Allianz Global Investors Warum Anleger um ihre Dividende fürchten müssen

Fonds der Allianz könnten gegen Meldepflichten verstoßen und Aktionärsrechte unzureichend wahrgenommen haben. Der Fondsgesellschaft und ihren Anlegern droht ein Millionenschaden.

Der Vermögensverwalter Allianz Global Investors ist ein Tochterunternehmen der Allianz. Quelle: imago

Fast drei Stunden hatte die Hauptversammlung der britischen Barclays Bank gedauert. Drei Stunden, in denen sich Aktionäre vor allem über die Geldgier der Manager ausließen. „Wir zahlen wie Manchester United und bekommen dafür die Leistung von Colchester“ – eines Fußball-Drittligisten, schimpfte ein Aktionär.

Der Barclays-Vorstand hatte die Boni seiner Spitzenkräfte um zehn Prozent erhöht, obwohl der Gewinn der Bank 2013 um ein Drittel gefallen war. Mit 2,9 Milliarden Euro war der Bonustopf zweieinhalb mal so groß wie die Dividende an die Aktionäre.

Im Interesse ihrer Kunden würde sie gegen die Boni stimmen, sagte eine Vertreterin des Versicherers Standard Life. Ein Drittel der anwesenden Aktionäre tat es ihr gleich. Nicht so die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI). Deren Europa-Tochter enthielt sich der Stimme.

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Überraschende Wende

Vor zwei Jahren war das noch anders. Da hatten die Vertreter der Europa-Gesellschaft der AGI auf den Hauptversammlungen noch Kante gezeigt und die Bonuszahlungen weltweit bei rund 60 Prozent aller Aktionärstreffen von Banken missbilligt.

2013 lehnte AGI Gehälter und Boni von Bankern nur noch in zehn Prozent der Fälle ab. Das geht aus Dokumenten zum Abstimmungsverhalten der AGI hervor. Erläutern wollte die AGI den Sinneswandel nicht, sie erklärt nur, dass Anträge zur Vergütung von ihr am häufigsten von allen Anträgen abgelehnt würden. Die Genügsamkeit der Banker kann jedenfalls nicht der Grund gewesen sein: Bei US-Banken stiegen die Boni 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent. In Europa sollten die Boni kürzlich über ein neues Gesetz gedeckelt werden. Viele Banken setzten daraufhin einfach die Fixgehälter hoch. In Deutschland verdienen um die 200 Banker mehr als eine Million Euro im Jahr. Dem obersten deutschen Bankenaufseher Raimund Röseler ist das zu viel. „Für mich ist schleierhaft, dass einer eine Million verdient und keinen wesentlichen Einfluss auf die Risikosituation der Bank hat“, sagte er Anfang des Jahres.

Der Verdacht liegt nahe, dass der Sinneswandel der AGI nicht auf ein verändertes Verhalten der Banker zurückzuführen ist, sondern der Grund bei der AGI selbst liegt. Seit 2013 bildet sich nach Informationen der WirtschaftsWoche die in Frankfurt beheimatete Europa-Gesellschaft nicht mehr allein eine Meinung darüber, welche Banker einen Bonus verdient haben. Die Prüfung hat im Wesentlichen der US-Aktionärsberater Institutional Shareholder Services, kurz ISS, übernommen. Der berät viele Investoren – Fonds, Versicherer, Pensionskassen – und schlägt denen vor, wie sie auf Hauptversammlungen abstimmen sollen. Formal richtet ISS seine Vorschläge an die Fonds zwar an den AGI-Standards aus. Die aber enthalten zu manchen Themen wenig Konkretes. So sollten Vorstände zum Beispiel Aktienoptionen bekommen, und ihre Vergütung solle sie motivieren, im Interesse der Aktionäre zu handeln, heißt es darin sinngemäß.

Wie ISS auf Basis dessen der AGI individuelle Ratschläge erteilen soll, ist schleierhaft. Dennoch machte ISS Vorschläge, und die AGI-Fonds stimmten auch fast immer so ab, wie ISS es vorschlug. ISS hat eher selten Probleme mit Banker-Boni und auch bei Barclays nur für Enthaltung plädiert. Vor dem Hintergrund erscheint der Sinneswandel der AGI nicht mehr erstaunlich.

Gesetz verlangt Engagement

Macht es sich die AGI hier zu einfach? Fest steht: Kaufen Fonds für Anleger Aktien, sollen sie die mit denen verbundenen Stimmrechte wahrnehmen. Vor Hunderten von Aktionärstreffen zu analysieren, wie am besten abzustimmen ist, kostet aber Zeit und Geld. Dass Fonds den Job an ISS abgeben, ist daher nicht unüblich.

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