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Alternative Anlagen Das sollten Anleger unbedingt wissen

Man sollte nur in etwas investieren, was man auch verstehe, sagt der weltbekannte Investor Warren Buffett. Wer sich mit alternativen Anlagen auskennt, kann jeden Aktienanleger bei der Performance schlagen.

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Wertvolle Spirituosen erfreuen sich einer steigenden Nachfrage. Quelle: dpa

Frankfurt Vom Heiligenschein, den sich zahlreiche Hedge-Fonds in den vergangenen Jahren selbst verpasst hatten, ist nichts mehr geblieben. Der Blick auf den Hedge-Fund-Index HFRX-Global zeigt, dass die Anlageresultate dieser Investoren seit dem Jahr 2007 zu wünschen übrig lassen. Im Sog der Erholung an den Aktien- und Rohstoffmärkten lieferten zwar auch die in ihren Anlageentscheidungen oftmals freien Manager wieder bessere Ergebnisse ab. Doch von den zweistelligen Durchschnittsrenditen vergangener Jahre sind die meisten Hedge-Fonds-Indizes jedoch weit entfernt. Seit Anfang 2012 haben sie im Schnitt nur leicht zugelegt.

Für die Schwäche der Fonds gibt es mehrere Gründe: Zum einen funktionieren ihre Strategien nicht mehr so wie früher. Noch vor zehn Jahren waren diese Investoren auch deshalb erfolgreich, weil sie ausgeklügelte Anlagestrategien auf ineffizienten Märkten umsetzen konnten. Wegen der vom Markt geforderten höheren Transparenz lassen sich die Wunderwaffen der Hedge-Fonds heute aber nicht mehr so verwenden.

Zum anderen tun sich Hedge-Fonds mit mehr Regeln und den zunehmenden staatlichen Eingriffen in die Finanzmärkte sehr schwer. Immer mehr findige Hedge-Fonds-Manager tummeln sich daher heute auf neuen und bisher unerschlossenen Märkten.

Private Anleger können vom verbliebenen Fachwissen der Hedge-Fonds-Manager dennoch auf unterschiedliche Weise profitieren. Ein Beispiel: Der Weltmarktführer Man Group hat zahlreiche Anlagestrategien in Fonds nach der EU-Richtlinie UCITS gegossen. In UCITS-Produkte dürfen grundsätzlich auch Privatkunden ihr Geld stecken. Anleger können zudem in Aktien einiger Hedge-Fonds-Unternehmen sowie in Indexzertifikate investieren.


Private Equity

Nach heftigem Absturz im Zuge der globalen Finanzkrise hat die Anlageklasse Private Equity inzwischen die Talsohle verlassen. Die beeindruckende Renaissance kommt im Aufwärtstrend des LPX Private Equity Indexes zum Ausdruck. "Die vergangenen Monate verliefen beeindruckend", sagt Michel Degosciu von der LPX Group. Über eine positive Entwicklung berichtet auch die Schweizer Partners Group, die auf mehreren Feldern des Bereichs Private Capital aktiv ist.

Gleichwohl bleiben auch die Erträge der Finanzinvestoren ähnlich wie die der meisten Hedge-Fonds deutlich unter den Mittelwerten der vergangenen Dekade zurück. Private-Equity-Häuser beteiligten sich meist in großem Stil an Unternehmen, kaufen diese auch oft ganz auf.

Große Private-Equity-Firmen berichten, dass es ihnen in den vergangenen Monaten gelungen sei, bei institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen höhere Summen einzusammeln. Und dies, obwohl Private-Equity-Investments oft auf einen Zeitraum von zehn Jahren angelegt sind. Bei der erfolgreichen Kapitalsuche der Branche wirken die positiven Erfahrungen nach, die einige Großanleger längerfristig mit der Anlageklasse Private Equity gemacht haben. So hat der Stiftungsfonds der Universität Oxford die Gewichtung von Private Equity im laufenden Jahr von acht auf 13 Prozent des Depots angehoben.

Privatinvestoren haben unterschiedliche Möglichkeiten, in diese Anlageklasse zu investieren. Zum einen wurden auch hier Investmentfonds nach der EU-Richtlinie UCITS kreiert. Zum anderen besteht für Anleger die Chance, ihr Kapital in Aktien von Private-Equity-Gesellschaften oder aber in Indexzertifikate zum Beispiel auf die verschiedenen LPX-Indizes zu investieren.


Sammler- und Liebhaberwerte

Nicht selten blasen Menschen nach einer gewissen Zeit Trübsal, wenn sie mit dem Ziel der Kapitalvermehrung in Sammelstücke wie Kunst, Münzen, Medaillen, Briefmarken, Wein, Oldtimer oder historische Wertpapiere investiert haben. Nicht immer bringen solche Investments die erhoffte Rendite. Wer auf solche Liebhaberstücke oder auf Devotionalien setzt, ist gut beraten, Abstriche bei den Rendite-Erwartungen zu machen.

