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Aktienstrategie Werterhalt mit Dividendenrendite

Angesichts stark schwankender Kurse scheinen Aktien zurzeit eine unsichere Anlage zu sein. Doch noch sind die Kassen großer Unternehmen gut gefüllt, und mit dividendenstarken Aktien können sich Anleger vor Schwankungen und Inflation schützen – hohe Renditen mahnen aber auch zur Vorsicht.

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Zugreifen? Im kommenden Frühjahr winken Aktionären hohe Dividenden. Langfristig machen die Ausschüttungen sogar bis zur Hälfte der Rendite aus, schätzen Experten. Quelle: dapd

Die Aktionäre der Deutschen Post konnten sich am Montag Hoffnungen machen: Der Konzern ist so reich, dass ihr Finanzchef Larry Rosen offen über eine Sonderausschüttung an die Anteilseigner nachdenkt. Denn im Zuge der Erholung der Weltkonjunktur nach der Finanzkrise hat die Post ordentlich ihre Kassen gefüllt.

Damit hat die Post derzeit eine Sorge, die andere Unternehmen gerne hätten. In der Vergangenheit floss ein Großteil der liquiden Mittel in die Umstrukturierung des Unternehmens, die nun weitgehend abgeschlossen ist und damit kein Geld mehr verschlingt. Nun steht der ehemalige Staatskonzern mit Barmitteln von rund 2,8 Milliarden und einem Mittelzufluss von 1,1 Milliarden Euro zwar auf den ersten Blick sogar schwächer da als im Vorjahr. Doch das überschüssige Geld, das der Konzern nicht wieder in sich selbst investiert, könnte nun bei den Aktionären hängen bleiben.

Die Dividendenrendite gibt an, wie viel Zinsen Anleger von ihrem eingesetzten Kapital erwarten können. Die Ausschüttung pro Aktie wird dazu durch den aktuellen Kurs geteilt. Bei der Post ergibt das bei einem aktuellen Kurs von rund 11 Euro und einer Dividende von 65 Cent eine Rendite von 5,9 Prozent. Sie fällt umso höher aus, je niedriger der Kurs und je höher die Ausschüttung ist.

Stärker als Anleihen, um Längen besser als Tagesgeld

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    Damit gehört die Post-Aktie zu den dividendenstärksten Titeln im Dax. 40 bis 60 Prozent ihres Gewinns will das Unternehmen dauerhaft auszahlen. Momentan sieht das gut aus. Verglichen mit anderen Dax-Riesen stapelt die Post allerdings noch tief. Mehr als 27 Milliarden Euro werden die 30 größten Aktiengesellschaften des Landes im kommenden Jahr auszahlen. Das ist die eine der höchsten Gewinnbeteiligungen aller Zeiten.

    So schüttet die Deutsche Telekom im Frühjahr fast ihren gesamten Jahresgewinn aus. Die Munich Re bezahlt ihre Aktionäre gar aus der Substanz – der Gewinn fällt in diesem Jahr zwar mager aus, doch der weltgrößte Rückversicherer hat seit mehr als 40 Jahren nie die Dividende gekürzt. Deswegen gibt es im Frühjahr wohl 6,25 Euro pro Aktie und damit mehr, als die Münchner in diesem Jahr verdient haben.

    Die Kurse vieler großer Dividendenzahler sind in diesem Jahr stark gefallen, obwohl die Gewinne noch sprudeln. Das Analysehaus Morningstar listet weltweit 137 Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als fünf Milliarden Dollar auf, deren Dividendenrendite über vier Prozent liegt. Darunter sind beispielsweise RWE und die Post, etliche Telekom-Anbieter wie die russische VimpelCom oder der britische Rüstungskonzern BAE Systems.

    Langfristig machten Dividenden bis zu 50 Prozent der Renditen aus, schätzt der Fondsmanager Jan Ehrhardt von DJE Kapital. „Momentan haben wir eine ganz interessante Situation: Bei vielen Unternehmen liegen die Dividendenrenditen sogar über den Zinsen für Unternehmensanleihen“, sagt er. Und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entwickelten sich dividendenstarke Aktien stabiler als andere.

    Die Post-Aktie wäre derzeit vor allem wegen der hohen Verzinsung interessant. Seit der Finanzkrise hat sich der Kurs nicht erholt, zeigt sich aber als recht stabil. „Dividendenkontinuität“ verspricht die Post ihren Aktionären. Hält der Konzern sein Versprechen, übertreffen Anleger mit sechs Prozent Dividendenrendite die Inflation um Längen, auch Anleihen des Unternehmens können da nicht mithalten. Zum Vergleich: Für Tagesgeld sind momentan nicht mehr als 2,8 Prozent drin.

    Dividendenverzinsung ist keine Wertgarantie

    Wird im Frühjahr von vollen Kassen berichten: Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, bei der Hauptversammlung des Konzerns im vergangenen Mai. Quelle: dpa

    „Auf lange Sicht hat man gute Chancen, wenn man sich ein paar Dax-Dividendentitel ins Portfolio legt“, sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. Er mahnt allerdings, immer die Zukunft im Blick zu haben. „Voraussetzung ist ein solides Geschäftsmodell, bei dem mit Gewinn und Umsatz auch die Dividende steigen kann.“ So bietet die Volkswagen-Aktie  zwar eine bedeutend kleinere Dividendenrendite als die der Deutschen Telekom, dafür ist VW viel stärker in Wachstumsmärkten engagiert und hat mittelfristig bessere Wachstumsaussichten – wer die mit der Konjunktur schwankenden Aktienpreise aushält, könnte also obendrauf noch von Kursgewinnen profitieren.

    Genauso wichtig ist auch der Blick zurück, denn er gibt Aufschluss über die Dividendenpolitik und Ertragslage eines Unternehmens. Hat der Konzern kontinuierlich eine Dividende gezahlt, bei langfristig steigenden Umsätzen und Gewinnen, ist es leichter, ihm zu vertrauen.

    Bankaktien: warnendes Beispiel

    Dividendenstarke Aktien als Werthalt in Krisenzeiten und als Inflationsschutz – das klingt gut, birgt aber auch Gefahren. „Entscheidend ist nicht die Dividende, sondern dass das Unternehmen sie auch erwirtschaften kann“, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Anleger sollten deshalb gerade bei einer hohen Dividendenrendite genau hinschauen: Wenn der Kurs gefallen ist, hat das meistens einen guten Grund. Manchem gelten hohe Dividenden gar als Zeichen, dass ein Unternehmen nicht so recht weiß, worin es sein Geld investieren will.

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      Eine Warnung ist die Entwicklung von Bankaktien: Sie gehörten vor der Finanzkrise noch zu den Dividendentiteln schlechthin. Doch von 4,50 Euro Dividende der Deutschen Bank im Jahr 2008 sind nun noch 75 Cent übrig.

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