WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Alternative Anlagen Flucht in den Wald oder sonst wohin...

Die Euro-Krise verunsichert die Anleger. Wo ist das Geld noch sicher - in Aktien, Anleihen oder doch auf dem Konto? Viele Investoren suchen und finden Alternativen. Aber Vorsicht, auch im Wald kann es gefährlich werden.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Wälder sind für viele Investoren eine attraktive Anlagemöglichkeit. Quelle: dpa

Frankfurt Seit dem Euro und dem Dollar immer weniger zu trauen ist, werden Anleger erfinderisch. Sie suchen nach Auswegen aus dem Dilemma von Schuldenkrise und drohender Geldentwertung, allen voran Profis wie Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen und Vermögensverwalter. "Vor allem Institutionelle greifen vermehrt auch zu den illiquideren alternativen Anlageformen", sagt Frank Dornseifer vom Bundesverband Alternative Investments (BVAI) in Bonn. Der Anteil alternativer Investments ist in ihren Portfolios über die Jahre gestiegen. Sie suchen Zuflucht in Hedge-Fonds und Private Equity und setzen ebenso auf Werte mit Substanz wie Farmland, Forstland oder Rohstoffe. Auch Infrastrukturprojekte wie Energietrassen, die auf Sicht eine stabile Rendite versprechen, finden bei den Institutionellen wachsendes Interesse. Und längst haben den Markt gleichfalls Anbieter von Finanzprodukten für Privatanleger entdeckt. Sie bieten eine wachsende Auswahl an entsprechenden Zertifikaten, an Aktien einschlägiger Gesellschaften, Fonds oder gar direkten Beteiligungen an Waldstücken oder einem Windpark.

Wieder in Mode gekommen sind auch Kunst, Münzen, Briefmarken, Wein, Historische Wertpapiere, Oldtimer oder Schmuck. Solche Anlagen erfüllen jedoch meist nicht die an moderne Kapitalanlagen gestellten Anforderungen. Sie sind vielmehr in die Ecke "Liebhaberei" und "Sammelleidenschaft" einzuordnen. Es fehlt an Transparenz und Liquidität.

In der Finanzkrise wurden alternative Anlagen in großem Umfang abgestoßen

Alternativ Investments sollen in den Depots privater und institutioneller Investoren vor allem zwei Aufgaben erfüllen. Sie sollen zum einen eine stabile Rendite abwerfen und zum anderen das Vermögen besser streuen und damit das Risiko reduzieren. Jahrzehntelang hatten Experten die Auffassung in die Öffentlichkeit posaunt, Alternativ Investments seien für diesen Zweck ideal. Die Fachleute vertraten dabei noch bis vor kurzem auch die These, dass Alternativ Investments eine nur sehr geringe Abhängigkeit von der Entwicklung traditioneller Investments wie Aktien und Anleihen aufweisen und sie daher in jedes größere Depot gehörten.

Allerdings stellte sich dann während der Finanzkrise exakt das Gegenteil heraus. Als die Aktienkurse und Rohstoffpreise einbrachen, wurde auch die Wertentwicklung von Alternativ Investments in den "Sog der Krise" gezogen. Private und vor allem institutionelle Anleger sahen sich unter dem hohen Erfolgsdruck veranlasst, die in ihren Wertpapierdepots entstandenen riesigen Löcher zu stopfen. So stiegen sie auch aus jenen Vermögenswerten aus, bei denen sie sich noch in der Gewinnzone befanden. Durch diesen aufseiten der Anleger bestehenden Zwang, Geld einzutreiben, brachen dann auch die Kurse fast aller Alternativ Investments ein. Dabei fielen die Verluste oftmals sogar stärker aus als bei traditionellen Kapitalanlagen.

Bei zahlreichen dieser alternativen Investmentformen kamen nämlich die seit Jahren bekannten Schwächen - also geringe Transparenz und mangelnde Liquidität - erschwerend hinzu. Verkäufe waren dabei oftmals nur zu einem deutlich unter dem inneren Wert der Anlagen liegenden Kurs möglich. Interessierte Käufer konnten in aller Ruhe abwarten, bis die Preise ein für sie interessantes Niveau erreicht hatten.


