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Aktienkurs unter Druck Facebook und die Geier

Der Facebook-Aktie droht ab heute ein weiterer Absturz. Millionen Papiere könnten den Markt überfluten, weil einige Investoren erstmals seit dem Börsengang verkaufen dürfen. Einige Anleger reiben sich schon die Hände. 

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Facebook: Stürzt die Aktie weiter ab? Quelle: dpa

New York Manche nennen sie die Geier der Finanzmärkte, weil sie bereits sieche Unternehmen dem Tod noch ein Stück näher bringen. Andere halten sie für unverzichtbar, da sie wie ein Korrektiv gegen Übertreibungen und Finanzblasen wirken: Leerverkäufer, die mit fallenden Kursen Geld verdienen.

Eine wachsende Zahl so genannter Short Seller kreist nun seit ein paar Wochen um ein prominentes Opfer: die Facebook-Aktie. Wenn am heutigen Donnerstag die erste Haltefrist für Früh-Investoren des Sozialen Netzwerks ausläuft, könnten Millionen Papiere auf den Markt geschwemmt werden. Der Kurs droht deshalb weiter abzurutschen, denn es könnte die große Stunde der Leerverkäufer schlagen. Ihr Prinzip: Sie leihen sich Aktien und verkaufen sie sofort. Am Rückgabetermin müssen sie die Papiere dann nachkaufen – und ist der Kurs wie erhofft gefallen, ist die Differenz der Gewinn. 

Die Short Seller haben sich zuletzt offenbar gut eingedeckt: 97 Millionen Facebook-Aktien sind betroffen, meldet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf den Datenanbieter Markit, mehr als bei anderen Unternehmen im Vergleichsindex S&P 500. Im Vormonat waren es noch 63 Millionen. „Eine gute Position“, sagte ein Portfolio-Manager des Hedgefonds Connective Capital Management dem Blatt, „wenn man die Bewertung mit anderen Unternehmen wie Google und Apple vergleicht“. 

Werden die Untergangs-Propheten Recht behalten, wird der Kurs der Facebook-Aktie noch weiter einbrechen? Immerhin hat das Papier seit dem verkorksten Börsengang im Mai zum Ausgabepreis von 38 Dollar inzwischen fast die Hälfte an Wert verloren. Am Mittwochabend lag der Kurs bei 21,20 Dollar.

Vieles spricht dafür, denn das Angebot an Facebook-Aktien nimmt ab heute schlagartig zu: Zusätzlich zu den 421 bislang gehandelten Anteilsscheinen kommen nun bis zu 271 Millionen Papiere auf den Markt, nachdem die erste von mehreren Haltefristen ausläuft. Investoren wie der Internet-Unternehmer Peter Thiel, Microsoft oder die Investmentfirma Accel Partners, die in den vergangenen Jahren bei Facebook eingestiegen waren, können ihre Aktien ab heute verkaufen. 

Ob sie das tun, dürfte einerseits davon abhängen, ob sie einfach nur Kasse machen wollen. Andererseits hängt es von der Frage ab, inwieweit sie dem Sozialen Netzwerk noch vertrauen. Immerhin hatte sich das Wachstum zuletzt abgeschwächt. Die Werbeeinnahmen steigen nicht wie erhofft, und obendrein fiel auch noch ein hoher Verlust an.

Eine Verkaufswelle bei den Früh-Investoren wäre nun ein schlechtes Zeichen: Denn viele der Geldgeber sitzen auch im Verwaltungsrat. Sie haben damit den besten Einblick, wie die Geschäfte laufen und welche Trümpfe Facebook noch hat. Sie wissen, woran die Entwickler gerade arbeiten, welche Übernahmen geplant sind und welche Werbeverträge anstehen.

Hinweise, ob die Insider ihrem eigenen Unternehmen vertrauen, wird es in diesem Jahr noch mehrmals geben, wenn drei weitere Haltefristen für die Aktie auslaufen. Mitte November etwa darf unter anderem Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg Anteile losschlagen. Dessen Vermögen ist durch den Kurssturz bereits von mehr als 20 auf 10 Milliarden Dollar geschrumpft. Mit den Verkaufsterminen könnte der Markt dann in den kommenden Monaten mit bis zu 1,91 Milliarden zusätzlichen Facebook-Aktien geflutet werden.

Als schlechtes Omen für Facebook darf das Schicksal der Aktie des Sozialen Netzwerks Angie`s List gelten. Dort war am Dienstag die Haltefrist für Investoren abgelaufen – und es galt offenbar das Prinzip Nichts wie raus: Das Papier stürzte um bis zu 17 Prozent auf ein neues Allzeittief ab. Die Aktien anderer Unternehmen aus dem Umfeld Social Media wie Zynga, Groupon oder Pandora liegen ebenfalls zum Teil deutlich unter Ausgabepreis. Schlechte Zeiten für Kleinanleger, gute Zeiten für Leerverkäufer.

Mit Material von dpa

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