im Index enthalten sind. Quelle: AP
Nikkei 225Die wirtschaftlichen Reformpläne in China haben zu Wochenbeginn für gute Stimmung an den Aktienmärkten in Fernost gesorgt. Die internationalen Märkte wird es freuen, weil der ohnehin schon erfolgreiche japanische Index Nikkei 225 dadurch noch mehr zulegen könnte. Bis September 2013 legte der Index um 40 Prozent zu. Quelle: AP
GSE-All-Share-IndexNoch stärker legte der GSE-All-Share-Index an der Börse in Ghana zu. Im internationalen Vergleich erreicht die Börse in Accra mit einem Plus von 44 Prozent den dritten Rang - vor Europa, Deutschland, den USA und der Schweiz. Der Grund für den starken Zuwachs ist das gute Rohstoffgeschäft der Minengesellschaften, die den Index dominieren. Quelle: dpa

Brummende Märkte als Verkaufsargument

Eine Investition in eine Wachstumsregion ist immer ein starkes Argument für Fondsanbieter und Anlageberater. Wenn Anleger zu einem Wechsel der Anlageregion gedrängt werden, sollten sie aber skeptisch bleiben. Denn meist lohnt sich ein Umschichten zugunsten einer anderen Anlageregion nicht. „Wir sind davon überzeugt, dass wirklich vergleichbare Unternehmen in Bezug auf Qualität und den Sektor rund um die Welt vergleichbar bewertet sind“, sagt etwa Kapitalmarktstratege Vorndran. „Für smarte Investoren spielt es eigentlich keine Rolle mehr, ob es in den USA, der Schweiz oder Japan zu Hause ist. Das wird von sehr vielen Analysen zu den Anlageregionen einfach verdrängt.“

Außerdem sollten sich Anleger laut Vorndran immer daran erinnern, welchen Zweck die Analysen der großen Investmentbanken zu verschiedenen Anlageregionen verfolgen. „Sie sollen zuallererst Geschäft generieren und Transaktionsgebühren auslösen, was auch völlig in Ordnung ist. In vielen großen Kapitalsammelstellen gibt es außerdem auch immer noch historisch gewachsene regional orientierte Strukturen. Ein Asien-Team, ein Europa-Team, ein USA-Team und so weiter – oft verteilt auf Niederlassungen weltweit, etwa in Frankfurt, New York, Tokio und Hongkong. Eigentlich müssten diese Strukturen in einer globalen Welt in reine Branchen- oder pure Stockpicking-Teams umorganisiert werden“, ist Vorndran überzeugt.

Branchenfokus im Vorteil

Tatsächlich scheint eine Orientierung an aussichtsreichen Branchen für eine Aktienanlage vielversprechender. So war in den vergangenen Woche zum Beispiel eine Abkehr der weltweit agierenden Fondsmanager von den stark übergewichteten Industrie- und Technologieaktien zu beobachten. Dafür waren Energiewerte und Rohstoffaktien wieder gefragter. Der Vorteil eines Branchenfokus: Die verschiedenen Unternehmen lassen sich besser miteinander vergleichen und reagieren häufiger im Gleichschritt.
Anders als die Umfrage unter Fondsmanagern vermuten lässt, kann ein stärkeres Gewicht der Investments auf eine Region somit als Zufallsprodukt entstehen. So sind etwa Automobilaktien derzeit besonders gefragt. Davon profitiert der deutsche Aktienmarkt und damit der Dax besonders, weil die Branche mit VW, BMW, Daimler und Continental großes Gewicht im Aktienindex hat.

Diese Aktien sind Deflationsgewinner

Aktien mit Potenzial suchen

Eine Konzentration auf eine bestimmte Anlageregion kann ebenso gut Folge eines eigenen Anlagestils sein. Der Vermögensverwalter Flossbach von Storch etwa sucht nach besonders werthaltigen Aktien. „Wir investieren nicht nach regionalen Gesichtspunkten. Es gibt keine Volkswirtschaft, die wir grundsätzlich meiden“, erklärt Vorndran. „Wir schauen uns immer das einzelne Unternehmen an. Diese Verbindung zwischen Land oder Region und Aktien erachten wir als überholt, spätestens seit wir über die Ländergrenzen hinweg weitgehend frei Handel treiben können.“

Diese Einzelinvestments führen in der Summe zu Gewichtungen in Ländern und Regionen. „In unseren Fonds ist zum Beispiel ein relativ hoher Anteil Aktien aus der Schweiz. Aber das stört uns per se nicht, weil wir uns nicht an Indizes sondern der Qualität des jeweiligen Unternehmens orientieren“, erklärt Vorndran. „Wir starten mit einem weißen Blatt Papier und schreiben dann die Unternehmen darauf, die unsere Kriterien an die Cashflow-Rendite und das Chancen-Risiko-Verhältnis erfüllen. Prinzipiell hätten wir also auch keine Bauchschmerzen, wenn wir 40 Prozent Schweizer Aktien in unseren Fonds hätten - was aber aufgrund unseres Diversifikations-Postulats wohl nie vorkommen wird.“

