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Aktienhandel Wie Privatanleger ausgetrickst werden

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Algorithmus sollte IPO stören

Kuriose Börsenpannen

Kaum mehr Glück als Knight hatte die US-Handelsplattform Bats Ende März. Ihr Börsengang (IPO) auf dem eigenen System ging als kürzester IPO in die Geschichte ein, nachdem der Aktienkurs binnen 900 Millisekunden von gut 15 Dollar auf unter 30 Cent gefallen war. Die Plattform musste den Börsengang rückgängig machen.

Seitdem machen Gerüchte die Runde, dass es sich bei der Panne nicht bloß um einen Programmierfehler handelte, wie Bats sagt. Eine genaue Betrachtung der Handelsdaten zeige einen anderen Sachverhalt, sagte Bundesbanker Nagel Anfang Juli in einer Rede. Bei Bats liege „der Schluss nahe, dass es ein speziell zum Zwecke der IPO-Störung eingesetzter Algorithmus gewesen sein könnte, der den Börsengang“ kollabieren ließ. Bats bestreitet dies, Beweise haben die Aufsichtsbehörden nicht.

Große Datenmengen verhindern Überwachung

Während die Händler weiter aufrüsten, kommen die Aufseher kaum hinterher. Allein über die Eurex etwa generieren Trader pro Minute bis zu 300 000 Datensätze. Will die Aufsicht Missstände nachverfolgen, kann sie sich gleich einen Tieflader mit Ausdrucken von Handelsdaten kommen lassen. So sieht die Finanzaufsicht BaFin vor allem „große Datenmengen“ als „eine der aktuellen Herausforderungen bei der Überwachung von Marktmanipulation“.

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    Was Pizzen, Wolkenkratzer und Bikinis über die Wirtschaft verraten
    Salamipizza-IndexThese: Je teurer die Pizza, desto besser geht es der Region. Beweis: Die Preise für eine kleine Salamipizza im reichen Süden sind etwa doppelt so hoch wie im ärmeren Westen, während der Osten im Mittelfeld liegt. Bestellt man eine "Kleine Salamipizza" (24 cm) bei "Bella Italia" in Essen, so kostet diese 3,50 Euro. Eine "Kleine Salamipizza" beim vergleichbaren Stuttgarter "Bella Pizzaservice" dagegen kostet mit 7,20 Euro mehr als das Doppelte. Quelle: Lieferheld. Die Übersicht der folgenden Indikatoren basiert auf einem Artikel des Business Insider. Quelle: Reuters
    Wolkenkratzer-IndexThese: Je höher die Wolkenkratzer sind, die eine Nation baut, desto schlechter wird sich die Wirtschaft entwickeln. Megagebäude werden in einem Umfeld euphorischer Stimmung gebaut werden. Bis die Häuser fertig sind, sind die Börsen zusammengebrochen. Beweis: Mit 828 Metern ist derzeit das Burj Khalifa in Dubai das höchste Gebäude der Welt. Als das Hochhaus nach sechs Jahren Bauzeit stand, hatten die Aktien heimischer Firmen bereits zwei Drittel ihres Wertes verloren. Der Beginn der Asienkrise 1998 erfolgte zeitgleich mit der Fertigstellung der Petronas Towers in Malaysia begann und in den Jahren nach der Grundsteinlegung für den Bau des 509 Meter hohen Taipeh 101, drittelte sich der Aktienindex Taiwans. Quelle: dpa
    Bikini-IndexDas Cover für 2012 des Sports Illustrated Swimsuit-Magazins ziert die reizende Amerikanerin Kate Upton. Laut Bikini-Index ein gutes Zeichen für die US-Börse. Die These: In den Jahren, in denen eine Amerikanerin - wie das Model Kate Upton - die Titelseite der Badeanzug-Sonderausgabe der Sports Illustrated ziert, entwickelt sich die Gesamtrendite im US-Börsenindex S&P 500 überproportional, der Index schließt mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Jahresende im Plus. Der Beweis: Zurückgerechnet für die Jahre seit 1978 erreichte der S&P 500, wenn eine US-Amerikanerin auf dem Titelbild prangte, eine Gesamtrendite von durchschnittlich 14,3 Prozent. In 88,2 Prozent der Jahre schloss der Index positiv. War auf dem Cover der Swimsuit-Ausgabe dagegen kein US-Model zu sehen, betrug die durchschnittliche Gesamtrendite seit 1978 nur noch 10,8 Prozent, also rund ein Viertel weniger. Zum Jahresende schloss der Börsenindex S&P500 auch nur noch in 76,5 Prozent der Fälle im Plus. Quelle: dapd
    Big-Mac-IndexDie These: Der Index zeigt den Zusammenhang zwischen den Wechselkursen in unterschiedlichen Staaten und den Kosten für einen Big Mac. Wenn der Burger in China 44 Prozent günstiger ist als in den USA, bedeutet dies, dass der Yuan gegenüber dem Dollar 44 Prozent unterbewertet ist. Der Beweis: Das Magazin The Economist veröffentlicht diesen Index jedes Jahr. Das Beispiel China zeigt jedoch, dass der einfache Index noch erweitert werden muss, denn es ist zu erwarten, dass Waren in solchen Ländern günstiger sind, in denen auch die Kosten geringer sind. Deshalb vergleichen die Autoren den Dollar-Preis eines Big Mac auf das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner und stellen dabei einen starken Zusammenhang fest. Quelle: dpa
    Rocklängen-IndexDie These: Je kürzer der Rock, desto besser geht es der Wirtschaft. Diese Beobachtung hat der Ökonom George Taylor schon in den 1920er Jahren gemacht, der die Entwicklung des Aktienindex mit der Rocklänge in Verbindung brachte. Laut Einzelhandel ist das aber nur ein Mythos. Der Beweis: Einige Ökonomen bleiben der Theorie treu und verweisen auf die langweiligen Rocklängen, die im Zuge der Finanzkrise 2008 in die Läden kamen. Andere befürchten, dass die Maxi-Röcke, die im letzten Sommer modern waren, auf einen neuen Abschwung hindeuten. Quelle: AP
    Bier-Konsum-IndexDie These:  Das Bier zu Hause ist günstiger als das Bier in der Kneipe. Kein Wunder also, dass viele Bierliebhaber, die sparen müssen, auf den Gang in die Kneipe verzichten und sich lieber ein Feierabendbier auf der heimischen Couch gönnen. Der Beweis: In Europa befinden sich 73 Prozent der Arbeitsplätze in der Bierindustrie außerhalb von Brauereien - insbesondere in Bars und Restaurants. Laut den Europäischen Brauereien sank zwischen 2008 und 2010 die Beschäftigung in der Branche um zwölf Prozent. Der Bierkonsum insgesamt sank jedoch nur um acht Prozent und die Beschäftigung in Europa ging nur um zwei Prozent zurück. Quelle: dpa
    Lippenstift-IndexDie These: Ein bisschen was will Frau sich auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten gönnen. Wenn das Geld nicht für teure Handtaschen reicht, greifen sie verstärkt zu Lippenstiften. Die Theorie stammt von Leonard Lauder, Geschäftsführer von Estee Lauder. Der Beweis: Tatsächlich hat sich der Verkauf von Lippenstift laut dem Forschungsinstitut Investopia nach der Rezession, die auf den 11. September 2001 folgte, verdoppelt. Quelle: REUTERS

