AKW-Ausstieg Die Börse kauft Ökostrom

Das Aussetzen der Atomlaufzeit-Verlängerung interpretiert die Börse als klaren Sieg der Ökostrom-Anbieter. Einzelne Aktien legten mehr als 20 Prozent zu.

Solarmodule montiert Sandro Quelle: dpa

Spätestens nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel das Moratorium über die seit Jahresbeginn geltende Laufzeitverlängerung für deutsche Kernkraftwerke am Nachmittag verkündete, gelten die AKW-Betreiber als Verlierer: Unter den Versorgern brachen die Aktien von RWE, E.ON sowie der französischen EdF um jeweils rund fünf Prozent ein. Die Bundesregierung will während des Moratoriums ihre Atompläne überprüfen und den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen. Vor allem ein Aus für die ältesten und damit hochrentablen deutschen AKWs wie Biblis A und Neckarwestheim scheint möglich.

Die Analysten der Deutschen Bank gaben zu Bedenken, dass die voraussichtlich höheren Sicherheitsauflagen und damit verbundene Kosten für die Betreiber ein zusätzliches finanzielles Risiko seien. Gegen den Branchentrend legten Aktien der britischen Kohlekraftwerks-Betreiber Drax kräftig zu, ebenso die österreichische Verbund, die ihren Strom vor allem aus Wasserkraft gewinnt.

Rekordplus im ÖkoDax

Die im ÖkoDax gelisteten deutschen Solar- und Windenergie-Werte verbuchten mehrheitlich zweistellige prozentuale Zuwächse. Das höchste Tagesplus verzeichnete Conergy, die zeitweise um 32 Prozent stiegen und zum Börsenschluss immer noch mehr als 22 Prozent im Plus. Allerdings ist der Wert mit einem Kurs von zuletzt 0,38 Euro auch nur ein Penny-Stock.

Der Branchenindex selbst markierte mit einem Plus von knapp 13 Prozent den größten Tagesgewinn seiner Geschichte. Auch am Derivatemarkt waren Call-Optionsscheine auf Werte der Solar- und Windenergiebranche gefragt. Zugleich trennten sich Anleger von Calls auf die Versorger E.On und RWE. Mit Puts wurde auf ein weiteres Abrutschen des japanischen Nikkei-Index gesetzt.

Unter Verkaufsdruck standen die Assekuranzen und hier vor allem die drei großen Rückversicherer Münchener Rück, Hannover Rück und Swiss Re. Sie verloren jeweils zwischen vier und 2,5 Prozent.

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