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Aktienrückkauf Wie Konzerne sich für die Börse dopen

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IBM und Apple

Beispiel IBM: Der amerikanische Technologiekonzern, der der Welt einst den Personalcomputer bescherte, knausert beim Forschungsbudget. 2015 stellte Big Blue dafür 5,2 Milliarden Dollar bereit, etwa 6,4 Prozent seines Jahresumsatzes. Zehn Jahre zuvor waren es noch 5,8 Milliarden Dollar. Inflationsbereinigt ist der Rotstift sogar noch dicker, die Summe von 2005 entspricht etwa 7,1 Milliarden Dollar in heutigen Dollar. Mit dem Abschmelzen des Forschungsbudgets fielen die Umsätze. Dort verteidigt IBM kontinuierlich seinen traurigen Negativrekord. Seit fast vier Jahren sinkt bei Big Blue der Umsatz. 2015 setzte der Konzern nur noch 81,7 Milliarden Dollar um, 25 Milliarden Dollar weniger als im Spitzenjahr 2011.

Würden Forschungsausgaben und geschäftlicher Erfolg allerdings kausal zusammenhängen, müsste auch Apple schon seit Jahren im freien Fall sein. Der Unterhaltungselektronikkonzern aus Cupertino, der ja ebenfalls fleißig seine Aktien zurückkauft, ist für sein besonders mickriges Forschungsbudget bekannt. Jahrelang stellte Apple nur zwei Prozent seines Umsatzes dafür bereit. Im vergangenen Jahr waren es immerhin schon 3,4 Prozent, bei einem Rekordumsatz von 234 Milliarden Dollar waren das acht Milliarden Dollar. Apple gehört damit absolut gesehen wie IBM, Google und Intel zu den weltweiten Spitzenreitern bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

Alle Dax-Aktien im Check für 2016

Doch die Summen sind nur auf den ersten Blick beeindruckend, sie entsprechen selbst bei Apple nur gut der Hälfte des durchschnittlichen Geldeinsatzes für jährliche Rückkäufe, bei IBM sogar nur 30 Prozent. Anders herum: Bei Verzicht darauf, alte Aktien zu kaufen, könnte IBM Jahr für Jahr 22 Milliarden statt nur fünf Milliarden Dollar in die Zukunft investieren.

Apple ist in Sachen Forschung auch nicht revolutionär, investiert seine Forschungsgelder vor allem in die Verbesserung bestehender Produkte, vorweg in das iPhone. Eine Strategie, mit der CEO Tim Cook Apple als wertvollsten Konzern der Welt etabliert hat.

Einfluss der Notenbanken auf die Börsen seit 2008*
Entwicklung des US-Aktienindex S&P 500 und Bilanzsumme der US-Notenbank Fed seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 *reine Kursentwicklung ohne Dividenden; logarithmische Darstellung;Quelle: Bloomberg
Die expansive Geldpolitik Japans im Vergleich zum japanischen Aktienindex Nikkei seit 2008 *reine Kursentwicklung ohne Dividenden; logarithmische Darstellung;Quelle: Bloomberg
Der Deutsche Aktienindex Dax im Vergleich zur Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank (EZB) seit 2008 *reine Kursentwicklung ohne Dividenden; logarithmische Darstellung;Quelle: Bloomberg

Immerhin setzt er dem Anschein nach inzwischen mehr auf Risiko. Seit eineinhalb Jahren wird darüber spekuliert, dass Apple Milliarden von Dollar in die Entwicklung eines eigenen Autos steckt. Je nach Perspektive markierte dies den Einstieg in einen neuen Zukunftsmarkt, in dem Autos noch stärker zum rollenden Computer werden. Oder es ist ein weiteres Zeichen der Ideenlosigkeit unter Cook – schließlich gibt es das Automobil schon seit über 100 Jahren.

Buffet stärkt IBM den Rücken

Der Unterschied zwischen IBM und Apple liegt darin, wofür die Mittel ausgegeben werden. Und so könnte es sein, dass die umstrittene IBM-Chefin Ginni Rometty im Rückblick weitaus innovativer als Apple-Konzernchef Tim Cook sein könnte. Denn Rometty fokussiert ihre Forschungsgelder auf potenzielle Wachstumsmärkte für IBM – beispielsweise auf künstliche Intelligenz beim Auswerten von Daten oder die Informationstechnik-Infrastruktur der Städte von morgen. Darauf hat sie große Wetten abgeschlossen. Sie sind der Grund dafür, dass ihr Investorenlegende Warren Buffett trotz Wachstumsschwäche den Rücken stärkt. „IBM wird prosperieren“, predigt Buffett Geduld. Auf der Aktionärstagung seines Konzerns durfte IBM seine große Hoffnung präsentieren, den Prognoseservice Watson.

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