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Aktienindizes So sieht der neue Dax aus

Commerzbank von Wirecard aus dem Dax verdrängt Quelle: Bloomberg

Nun ist es offiziell: Am 24. September wird Wirecard die Commerzbank aus dem Dax verdrängen. Auch die Regeln ändern sich: Aktien können dann in mehreren Indizes notiert sein. Das sorgt gerade im MDax für ein Erdbeben.

Wie funktionieren die Dax-Indizes?
Die Indizes Dax, MDax und SDax sind eine Art Ligasystem für Aktien. Dabei ist der Dax das Äquivalent zur ersten Liga, der MDax das zur zweiten und der SDax zur dritten. Der Dax ist folglich ein Auswahlindex für die größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Um zu bestimmen, welcher Wert in welchem Index vertreten ist, werden alle Unternehmen anhand zweier Kriterien sortiert. Das ist zum einen die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien eines Unternehmens; also der Kurs je Aktie multipliziert mit der Zahl der handelbaren Papiere. Das zweite Kriterium ist der Handelsumsatz. Hier wird gemessen, wie rege eine Aktie an der Börse ge- und verkauft wird. Im 30 Werte umfassenden Dax etwa darf nur notiert sein, wer nach beiden Kriterien mindestens zu den 45 größten Werten zählt. Die nächstkleineren Unternehmen sind im MDax zu finden, der bisher 50 Werte zählte. Ebenfalls 50 Werte waren bislang im Kleinunternehmen-Index SDax notiert.

Was ist mit dem TecDax?
Der TecDax bildete seit seiner Auflegung 2003 einen Sonderfall innerhalb der Dax-Familie. Der Index soll die Entwicklung von Technologiewerten messen. Er rekrutiert sich daher nicht aus derselben Liste wie die anderen Dax-Indizes, sondern hat ein eigenes Auswahl-Universum. Technologiewerte wie zum Beispiel der Zahlungsdienstanbieter Wirecard, das Telekommunikationsunternehmen United Internet oder das Karrierenetzwerk Xing listet die Börse separat nach den oben beschriebenen Kriterien Marktkapitalisierung und Handelsumsatz auf. Die 30 größten aus dieser Rangfolge bildeten bisher den TecDax. In der Liste, die den anderen Indizes zugrunde liegt, tauchten Technologiewerte nicht auf.  Entsprechend gab es in MDax und SDax keine Technologie-Unternehmen.
Der Dax war eine Ausnahme: Technologiewerte, die für den Leitindex groß genug waren, wurden in den Dax aufgenommen und mussten den TecDax verlassen. Das geschah etwa mit dem Chiphersteller Infineon, der 2009 aus dem TecDax in den Dax aufstieg. Auch SAP, der nach Marktkapitalisierung größte deutsche Konzern, ist eigentlich ein Technologieunternehmen und würde deswegen in den TecDax gehören. Tatsächlich aber ist SAP aufgrund seiner Größe nur im Dax notiert.

Was ändert sich nun?
Um dieses Wirrwarr zu beenden, wird die Deutsche Börse die Indexzusammensetzung ändern. Sie hebt die künstliche Trennung zwischen Technologie- und Nicht-Technologie-Aktien auf. Alle Indizes rekrutieren sich nun aus derselben Liste; unabhängig davon, ob ein Unternehmen dem Technologie-Sektor zugeordnet ist oder nicht.
Möglich wird das, weil von nun an Aktien parallel zu ihrer Mitgliedschaft in Dax, MDax oder SDax auch im TecDax gelistet sein können. SAP zum Beispiel wird damit zusätzlich zu seiner Dax-Mitgliedschaft im TecDax vertreten sein. Die 30 bisherigen TecDax-Werte verteilen sich nun, wenn sie groß genug sind, zusätzlich auf Dax, MDax und SDax. Weil das dazu führen würde, dass viele bisherige Mitglieder dieser Indizes von den TecDax-Mitgliedern aus der Index-Familie verdrängt würden, stockt die Deutsche Börse den MDax und den SDax auf. Statt bisher 50 werden im MDax von September an 60 Unternehmen vertreten sein. Der SDax wächst von 50 auf 70 Mitglieder.

Was ist der Effekt der Regeländerung?
Diese Regeländerung bringt eine Reihe von Effekten mit sich. Wie die Börse am späten Mittwochabend bekanntgab, werden 14 Unternehmen aus dem TecDax nun zusätzlich MDax-Mitglieder. Das löst einen Domino-Effekt aus: Weil der MDax nur um zehn Werte vergrößert wird, müssen vier bisherige MDax-Werte in den SDax absteigen. Mit dem Immobilienunternehmen Alstria Office REIT qualifiziert sich zudem ein bisher im SDax gelistetes Unternehmen für den MDax. Alstria steigt deswegen auf. Im Gegenzug muss ein fünftes Unternehmen den MDax verlassen und wird zukünftig dem nächstkleineren SDax angehören. Aus dem TecDax neu in den SDax kommen 15 Unternehmen.
Außerdem werden die Dax-Werte Deutsche Telekom, Infineon und SAP zusätzlich in den TecDax aufgenommen. Weichen müssen dafür die bisherigen TecDax-Werte SLM Solutions, Medigene und SMA Solar. Sie werden der Dax-Familie immerhin im SDax erhalten bleiben.

Ab wann sind die Änderungen wirksam?
Diese Änderungen sind ab dem 24. September wirksam. Von da an umfassen Dax und TecDax je 30, MDax 60 und der SDax 70 Werte.

So gut performten die letzten Auf- und Absteiger im Dax

Wieso steigt Wirecard in den Dax auf?
Der Zahlungsanbieter Wirecard wird gleichzeitig neues Dax-Mitglied. Das hat allerdings nichts mit den Index-Reformen zu tun. Die Deutsche Börse überprüft die Zusammensetzung ihrer Indizes vierteljährlich. Ist ein Unternehmen in der Rangliste weit geklettert, etwa weil der Kurs stark gestiegen ist oder die Aktie sehr rege gehandelt wurde, kann es sich für einen Aufstieg qualifizieren. Umgekehrt fallen Unternehmen aus Indizes heraus, wenn sie die erforderlichen Kriterien nicht mehr erfüllen. Wirecard ist aufgrund des starken Kursanstiegs der vergangenen Monate und Jahre inzwischen so groß, dass das Unternehmen die Kriterien für eine Dax-Mitgliedschaft übererfüllt. Deswegen muss Wirecard aufsteigen und den Wert mit der geringsten handelbaren Marktkapitalisierung ersetzen. Das ist die Commerzbank, die ab Ende September nur noch dem MDax angehören wird.
Dieser Wechsel wäre auch nach den alten Kriterien vollzogen worden. Neu ist, dass Wirecard trotz seiner Mitgliedschaft im Dax auch im Technologieindex TecDax notiert bleiben wird. Früher wäre das Unternehmen mit dem Dax-Aufstieg dort ausgeschieden.

Was ändert sich sonst noch?
Im Zuge der üblichen Indexüberprüfung tut sich auch jenseits des Dax einiges. Aus dem SDax steigt wie beschrieben Alstria Office in den MDax auf. Die bisher in keinem Index vertretenen Befesa, Dr. Hönle, BayWa und Shop-Apotheke rücken zudem in den SDax auf. Aus dem Index scheiden dafür Grammer, ElringKlinger und Biotest aus. Eine Übersicht, welche Unternehmen aus dem Dax-Universum künftig in welchem Index vertreten sein werden, finden Sie hier:

Dax-Zugehörigkeiten vor und nach Indexumstellung

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