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Aktienempfehlungen Die Prognosemärchen der Analysten

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Mainstream-Aktien sind dominant vertreten

Die nutzlosesten Börsenweisheiten
"The Trend is your friend""Der Trend ist dein Freund" gehört wohl in die Kategorie der irreführenden Börsenweisheiten. Denn es animiert Anleger dazu, einem Aufwärts- oder Abwärtstrend durch Käufe oder Verkäufe von Wertpapieren zu folgen, blendet dabei aber aus, das Trends endlich sind und auch jäh kippen können. Das Problem: Die Gefahr ist hoch, dass der Anleger zu spät auf den fahrenden Zug aufspringt und er bis zu der Erkenntnis, dass sich der Freund "Trend" von einem abgewendet hat, hohe Verluste eingefahren hat. Gerade in turbulenten Börsenzeiten wie in den vergangenen Jahren wechseln Trends sehr häufig und sehr schnell. Quelle: "Sell in May and go away - Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen", von Jessica Schwarzer (Handelsblatt), erschienen im Börsenbuchverlag im Dezember 2013, sowie eigene Recherchen. Quelle: dpa
"Sell in may and go away"Eine weit verbreitete Börsenweisheit, die die Entscheidung zu kaufen oder zu verkaufen anhand des Kalenders propagiert. Doch leider hält sich die Kursentwicklung an der Börse nicht an Termine. Zwar nimmt der Handel in den Sommermonaten oftmals ab und im Herbst wieder zu, doch gibt es in der Historie auch reichlich Gegenbeispiele. Etwa den Mai 2013, als der deutsche Hauptindex Dax seine Rekordjagd begann und nur in diesem einen Monat um sechs Prozent zulegte. Letzten Endes ist es nicht das Datum, sondern die erwartete Wirtschaftslage, die über Auf und Ab an der Börse entscheidet. Quelle: Fotolia
"Timing ist alles"Jeder möchte Aktien gerne kaufen, wenn die Kurse auf dem Tiefpunkt sind, und verkaufen, wenn sie ihren Zenit erreichen. Das Problem: Wann Hoch- oder Tiefpunkt erreicht wurden, wissen Anleger erst im Nachhinein. Denn leider klingelt kein Wecker, wenn die Kauf- und Verkaufskurse optimal sind. Nicht einmal Profis gelingt das perfekte Timing ohne eine große Portion Glück - aber sie erkennen, wann eine Aktie günstig bewertet oder schon zu teuer ist und verfolgen meist eine langfristige Strategie. Wer aber versucht, immer in die Kurstäler und -spitzen zu handeln, generiert hohe Handelsgebühren, die viel von der Rendite aufzehren. Hier gilt eher der Börsenspruch: "Durch eine verpasste Gelegenheit ist noch niemand arm geworden." Gleiches gilt für Gewinnmitnahmen bevor der Kurs seinen Gipfel erklommen hat. Quelle: dpa
"Beim Denken ans Vermögen, leidet oft das Denkvermögen"Diesen Spruch gibt es auch in vereinfachter Form: Gier frisst Hirn. Zwar neigt die Psyche des Menschen dazu, sich die eigenen Fehler schönzureden und wer allzu gierig ist, schlägt leicht über die Stränge oder geht allzu vollmundigen Versprechen oder gar Betrügern auf den Leim. Aber im Grunde ist diese Erkenntnis nutzlos, denn schließlich kann sich kein Anleger seiner Psyche entziehen. Der einzige Rat der daraus folgt, sollte für Anleger an der Börse eigentlich eine banale Selbstverständlichkeit sein: Bewerten Sie die Fakten so objektiv wie möglich und verlassen Sie sich nicht einfach auf ihr Bauchgefühl. Das weiß aber jeder Anleger, der schon einmal zulange an einem Wertpapier festgehalten und dadurch schmerzliche Verluste gemacht hat. Quelle: dpa
"Buy on bad news, sell on good news"Grundsätzlich ist es ja richtig: Gibt es zu einer Aktie schlechte Nachrichten, fällt in der Regel der Kurs, und das Papier kann billig gekauft werden. Aber häufig sind bei Unternehmen in Schwierigkeiten ganze Serien schlechter Nachrichten zu beobachten, so dass die Kurse immer noch tiefer fallen. Woher sollen Anleger auch wissen, ob es nicht noch schlimmer kommt? Umgekehrt gilt das ebenso: Es gibt Unternehmen, die regelmäßig mit ihren Ergebnissen die Markterwartungen übertreffen. Wer gleich bei der ersten positiven Überraschung verkauft, verpasst womöglich das Beste. Beispiele dafür waren in der Vergangenheit etwa Werte wie Apple oder Google. Was die Zukunft aber bringt, kann kein Anleger wissen. Quelle: AP
Hermann Josef Abs und Josef Fischer Quelle: Picture-Alliance/dpa
"Ein Spekulant der auf fallende Kurse setzt, gräbt eine Grube, in die andere hineinfallen."Hintergrund ist, dass zum Beispiel Hedgefonds Aktien verkaufen können, die sie gar nicht besitzen. Geschieht das in großer Menge, fallen die Kurse und der Spekulant kann die Aktien günstiger kaufen, um seine Verkaufsposition auszugleichen - und erzielt so einen Spekulationsgewinn auf Kosten der anderen Aktionäre. Die Erkenntnis hilft einem Privatanleger jedoch wenig, denn mit seinen kleinen Handelspositionen ist er dem Auf und Ab durch derlei Kursmanipulationen zunächst ausgeliefert. Ist der Kurssturz jedoch nicht durch fundamentale Daten wie Umsatz, Gewinn oder Cash-Flow eines Unternehmens untermauert, dürfte sich eine so heruntergeprügelte Aktie in der Folge wieder erholen. Anleger können die Schwächephase also aussitzen. Quelle: dpa

