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Angst vor einer Rezession Dax und Dow Jones sacken ab, etliche Einzelwerte tief im Minus

An der US-Börse hoffen Anleger, dass die Fed ihre Geldpolitik anpasst. Quelle: dpa

Sorgen vor einer möglichen Rezession verunsichern Anleger. An der US-Börse hoffen Investoren auf ein Einschreiten der US-Notenbank. Derweil kennen die Kurse etlicher Einzelwerte nur eine Richtung: nach unten.

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Die Furcht vor einer Rezession verschreckt die Anleger in Europa. Dax und EuroStoxx50 gaben am Donnerstagvormittag 0,7 und 0,5 Prozent nach auf 11.4316 beziehungsweise 3272 Zähler. „Das ständige und willkürlich anmutende Hin und Her beim Handelsstreit zwischen den USA und China, die Regierungskrise in Italien, das Brexit-Chaos, die Proteste in Hongkong: Zu viele Problemfelder belasten momentan die Stimmung der Investoren“, sagte Thomas Metzger, Chef der Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer.

Nach Warnsignalen vom US-Anleihenmarkt sackte auch der New Yorker Leitindex Dow Jones am Donnerstag zeitweise um gut 700 Punkte oder fast drei Prozent ab. Auch der Technologieindex Nasdaq fiel zeitweise um gut drei Prozent.

Für Unsicherheit sorgte weiterhin die inverse Zinskurve in den USA: Dort liegt die Rendite der zweijährigen Papiere unter der der zehnjährigen Anleihen. Das gilt am Markt als Rezessionssignal: In den Renditen spiegelt sich wider, dass die Investoren die kurzfristigen Risiken für die Wirtschaft höher einschätzen als die langfristigen. Einige Analysten warnten davor, nun in Panik zu geraten, weil der Vorlauf dieses Signals mehr als ein Jahr betragen könne, sagte David Iusow, Analyst beim Brokerhaus DailyFX. „Doch der Markt hat in der Regel recht. Die Anzeichen eines globalen Wirtschaftsabschwungs sind nicht nur am US-Anleihemarkt zu erkennen, sondern kommen nun dort an, wo andere Signale bereits sind.“ So signalisiere der Goldpreis ebenfalls, dass die Flucht in sichere Häfen längst begonnen habe. Mit 1519,26 Dollar kostete eine Feinunze des Edelmetalls 0,2 Prozent mehr als am Vortag. Seit Jahresanfang ist der Preis aber um fast ein Fünftel gestiegen.

Investoren hoffen nun auf ein Einschreiten der US-Notenbank. „Die Fed muss aus schierer Notwendigkeit ihre Geldpolitik deutlich stärker anpassen als sie es erwartet hat“, sagte Stephen Innes, Partner beim Analysehaus Valour Markets. Anleger gehen nun davon aus, dass die Federal Reserve bei jedem ihrer drei folgenden Zinsentscheide in diesem Jahr den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte nach unten schrauben wird. Das setzt den Bankaktien zu: Sinkende Zinsen lasten auf den Gewinnen der Geldhäuser. Der europäische Branchenindex gab 0,4 Prozent nach. Die Titel der Deutschen Bank verloren 2,4 Prozent. Auch die konjunktursensiblen Tech-Werte gerieten unter Druck. Die Papiere des Chipkonzerns Infineon sanken um 3,1 Prozent.

Hohe 5G-Kosten lasten auf 1&1 Drillisch

Mit einem Kursrutsch von etwa einem Drittel straften die Anleger den Wiesbadener Kohlenstoff-Spezialisten SGL Carbon ab - das war der größte Verlust seit 16 Jahren. Das Unternehmen muss sich von seinen Zielen bis 2022 verabschieden, Vorstandschef Jürgen Köhler tritt zurück. Die Nachricht dürfte das Vertrauen der Anleger in SGL zerstören, urteilte Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe. Erst vor vier Monaten war Köhlers Vertrag verlängert worden.

Die Aktien des Mobilfunkkonzern 1&1 Drillisch sowie der Muttergesellschaft United Internet brachen um fast 14 beziehungsweise 8,6 Prozent ein. Die beiden Firmen senkten wegen der hohen Kosten für den Aufbau eines 5G-Netzes ihre Prognosen für das Gesamtjahr.

Auch die Deutsche Bank kommt an der Börse nicht auf die Beine. Die seit Tagen unter Druck stehenden Aktien des Instituts sackten am Donnerstag zeitweise um weitere drei Prozent auf 5,86 Euro ab und näherten sich ihrem Rekordtief von 5,80 Euro, auf das sie im Juni - vor Verkündung der neuen Strategie - gefallen waren. „Die Erosion geht weiter“, sagte Aktienhändler Stefan de Schutter vom Brokerhaus Alpha Trading. „Es gibt derzeit keinen einzigen Grund für Investoren, die Aktien der Deutschen Bank zu kaufen.“

In den vergangenen fünf Handelstagen büßten die Titel mehr als acht Prozent ein. Damit kommt das größte deutsche Geldhaus auf einen Börsenwert von knapp über zwölf Milliarden Euro. Der Zahlungsdienstleister Wirecard, dessen Aktien ebenfalls im Leitindex Dax notiert sind, ist gut vier Milliarden Euro mehr wert. Auch mit den Titeln der Commerzbank ging es weiter bergab. Sie fielen um bis zu 1,2 Prozent auf ein Rekordtief von 4,75 Euro.

Aufwärts ging es dagegen für die Papiere der Brauerei Carlsberg, die in Kopenhagen mehr als fünf Prozent zulegten und auf ein Rekordhoch zusteuerten. Premium-Biermarken kurbelten das Geschäft der Dänen in der ersten Jahreshälfte an, vor allem in Asien und Russland lief das Geschäft gut. Die Experten von JPMorgan sprachen von einem „außergewöhnlichen“ ersten Halbjahr.

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