Andrew Bosomworth "Europa droht die Zombifizierung"

Die Krise in Europa wird noch Jahre andauern. Zu diesem Schluss kommt Pimco, der größte Anleiheinvestor der Welt. Im Interview erklärt Pimco-Manager Andrew Bosomworth, wo er Gefahren sieht und was Anleger tun sollten.

Andrew Bosomworth ist Leiter des deutschen Portfoliomanagements und einer der Geschäftsführer von Pimco Deutschland. Bevor er 2001 zu PIMCO kam, arbeitete er bei der Europäischen Zentralbank, bei Merrill Lynch sowie bei der neuseeländischen staatlichen Finanzagentur. Quelle: Presse

Herr Bosomworth, die Börsen stellen fast täglich neue Rekorde auf. Woran liegt das?

Andrew Bosomworth: Das liegt an der Geldschwemme durch die Notenbanken. Durch die niedrigen Zinsen sind Investitionen getätigt worden, die sonst nicht ratsam gewesen wären.

Haben sich die Märkte von der Realwirtschaft abgelöst?

Die Vermögenspreise sind stärker gestiegen als es die Fundamentaldaten rechtfertigen. Die Preise von Aktien und Anleihen sind seit 2008 um etwa acht Prozent jährlich gestiegen - zwei Mal so stark wie das weltweite nominale Bruttoinlandsprodukt.

Mit anderen Worten: Wir haben es mit einer Blase zu tun.

In einigen Bereichen sieht es danach aus. Wir sehen Anzeichen für eine steigende Temperatur auf dem Anleihemarkt. Viele Unternehmensanleihen mit guter Bonität sind zu teuer, ähnliches gilt für viele Unternehmens- und Staatsanleihen aus Schwellenländern. Auch wenn wir nicht mit einem unmittelbar bevorstehenden Einbruch rechnen.

Wo Deutsche investieren – und wovor sie sich fürchten
Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone und die Probleme rund um Griechenland haben bei den deutschen Sparern ihre Spuren hinterlassen. Bei der Geldanlage sind die Deutschen heute deutlich vorsichtiger gestimmt, als zu Beginn der Finanzkrise. Das ist das Ergebnis des fünften Schroders Investmentbarometers. Auf den folgenden Seiten zeigen wir, wo die Deutschen ihr Geld heute investieren - und wovor sie sich fürchten. Quelle: Schroders Investment Management GmbH Quelle: REUTERS
EuropaDie Untergangspropheten für den Euro haben ganze Arbeit geleistet. Mittlerweile sehen 40 Prozent der deutschen Anleger Europa als die Region mit dem höchsten Risiko. Damit liegt der europäische Staatenverbund vor allen übrigen Regionen und Ländern. Die gestiegene Risikoaversion macht sich auch bei der Geldanlage der Deutschen bemerkbar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden Investitionen in Europa um 15 Prozent zurückgefahren. Als sicher sehen die Deutschen im Moment nur ihr eigenes Heimatland. Gerade einmal 3 Prozent der deutschen Sparer würden ihr Geld nicht in der Bundesrepublik investieren. Quelle: dapd
ImmobilienImmobilien gelten momentan als einer der sichersten Anlagen. In den europäischen Metropolen überteigt die Nachfrage oftmals das Angebot. Dadurch klettern die Preise seit Jahren auf immer neue Rekordwerte. Auch für viele deutsche Anleger sind trotz der Krise Immobilien der Fels in der Brandung. 32 Prozent halten europäische Immobilien für besonders sicher. Quelle: dpa
AktienmärkteDas ständige Auf und Ab an den europäischen Aktienmärkten hielt viele deutsche Anleger in den letzten Jahren von einem Investment ab. Gerade einmal jeder fünfte Kleinanleger investierte sein Erspartes in Aktien. Trotzdem werden europäische Aktien von 21 Prozent der Befragten als sicher eingestuft. Quelle: dapd
DeutschlandDie Vorliebe für Deutschland als Anlageregion ist mit der Sorge um die Euro-Zone gestiegen. Mittlerweile investieren mehr als 80 Prozent der Befragten den größten Teil ihres Geldes in der Bundesrepublik. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von neun Prozent. Dagegen sehen die Deutschen internationale Anlagen als zu risikoreich. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten gab an, keine Inventionen im Ausland tätigen zu wollen. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
AsienDie asiatischen Länder mussten sich im letzten Jahr mit einem geringeren Wachstum zufrieden geben. Trotzdem sehen 46 Prozent der deutschen Anleger die Region als Wachstumsmarkt von morgen an. Das heißt aber nicht, dass sie dort auch tatsächlich investieren. Der Anteil der Anleger, die in der Region (ohne China und Japan) investiert sind, schrumpfte von fünf auf ein Prozent. Quelle: dapd
ChinaKnapp 20 Prozent der deutschen Privatanleger halten eine Investition in China für sinnvoll. Die Zahl der in China investierten Anleger halbierte sich dennoch im vergangenen Jahr von vier auf zwei Prozent. Quelle: AP
IndienDie Deutschen fuhren ihre Anlagen in Indien im vergangenen Jahr von zwei auf annähernd null Prozent zurück. Gleichzeitig hält ein Drittel der Befragten ein Engagement in den kommenden Jahren für sinnvoll. Quelle: AP
USAMit Anlagen in den USA halten sich die Deutschen zurück. Die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Anlageverhalten ist auch hier zu beobachten. Zwar sehen die Deutschen das Risiko bei weitem nicht mehr so hoch an. Dennoch sind aktuell lediglich vier Prozent - und damit fünf Prozentpunkte weniger als 2011 - dort investiert. Quelle: dpa

Und bei Aktien?

An den Aktienmärkten ist die Gefahr nicht ganz so groß. Aber auch hier dürfte es eine Korrektur geben.

Was passiert, wenn die Geldflut der Notenbanken eines Tages abebbt?

Einen Vorgeschmack darauf haben wir in der vergangenen Woche in Japan bekommen, als der Nikkei um sieben Prozent einbrach. Das gibt uns zu denken.

Am Tag vorher hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke angedeutet, dass die Notenbank künftig weniger Geld drucken wird.

Richtig. Aber auch schon vorher gab es entsprechende Spekulationen. Damit hängt auch der Einbruch beim Goldpreis in diesem Jahr zusammen.

Wann rechnen Sie mit einem Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes?

Da wage ich keine Prognose. Unser Ausblick gilt für die nächsten drei bis fünf Jahre. In diesem Zeitraum wird es wohl passieren.

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