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Aktienrally Das spricht für und gegen neue Börsenrekorde

Der Dax hat die 10.000-Punkte-Marke vor einigen Wochen souverän geknackt, aber wie lange hält der Aufwärtstrend? Was für und was gegen weiter steigenden Kurse spricht.

25 Jahre hat es gedauert, bis sich der Dax von 1000 auf 10.000 Punkte verzehnfacht hat. Nach steilen Anstiegen folgte oft ein tiefer Fall. Quelle: dpa

Als statt TV-Journalisten noch Aktienhändler und Makler das Frankfurter Parkett bevölkerten, versorgte der Börsenvorstand diese reichlich mit Kalorien: Immer, wenn der Dax eine runde Marke nahm, gab es Torte. Bei 5000 Punkten, im März 1998, „30 Kilo gekochte Walnusscreme mit fünf Biskuitböden“, zum letzten Mal bei 8000, kurz vor dem 2000er- Crash. Danach war Schluss mit dem fetten Leben – kein Konditor musste mehr bereitstehen, um bei Anruf schnell eine Tausender-Zahl aus Zuckerguss zu spritzen.

Die Geduld der Buttercreme-Bereitschaftstruppe wäre auch arg lang strapaziert worden. Immer wieder tastete sich der Dax an die 10.000 heran und prallte ab, ehe er dann nach dem Zinsbeschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) vom vergangenen Donnerstag die historische Bestmarke nahm. Profis zögern dennoch mit Käufen: „Die globale Liquiditätsschwemme wird uns zwar noch lange begleiten, aktuell werden wir aber eher verkaufen als kaufen“, sagt Maik Käbisch, Vorstand des Vermögensverwalters Döttinger/Straubinger, der eine Milliarde Euro managt: „Wir hatten bis Mai tolle Monate. Wer seine Jahresziele schon erreicht hat, fragt sich, was er zu verlieren hat, wenn er Aktien in seinem Portfolio reduziert.“ Sicher könne der Dax über 10.000 Punkte hinausschießen, „aber grundsätzlich sehe ich Rückschlagpotenzial“, so Käbisch. Die Börse ignoriere zu viele Probleme, wie die trotz verordneter Waffenruhe anhaltenden Kämpfe in der Ukraine und Konflikte in Asien, wie zuletzt zwischen China und Vietnam. Nur zu gut sind Anlegern die Abstürze nach früheren Hochs in Erinnerung.

Chancen und Risiken der Dax-30 (Teil 1)

Ist die Party an den Börsen schon vorbei? Oder können Anleger weiter auf die Geldflut der Notenbanken bauen, die die Aktienkurse treibt – trotz einiger Warnsignale? Fest steht: Langfristig gehören Aktien ins Depot. „Anleihen und Sparkonten bringen auf Jahre hinaus einfach nichts“, sagt der erfahrene Geldmanager Jens Ehrhardt. „Man muss Aktien haben, sonst wird man kalt enteignet, weil die Inflation höher liegt als die Renditen.“

Chancen und Risiken der Dax-30 (Teil 2)

Pro: Die Geldspritzen der EZB helfen

Das ist das „Einerseits“. Das „Andererseits“: Alles ist eine Frage des Timings. „Der beste Zeitpunkt, auf breiter Front in Aktien zu gehen, ist bereits vorbei“, sagt Ehrhardt. Aktien seien in einem „sehr reifen Bullenmarkt“, bestätigt Eberhardt Unger, Chefvolkswirt von Fairesearch. Er bezweifelt, dass Konjunktur und Unternehmensgewinne durch die Maßnahmen der EZB wie von der Börse erhofft steigen: „Wer bei 0,25 Prozent nicht investiert, tut es auch bei 0,1 Prozent nicht.“ Ehrhardt und Käbisch sind als Vermögensverwalter, die vor allem Kapital bewahren wollen, vorsichtige Naturen. Bankanalysten, die Aktien verkaufen wollen, sind optimistischer.

Die Geldspritzen der EZB helfen. Sie senken die Finanzierungskosten der Unternehmen, schreiben die Analysten der Société Générale. Dies und ein schwächerer Euro seien gut für die Unternehmensgewinne. Die Analysten haben untersucht, welche Aktien von den geldpolitischen Lockerungen in den USA und Japan besonders profitiert haben: Bankaktien und Papiere von Produzenten zyklischer Konsumgüter, etwa Autoaktien. Wiederholt sich das in Europa, wäre das gut für Daimler und Co.

Orientierung an der US-Börse

Kontra: Der Dax orientiert sich seit jeher stark an der US-Börse.