Fachleute raten vor dem Investment zu einer intensiven Beschäftigung nicht nur mit dem Marktumfeld, sondern auch mit dem ins Auge gefassten Objekt. Das zeigt sich gerade in der Scripophilie, dem Markt für historische Wertpapiere. Dieser wird unter anderem durch Interesse an der Wirtschaftsgeschichte, den optischen Reiz der Papiere, die Verfügbarkeit der Stücke und den persönlichen Bezug zu einzelnen Firmen bestimmt.

"Die Scripophilie ist kein Sammelgebiet für die Masse - der intellektuelle Anspruch ist zu hoch", sagt Jörg Benecke, Vorstand der AG für Historische Wertpapiere. Hierfür gebe es ähnlich wie für Kunst und andere Sammelstücke nur einen ausgewählten Interessentenkreis. Das ist wichtig zu wissen; denn wer ein im Handel oder auf Auktionen erstandenes Unikat wieder verkaufen will, muss sich oft selbst einen interessierten Käufer suchen. Dementsprechend schwierig wird in der Folge die faire Preisfindung sein. Mit Kapitalanlagen im herkömmlichen Sinne hat all das wenig zu tun. Wer heute Schutz vor Inflation sucht und auf Gold oder Silber setzt, ist gut beraten, auf noch als Zahlungsmittel anerkannte Münzen zu setzen. Denn Gold- oder Silber-Medaillen weisen meist ein hohes Aufgeld auf, das selbst bei kräftigem Anstieg der Edelmetallpreise eine positive Rendite verhindern kann.

Forstland

Große Vermögen in der Welt setzen seit vielen Jahren auf die Anlageklasse forstwirtschaftliche Nutzflächen. Das überrascht nicht; denn die heute verfügbaren Waldflächen sind nicht vermehrbar. Ganz im Gegenteil: Wegen der fortschreitenden globalen Urbanisierung schrumpfen diese wertvollen Flächen. Und so gewinnt der Produktionsfaktor Wald immer stärker an Wert. Der erstmals im Jahr 1987 berechnete NCREIF Timberland Index ist seither um mehr als 320 Prozent gestiegen.

Auch die Aussichten sind positiv. Der UBS Timber Index nimmt dies durch eine positive Kursentwicklung der Forstaktien vorweg. Jess Jarratt, Präsident der Wells Timberland Management Organization, sagt, die Nachfrage nach Holz werde sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Dem wird eine schrumpfende Forstlandfläche gegenüberstehen.

Und so bestehen gute Chancen, dass mit Forstland auch in den kommenden Jahren stabile Anlageresultate zu erzielen sind. Denn Holz ist bei weitem nicht die einzige Einnahmequelle für Waldbesitzer. Unter gewissen Voraussetzungen erhalten Waldbesitzer für die Aufforstung auch CO2-Emissionskredite.

Kapitalanleger in Europa setzen heute meist auf Forstprojekte in tropischen Gebieten. Grund: Dort sind die Wuchsbedingungen der Bäume nicht selten optimal. Allerdings sollten Anleger sich dabei entscheiden, ob sie einfach in Bäume und Holz investieren oder aber das Thema Waldinvestment auch unter ökologischen Aspekten betrachten, sagt Carsten Dujesiefken von der Fondsgesellschaft Pure Blue, die ein ökologisches Waldprojekt in Panama betreut. Anleger sollten also bei Investitionen in die Forstwirtschaft vermeiden, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.

Farmland

Können wir die steigende Weltbevölkerung auch morgen noch satt bekommen? Seit Jahren werfen Agrarökonomen immer wieder diese bange Frage auf. Experten glauben, dass eine effizientere Landwirtschaft auf der einen und technologische Fortschritte auf der anderen Seite eine positive Antwort ermöglichen. Für Kapitalanleger steht fest, dass die Agrarwirtschaft einer der interessantesten Investmentbereiche ist.

Der Autopionier Henry Ford hat das bereits vor rund hundert Jahren erkannt, als er die Alleinstellungsmerkmale dieser Anlageklasse erkannte und seinen Freunden riet: "Kauft Farmland - das ist das einzige Produkt, das nicht mehr hergestellt wird!" Heute wandeln immer mehr Kapitalanleger auf den Spuren Henry Fords. Denn so wie Forstland so sind auch die Farmlandflächen auf dem Planeten Erde nicht vermehrbar.

Vor dem Hintergrund einer voraussichtlich weiter stark steigenden Weltbevölkerung liegen Agrarland-Investments daher voll im Trend. Keiner hat das in den vergangenen Jahren so stark erkannt, wie China, das auf allen Erdteilen seine Claims in Farmland abgesteckt hat. Das wirkt sich positiv auf die Preise landwirtschaftlicher Nutzflächen aus. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums ist der durchschnittliche Preis für Farmland im wichtigsten Agrarland der Welt von 1 150 Dollar je Acre (4 047 m²) im Jahr 2011 auf rund 2 700 Dollar in die Höhe geschossen.

Auf fast allen Erdteilen gibt es eine ähnlich positive Wertentwicklung. Private Anleger können hieran partizipieren, indem sie zum Beispiel in Aktien von großen Agrarunternehmen wie KTG Agrar, Agrarius oder Black Earth investieren, die riesige Farmlandflächen besitzen und bewirtschaften.

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