Eine Nachfrage nach regionaler Investmentstrategie besteht dennoch. „Zugegeben, bei vielen Kunden gibt es tatsächlich Nachfrage nach regionalen Anlageprodukten, aus den verschiedensten Gründen, beispielsweise weil sie ihre Heimatregion direkt und selbst abdecken wollen“, erklärt Vorndran.“ Somit gibt es Gründe, warum die Suche nach Länder- und Regionen-Gewichtungen nicht aussterben wird. Für einen globalen Anleger wie uns ist sie aber im Normalfall unnötig.“

Schwellenländer langfristig aussichtsreich

Inzwischen trauen sich auch wieder mehr Profi-Investoren in die zuletzt gebeutelten Schwellenländermärkte. Sie profitieren einerseits von der globalen Konjunkturerholung, andererseits von Zinserhöhungen, mit denen die Notenbanken von Schwellenländern wie Indien oder Brasilien den Abzug ausländischen Kapitals stoppen konnten.

Darauf setzt Mark Mobius bei Schwellenländern

Das zeigt auch die Fondsmanagerumfrage, der zufolge Aktien aus Schwellenländern erstmals seit November 2013 in den Portfolios wieder übergewichtet sind – wenn auch immer noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. „Vor ungefähr einem halben Jahr hatten wir kaum ein Investment in den Schwellenländern. Wir haben einfach vergleichbare Unternehmen mit einem ähnlichen Ertragsmix in der entwickelten Welt gefunden, die dramatisch billiger waren“, erinnert sich Kapitalmarktstratege Vorndran. „Inzwischen haben sich die Bewertungen von Aktien aus den Schwellenländern ihren Vergleichsunternehmen in den Industriestaaten wieder angenähert. Jetzt ist es Zeit, die Augen wieder aufzumachen.“


Global Player gesucht

Solange der Aufwärtstrend an den Börsen anhält, ist es also sinnvoller, gezielt nach Aktien besonders gewinnträchtiger und solider Unternehmen Ausschau zu halten, egal wo sie beheimatet sind. Um Währungsrisiken zu mindern, sollten es aber Unternehmen sein, die ihre Geschäfte in den Wachstumsmärkten weltweit machen.

Die zehn Horrorprognosen für 2014
1. EU-weite Einführung von Vermögensteuer läutet Rückkehr zu einer Wirtschaft im Sowjetstil einDeflation und mangelndes Wachstum versetzen die EU-Kommission in Panik, vermutet die Saxobank. Eine Vermögensteuer für Ersparnisse von über 100.000 Euro bzw. US-Dollar soll helfen. Dies soll Ungleichheit abbauen und Mittel für einen „Krisenpuffer" schaffen. Laut Saxobank wäre das der letzte Schritt in Richtung eines totalitären europäischen Staates und der Tiefpunkt für individuelle und Vermögensrechte. Dann hieße es: „Hard Assets" wie beispielsweise Immobilien kaufen und Finanzanlagen verkaufen. Quelle: Saxobank Quelle: dpa
2. Anti-europäische Allianz wird stärkste Fraktion im Europäischen ParlamentAus den Wahlen zum Europaparlament im Mai geht eine transnationale anti-europäische Allianz als stärkste Kraft und größte Fraktion im EU-Parlament hervor. Ein EU-skeptischer Präsidenten wird vom Parlament ernannt. Zugleich gelingt es den europäischen Staats- und Regierungschefs nicht, sich auf einen Präsidenten der Europäischen Kommission zu einigen. Damit verfällt Europa wieder in politisches und wirtschaftliches Chaos. Quelle: dapd
3. Die "Fat Five" des Technologiesektors erwachen 2014 mit einem üblen KaterWährend die Aktien des amerikanischen IT-Sektors derzeit um rund 15 Prozent unter der aktuellen Bewertung des S&P 500 notieren, wird eine Handvoll von Technologieaktien mit einem massiven Aufschlag von ca. 700 Prozent über der Marktbewertung gehandelt. Diese „Fat Five" - Amazon, Netflix, Twitter, Pandora Media und Yelp - stellen sozusagen eine neue Blase innerhalb der alten Blase dar. Zu verdanken ist das dem Run von Anlegern auf seltene Wachstumstitel im Nachgang zur Finanzkrise. Quelle: dpa
4. Nachdem der Dollar auf unter 80 JPY fällt, bucht Bank of Japan Staatstitel aus2014 erlahmt der globale Aufschwung. Die Kurse riskanter Assets purzeln, und Investoren sehen sich gezwungen, Yen zu kaufen. In der Folge fällt der USD/JPY-Wechselkurs unter 80. Daher greift die Bank of Japan zu einer verzweifelten Maßnahme und bucht ihre gesamten Staatstitelbestände aus ihrer Bilanz aus. Das ist ein ebenso simpler, wie unerprobter buchhalterischer Trick, der dem Land nervenaufreibende Ungewissheit und ein potenzielles Desaster mit ungeahnten Nebenwirkungen beschert. Quelle: dpa
5. US-Deflation: Bald auch in Ihrer Nähe!Zwar mögen einige Indikatoren darauf hindeuten, dass die US-Wirtschaft sich erholt hat, doch der Häusermarkt bleibt schwach und die Löhne stagnieren. Für Januar steht im Kongress der zweite Akt der Tragikomödie „Wie man die US-Wirtschaft am besten sabotiert" auf dem Programm. Die Leidtragenden sind Investitionen, Beschäftigung und Zuversicht der Verbraucher. Im Ergebnis würde die Inflation sinken, und Deflation stände wieder ganz oben auf der Tagesordnung des Offenmarktausschusses der Fed. Quelle: dpa
6. Quantitative Lockerung erfasst sogar HypothekenanleihenDurch die quantitative Lockerung in den USA sind die Zinskosten gesunken und die Preise für riskante Assets in die Höhe geschnellt. Dadurch ist der trügerische Eindruck entstanden, die Wirtschaft erhole sich. Es gibt immer noch massive Probleme, vor allem am Häusermarkt, der künstlich gestützt wird. Daher wird der Offenmarktausschuss der Fed die dritte Runde seiner quantitativen Lockerung 2014 auf den Hypothekenanleihemarkt ausweiten. Anstatt mit dem Tapering zu beginnen, wird die Fed ihr nunmehr völlig auf Mortgage Bonds ausgerichtetes Ankaufprogramm auf ein Volumen von über 100 Milliarden US-Dollar pro Monat hochschrauben. Quelle: dpa
7. Brent Crude fällt infolge von Ölschwemme auf 80 Dollar/BarrelDurch die zunehmende Ölförderung mit neuen Methoden und dem wachsenden Fördervolumen Saudi-Arabiens entsteht ein Überangebot am Markt. Erstmals seit vielen Jahren bauen Hedgefonds umfassende Short-Positionen auf. Im Ergebnis fällt der Preis für Brent Crude auf 80 Dollar pro Barrel. Sobald die Ölproduzenten ihren Output jedoch drosseln, wird der Ölpreis wieder in die Höhe schnellen. Letztlich wird die Branche realisieren müssen, dass hohe Preise durchaus nicht selbstverständlich sind. Quelle: dpa