Wälder sind vielen Investoren nicht liquide genug

Ein weiterer Faktor lässt manchen interessierten Anleger immer noch zögern. Sowohl Farm- und Forstland als auch Infrastruktur- und Rohstoffprojekte erfordern von Investoren in der Regel einen sehr langen Atem. "Anleger müssen sich zum Beispiel bei Investments in Forstland auf einen Zeithorizont von 10 bis 15 Jahren einstellen", steckt Jess Jarratt, Präsident der Wells Timberland Management Organization, den zeitlichen Rahmen dieser Investmentform ab.

Und wenn Private-Equity-Unternehmen zum Beispiel von ihren Kapitalgebern Finanzmittel einsammeln, so geschieht das in der Regel mit dem Hinweis, dass man davon ausgehe mit diesem Geld über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg arbeiten zu können. Für die meisten institutionellen Anleger stellt dies trotz der immer stärkeren Kurzlebigkeit der Wirtschaftszyklen kein Problem dar - private Investoren tun sich da schon schwerer.

Vor diesem Hintergrund überrascht daher nicht, dass es häufig auch zu Ernüchterung kommt. Bei aller Aufmerksamkeit, auf die diese nicht-traditionellen Anlageformen in der breiten Öffentlichkeit stoßen, ist festzuhalten: In den Depots der großen Vermögensverwalter sind Alternativ Investments als Anlageklasse insgesamt nach wie vor deutlich untergewichtet.

Dabei sind gerade Versicherungen und Pensionskassen mit laufenden Zahlungsverpflichtungen immer stärker auf der Suche nach Alternativ Investments mit stabilem Cash-Flow und sicherer Rendite. "Es gibt keine Alternative zu den Alternativen", heißt es dort. Das Ziel liegt nicht unbedingt darin, Überrenditen zu erzielen, sondern laufenden Zahlungsverpflichtungen, die eine Rendite von etwa vier Prozent pro Jahr erfordern, eine entsprechend sichere Renditequelle gegenüberzustellen. Die beiden Assekuranzunternehmen Allianz Versicherung und Münchener Rück haben hier zuletzt in der Finanzwelt für Aufmerksamkeit gesorgt, als sie erklärten, über verstärkte Investments in Infrastruktur - in diesem Fall in Stromnetze - nachzudenken.

Dem Engagement sind jedoch Grenzen von außen gesetzt: Qua Gesetz gelten Staatsanleihen bei Versicherungen und Pensionskassen als "sichere Anlagen". Für diese Vermögensverwalter sind bestimmte Anlagequoten festgeschrieben. So werden diese Vorsorge- und Pensionseinrichtungen per Gesetz praktisch als Staatsfinanzierer "missbraucht".

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Nachricht, dass die CIRC - die Versicherungsaufsichtsbehörde in der VR China - ihren Assekuranzunternehmen erlauben will, den Anteil von Private Equity in ihren Depots zu erhöhen -und dies gleich kräftig. Die Quote soll von derzeit fünf Prozent auf zehn Prozent verdoppelt werden.

Für Europa besteht in dieser Frage noch eine Menge Nachholbedarf. Eine Umfrage bei den 75 größten Vermögensverwaltern hat zuletzt folgende durchschnittliche Vermögensaufteilung ergeben: Aktien 48 Prozent, Anleihen 38 Prozent, Liquidität sieben Prozent, Immobilien 1,5 Prozent. Der Anteil von Alternativ Investments insgesamt liegt derzeit bei den befragten großen Asset Managern unterhalb der Marke von sechs Prozent. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber 2011, als Alternativ Investments sieben Prozent ausmachten. In früheren Jahren hatte die Quote, die in solchen Investments steckte, allerdings nur vier oder fünf Prozent betragen.

Und dabei ist die Wertentwicklung einiger alternativer Investmentformen zuletzt erfreulich gewesen. Denn in den vergangenen Monaten haben Alternativ Investments analog zur Entwicklung der Aktienkurse eine Aufholjagd gestartet. Dies gilt nicht zuletzt für die eng von der Stimmung an den Aktien- und Rohstoffmärkten abhängigen Anlageklassen Hedge-Fonds und Private Equity (Beteiligungen). Die populärsten Anlageformen dieses Bereichs wiesen seit Anfang des Jahres eine gegenüber dem Vorjahr deutlich bessere Wertentwicklung auf.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%