Für Anleger problematisch ist hingegen, dass längst nicht alle Aktien auch analysiert werden. Voraussetzung für die Coverage durch Analysten ist vor allem, dass ein Papier stark gehandelt wird. Das führt allerdings dazu, dass liquide Titel – also zum Beispiel Dax-Aktien mit hohem Anteil handelbarer Aktien – besonders häufig von Analysten beurteilt werden, exotische oder kleine Aktien hingegen kaum. „Viele der im regulierten Markt gelisteten Aktien haben große Schwierigkeiten, eine Beurteilung durch Analysten zu erhalten“, räumt Frank ein. „Der Dax hingegen ist völlig überversorgt mit Analysteneinschätzungen.“ Dementsprechend bedeutend sind auch die durchschnittlichen Schätzungen der Analysten für die Erwartungen der Investorenmehrheit. Und damit steigt auch die Gefahr, dass Unternehmen versuchen, diese Erwartungen zu erfüllen. Dann sind Analysen auch zu einem guten Teil letztlich sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Ob das im Sinne des Unternehmens und seiner Aktionäre ist, steht auf einem anderen Blatt.

Gerade das Beispiel Commerzbank zeigt, wie schwierig, wenn nicht sogar unmöglich es für Analysten ist, die Entwicklung eines Aktienkurses korrekt zu prognostizieren. Die nach Ausbruch der Finanzkrise teilverstaatlichte Großbank ist seit Jahren ein Sanierungsfall, ihre Bilanzsumme hat sich nahezu halbiert. Als Dax-Wert spielt die Aktie der Commerzbank bei vielen Investoren dennoch eine große Rolle. Oft befand sie sich gefährlich nahe am Abgrund, der Kurs fiel bis Juli vergangenen Jahres bis auf knapp sechs Euro – von fast 50 Euro fünf Jahre zuvor und mehr als 220 Euro vor Ausbruch der Finanzkrise. Noch immer steht die Commerzbank-Aktie bei der Mehrheit der Analysten auf „Verkaufen“.

"Aktienanalysten sind zu spät"

Dass sich das Papier von seinem Tiefpunkt vor einem halben Jahr gut verdoppeln konnte, haben nur die wenigsten Analysten vorhergesagt. Als der britische Ableger der US-Investmentbank JP Morgan am 10. Dezember sein Kursziel für die Commerzbank-Aktie von 8,87 auf 10,26 Euro anhob, stieg das Papier ebenfalls um mehr als vier Prozent an einem Tag – bis auf 11,19 Euro. Der Kurs schoss also am gleichen Tag noch über das Kursziel hinaus. Dabei gab JP Morgan gar keine Kaufempfehlung ab, sondern stufte sie mit „Neutral“ ein – was soviel wie „Halten“ bedeutet. JPMorgan-Analystin Sofie Peterzens hatte lediglich auf Besserungstendenzen in der Frachtschifffahrt hingewiesen, die gut für den Schiffsfinanzierer Commerzbank seien. Peterzens erhöhte daher ihre Prognosen für die Nettoerlöse aus diesem Kreditgeschäft für die Jahre 2013 bis 2015 im Schnitt um 13 Prozent. Sie rechnete vor, dass im Idealfall der Gewinn der Commerzbank um ein Drittel steigen könne. „Aktienanalysen sind selten treffsicher, da sie meistens prozyklisch sind und damit zu spät“, sagt Vermögensverwalter Bauer.

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Die Beispiele belegen aber auch, dass Analysteneinschätzungen Kurse bewegen, egal ob die Prognosen eintreffen oder nicht. Anleger sollten sie daher auch nicht ignorieren. Informationen sind an der Börse ein hohes Gut. Und da alle Anleger und Analysten grundsätzlich Zugang zu den gleichen Informationen haben, spiegelt die Konsensus-Schätzung der Analysten auch so etwas wie die Markterwartung wieder.

Insgesamt liegen Analysten mit ihren Einschätzungen aber nur wenig besser als die übrigen Akteure an der Börse. Eine Untersuchung des Investment-Verwalters AHL MMS ergab etwa, dass Anleger, die den Empfehlungen von europäischen und amerikanischen Analysten vertrauten, nur um zwei Prozent besser abschnitten als der Markt. Die besten Analysten säßen demnach in Asien mit einer um vier Prozent überdurchschnittlichen Performance.

Anleger dürfen aber beim Lesen von Analystenschätzungen und –berichten vor allem eins nicht vergessen: An der Börse wird die Zukunft gehandelt – und die bleibt ungewiss.

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