    Bundesbanker Nagel gibt zu, dass es Regulierer „lange Zeit versäumt“ hätten, sich mit den Fortschritten der Branche zu befassen: „Während Hochfrequenzhändler bereits die Schwelle vom Millisekunden- zum Mikrosekundenbereich unterschritten, diskutierten Behörden und Kommissionen noch um eine juristische Definition.“ Im Prinzip galt der Flash Crash – der blitzartige Absturz – in den USA im Mai 2010 als Startschuss für die Aufseher der Welt. Damals verlor der Leitindex Dow Jones binnen Minuten fast 1000 Punkte. Ein Fonds warf binnen 20 Minuten Terminkontrakte im Wert von gigantischen 4,1 Milliarden Dollar auf den Markt. Die Maschinen der Blitz-Trader entdeckten den großen Auftrag und dealten mit. Die SEC brauchte anschließend Monate, um wenige Minuten Handelsdaten auszuwerten.

    Börsen im extremen Fall stoppen

    Viele Kurse, nichts dahinter. Die Kursanfragen und was tatsächlich gehandelt wird

    Heute gelten Hochfrequenzhändler zwar nicht immer als Verursacher, zumindest aber als Verstärker heftiger Schwankungen. So gibt es zum Beispiel Algorithmen, die gezielt nach Papieren suchen, die stärker als normal steigen. Sie springen auf den Trend auf, kaufen ebenfalls und bleiben so lange im Markt, bis der Kurs in die andere Richtung dreht. In extremen Fällen stoppen die Börsen den Handel, um menschlichen Börsianern ein paar Minuten Zeit zu geben, außer Rand und Band gelaufene Maschinen zu zähmen. So hielt die Deutsche Börse am 3. August insgesamt 313 Mal ihre Maschinen an, weil der Dax an einem Tag fast 260 Punkte zulegte.

    Die Bundesregierung stufte blitzschnelle Computer-Trader jetzt erstmals öffentlich als Bedrohung ein, die es zu regulieren gilt. Sie hat einen Gesetzentwurf „zur Vermeidung von Gefahren und Missbräuchen im Hochfrequenzhandel“ veröffentlicht, der am Mittwoch dieser Woche durchs Bundeskabinett soll.

    Einige Praktiken sollen danach künftig als Marktmanipulation gelten. Bestraft werden sollen alle, die nicht die Absicht haben, tatsächlich zu handeln, sondern ihre Aufträge nur einstellen, um Börsensysteme zu stören, zu verzögern oder andere Börsianer zu täuschen.

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