Aktienmärkte Dax verzeichnet größten Monatsverlust seit 2015

Der Aufwärtstrend an den Börsen ist im Februar abgerissen. Der Leitindex Dax verliert so viel wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Der Februar war kein Monat für Aktienanleger. Quelle: dpa

FrankfurtDer erste Schock des Börsenbebens mag verdaut sein, die Unsicherheit an den Märkten aber bleibt – und der Februar zeigt deutlich, welche Folgen die Kurseinbrüche vor einem Monat hinterlassen haben: Die zehn Monate andauernde, längste Aufwärtsphase der US-amerikanischen Börsengeschichte wurde abrupt gestoppt.

Den Februar schloss der Dow Jones mit einem Minus von 4,3 Prozent, der breiter gefasste S&P 500 mit einem Minus von 3,9 Prozent ab. Für den deutschen Leitindex Dax lief es noch schlechter: Unter dem Stricht hat er im Februar 6,2 Prozent verloren – so viel wie seit August 2015 nicht mehr. Damals hatte der Dax 9,3 Prozent verloren.

Ausgelöst wurden die Kursrutsche von der anziehenden Inflation in den USA und der damit verbundenen Erwartungen, dass die Notenbank Fed ihre Zinsen schneller steigen lassen könnte als gedacht. In der Interpretation von Investoren schmälert dies die Gewinnsituation der Unternehmen, da mit den Zinsen auch die Finanzierungskosten steigern. Je höher sichere Anleihen wie etwa zehnjährige US-Bonds rentieren, desto stärker dürften sie zum Rivalen für Aktien bei der Geldanlage werden – was wiederum die Kurse belastet.

Die Inflation in den USA lag im Januar bei 2,1 Prozent, also leicht über dem Inflations-Ziel der Fed von zwei Prozent. Derzeit liegt der Leitzins in den USA innerhalb einer Spanne von 1,25 bis 1,5 Prozent.

Die amerikanische Notenbank hat die Zinswende bereits im Dezember 2015 eingeleitet. Seitdem hat die Fed die Zinsen fünf Mal erhöht. Und in diesem Jahr wurden bislang drei weitere Zinsschritte diskutiert. Nach der ersten Rede des neuen Fed-Chefs Jerome Powell im Kongress ziehen jedoch Spekulationen an, dass es sogar vier Schritte allein in 2018 werden könnten. Die Folge: Die Aktienmärkte stehen unter großem Druck.

Investmentprofis wollen diesem aber keine allzu große Bedeutung beimessen. So erklärt etwa Michael Hasenstab, Fondsmanager von Franklin Templeton, in einem Blog, dass sich die Volatilität „wirklich nicht auf einem Niveau“ befinde, „das Auswirkungen auf die reale Wirtschaft hätte“. Und weiter: „Abgesehen von den wichtigsten Aktienmärkten waren auch keine Effekte auf sämtliche riskanten Anlagen zu erkennen. Bislang treten diese Faktoren nur vereinzelt auf und sind recht überschaubar.“

Schließlich, so betonen es Investoren allerorten, spreche das fundamentale Umfeld – in diesem Jahr wird weltweit ein Wirtschaftswachstum von fast vier Prozent erwartet – für weiter steigende Kurse.

Die Kursrutsche seien ein „Schuss vor den Bug“ gewesen, aber nicht der Anfang einer Baisse, sagte der Fondsverwalter Jens Ehrhardt in einem Interview mit dem Handelsblatt. „Solange die zehnjährige Staatsanleihenrendite in den USA unter 3,5 Prozent bleibt, die zweijährige unter drei Prozent, bleibe ich entspannt. Anleihen werden auch in diesem Jahr eine schlechte Anlage sein“, sagte Ehrhardt.

Dass die Unruhe so groß war, hatte gute Gründe: Der Dow Jones verlor am 5. Februar knapp 1.200 Punkte – in absoluten Zahlen gemessen so viel wie nie zuvor. Das entsprach einem Minus von 4,6 Prozent. Obwohl noch weit davon entfernt, erinnerte der große Verlust doch an den schwärzesten Tag der Wall Street-Geschichte, den 19. Oktober 1987, als der Dow um knapp 23 Prozent einbrach.

Trotzdem bleiben Anleger nervös, was auch die jüngsten Kursbewegungen zeigen. Nach den Kursrutschen vor einem Monat bleibt die Richtung, in die die Börsen laufen, unklar. „In einem Moment glaubt man, die Korrektur für beendet erklären zu können und stellt sich auf einen Lauf in Richtung 13.000 Punkte ein, im nächsten Augenblick muss man schon wieder bangen, dass nicht wieder die Tiefs von Anfang Februar heimgesucht werden“, wertet Börsenexperte Stephan Heibel die jüngsten Ergebnisse des Handelsblatts Dax-Sentiments aus. Jochen Stanzl von CMC Markets urteilt nüchtern: „Der Deutsche Aktienindex befindet sich ein wenig im charttechnischen Niemandsland.“

Stanzl zeigt sich zuversichtlich, denn die Börse starte nun in den März, den saisonal stärksten Börsenmonat. Bislang sieht es allerdings nach einem gehörigen Fehlstart aus: Am Donnerstagnachmittag liegt der Dax mit 1,5 Prozent deutlich im Minus.

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