Insofern ist es eine gute Nachricht, dass US-Unternehmen zuletzt positiv überraschten. Über 70 Prozent der Unternehmen im Index S&P 500 verdienten laut einer Analyse des Bankhauses Warburg im ersten Quartal mehr als erwartet. Stabilere Konjunktur, eine immer noch üppige Geldversorgung durch die Fed und zunehmend Kapitalrückflüsse aus dem Ausland sprechen für US-Aktien. „Mit dem frischen Geld der Fed haben Amerikaner stark in Europa gekauft, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi seine Garantie für Anleihen ausgesprochen hatte“, sagt Christopher Nichols, der für den schottischen Versicherer Standard Life mehr als 30 Milliarden Euro verwaltet, „nun holen sie es zurück in die USA, wo man für sein Geld derzeit mehr Wachstum bekommt.“

Kontra: Monetärer Rückenwind flaut ab.

An den Börsen, sagt Unger, zähle Liquidität aktuell mehr als Umsätze und Gewinne. Dank des billigen Geldes seien die Kurse „alle künstlich aufgebläht“. Doch die US-Notenbank Fed bremst. Monat für Monat verringert sie ihre Anleihekäufe und drosselt die Zufuhr frischen Geldes an die Börse. Seit Beginn des schrittweisen Abschieds vom Gelddrucken („Tapering“) hat sie ihre monatlichen Anleihekäufe halbiert. In China ist die Überschussliquidität, der Teil der Geldmenge, der nicht zur Finanzierung des Wirtschaftswachstums gebraucht wird und an die Kapitalmärkte fließt, schon negativ. Dort könnte Geld knapp werden; gar nicht gut für die Börsen. Auch in Europa herrschen deflationäre Kräfte, die Gift für die Börse sind: Konsumenten und Unternehmen sparen und entschulden sich, Kredite werden kaum vergeben. „Die Börse hatte nun sechs Jahre lang geldpolitisch optimale Bedingungen; die Erwartungen der von den Notenbanken verwöhnten Anleger sind entsprechend hoch. Da drohen empfindliche Rückschläge“, warnt Ehrhardt.

Fonds und Indexfonds

Kontra: Anteil stark steigender Aktien sinkt.

Wenn nur noch wenige Aktien eine Hausse treiben, deutet dies eine Trendwende an. In Europa haben 57 Prozent der 500 größten Börsenwerte auf Zwölfs-Monats-Sicht stärker zugelegt als der entsprechende Index. Zwar wird der Anstieg damit noch breit getragen (im Mittel seit 2001 liegt der Anteil der Kurstreiber bei 60 Prozent). Doch seit Mitte 2013 ist der Wert von 70 Prozent zurückgefallen, ein Warnzeichen.

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Kontra: Aktien sind hoch bewertet.

Das signalisiert das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis, eine robuste Kennzahl. Für das von Nobelpreisträger Robert Shiller erfundene Maß wird der Börsenwert der Unternehmen durch deren gemittelten, inflationsbereinigten Gewinn der letzten zehn Jahre geteilt. Die Langfristperspektive soll verhindern, dass Anleger sich von optimistischen Gewinnprognosen zu Aktienkäufen verleiten lassen. Für den S&P 500 liegt das Shiller-KGV bei 25,9 – über dem Durchschnitt seit 1881 (16,5) – allerdings auch unter dem Rekordhoch von 44,2 in 1999.

Ähnlich ist das Bild im Dax, orientiert man sich an den erwarteten Gewinnen: Der Börsenwert der Dax-Aktien entspricht dem 17-Fachen der von Analysten für 2014 erwarteten Nettogewinne, deutlich über dem langfristigen Mittel von knapp 12.

Pro: Alternativen nicht in Sicht.

Anleger sollten bei der Bewertungsfrage aber nicht nur auf historische Durchschnittswerte schauen, „sondern auch einen Vergleich zu anderen Vermögensklassen ziehen, etwa Anleihen und Immobilien; relativ sind Aktien nach wie vor billig“, sagt Käbisch. Philipp Vorndran, Stratege bei Flossbach von Storch, geht davon aus, dass Pensionsfonds und Versicherungen mehr Aktien nachfragen werden. „Sie können gar nicht anders“, sagt er. „Noch halten sie sich zurück; keiner will der Idiot sein, der als Letzter bei 10.000 Punkten aufgesprungen ist; aber wenn die Marke nachhaltig fällt, werden die Versicherungen kommen; sonst schaffen sie keine Rendite für ihre Kunden mehr.“

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