Die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch geht deshalb auch an Schwellenländer-Investments anders heran. „In unserem Unternehmensauswahl-Prozess gibt es den Faktor ‚Profiteur der Globalisierung‘, und nicht ‚Aktien aus den Emerging Markets‘“, erläutert Vorndran. „Wir fragen uns, wie und wo Unternehmen in Zukunft noch wachsen können. Wachstum hängt nicht ab vom juristischen Standort, sondern dem Wachstum in den Regionen, in dem ein Unternehmen aktiv ist. Esprit ist beispielsweise ein Unternehmen das in Hongkong gelistet, aber primär in Europa tätig ist. Colgate ist in den USA notiert, aber sehr stark in den Schwellenländern aktiv.“

Ende des Börsenbooms voraus

Solange der globale Aufschwung anhält, stehen die Chancen für Anleger mit wert- und wachstumsorientierter Aktienauswahl noch gut. Allerdings könnte der schon in einigen Monaten abflauen. Der globale Aufwärtstrend wird Preißlers Prognose - mit zeitweiligen Rückschlägen- nur noch halten, bis die für das Frühjahr erwartete Zinserhöhung der US-Notenbank Fed zu wirken beginnt. „Ab Frühjahr oder Sommer kommenden Jahres könnte es dann an den Märkten ziemlich ungemütlich werden. Denn dann werden die steigenden Renditen an den Anleihemärkten die Bereitschaft der Anleger erhöhen, beim nächsten Konjunkturabschwung aus den Aktienmärkten in die Anleihemärkte umzuschichten. Und weil die Notenbanken dann nicht mehr wie im bisherigen Umfang die Märkte stützen, dürfte es an der Börse recht holprig werden“, sagt Preißler.

In Arbeit
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Deshalb empfehlen Börsenprofis Privatanlegern für ihr Aktienengagement einen Anlagehorizont von mindestens drei bis fünf Jahren und starke Nerven. Denn dann können sie mindestens einen kompletten Konjunkturzyklus überstehen und kräftige – aber vorübergehende – Kursverluste mit der nächsten Aufschwungphase wieder wettmachen.

Wer sehr kurzfristig anlegen will und Rückschläge vermeiden muss oder in den nächsten ein oder zwei Jahren an sein Geld heran muss, sollte besser überhaupt nichts machen. „Dann bleibt das Geld besser auf dem Konto“, sagt Bantleon-Chefvolkswirt Preißler. „Alternativ sind aktiv gemanagte Fonds in so einer Marktphase immer noch die beste Wahl. Für einen Privatanleger ist das schnelle Umschichten sonst zu schwierig.“

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