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Angst vor Folgen für die Wirtschaft wächst Coronavirus schickt Dax auf Talfahrt

Der Dax sackte in den ersten Handelsminuten um 2,62 Prozent auf 13 222,97 Punkte ab. Quelle: X01095

Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie hat den deutschen Aktienmarkt am Montag tief ins Minus gedrückt.

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Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie hat am deutschen und europäischen Aktienmarkt am Montag zu einem Ausverkauf geführt. Dax und EuroStoxx50 rutschten am Montag zeitweise um jeweils knapp vier Prozent auf 13.035 beziehungsweise 3647 Punkte ab. Der Leitindex der Mailänder Börse brach sogar um mehr als fünf Prozent ein. Damit steuerten alle drei Indizes auf ihren größten Tagesverlust seit etwa dreieinhalb Jahren zu. Damals hatten Spekulationen auf eine Abkühlung der chinesischen Konjunktur die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt.

In Asien ging es zum Wochenstart insbesondere an Südkoreas Börsen deutlich nach unten, wenngleich sich die Kursverluste in Festlandchina in Grenzen hielten. „Die Hoffnung und Euphorie für die konjunkturelle Entwicklung in Europa scheinen die Kurse doch zu weit nach oben getrieben zu haben. Die Investoren ziehen vorerst die Notbremse und trennen sich wieder von Aktienbeständen in deutschen Standardwerten“, kommentierte Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Jetzt müsse sich zeigen, ob die konjunkturelle Situation tatsächlich so robust ist, wie viele Investoren angenommen haben – ansonsten werde es für den Dax in den kommenden Handelstagen noch sehr ungemütlich.

Fluggesellschaften, Öl und Kupfer unter Druck

Auch am Rohstoffmarkt spiegelte sich die Angst vor einem Rückschlag für die Weltwirtschaft wider. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um bis zu fünf Prozent auf 55,56 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für das wichtige Industriemetall Kupfer fiel um bis zu 1,6 Prozent auf 5671,50 Dollar je Tonne.

Fast alle Aktien in den wichtigen Indizes lagen im Minus, vor allem Fluggesellschaften flogen aus den Depots. Die Titel von Lufthansa, Air France-KLM und der British Airways-Mutter IAG verloren bis zu neun Prozent. Die auf innereuropäische Verbindungen spezialisierten Billig-Flieger Ryanair und EasyJet brachen sogar um mehr als 16 Prozent ein. Doch auch für Luxusgüter-Hersteller, Autobauer, Chipwerte, Bergbaukonzerne und Banken ging es kräftig abwärts diese Branchen gelten als besonders anfällig für eine weltweite Konjunkturabkühlung. Der US-Investor Warren Buffett hält Aktien dennoch weiter langfristig für attraktiv. „Es ist schon erschreckend“, sagte er dem TV-Sender CNBC. „Ich denke aber nicht, dass es eine Rolle spielen sollte bei dem, was man am Aktienmarkt macht.“ Er selbst werde jedenfalls wegen des Virus keine Aktien verkaufen.

Überraschend kam die Meldung, dass das Barometer für das Ifo-Geschäftsklima auf 96,1 Punkte von 96,0 Zählern im Januar gestiegen ist. Das Münchner Institut veröffentlichte am Montag die Zahlen zu seiner Umfrage unter rund 9000 Managern. Volkswirte hatten hingegen mit einem Rückgang auf 95,3 Punkte gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft scheint von der Entwicklung rund um das Coronavirus unbeeindruckt“, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Viele Experten befürchten aber, dass die Folgen der Epidemie die Konjunktur künftig bremsen dürfte.

„Sollte es zu einer weiteren Ausbreitung der Epidemie und daraus resultierenden Maßnahmen weltweit kommen, so hat dies auch Auswirkungen auf die konjunkturelle Lage in Deutschland“, warnte etwa Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH, im WiWo Konjunkturradar. Auch Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, dass in der aktuellen Umfrage die jüngste Dynamik rund um die Epidemie noch nicht voll abgebildet sei.

Ausbreitung in Europa und Hilfszahlungen der EU-Kommission

Denn das Virus breitet sich aktuell weltweit aus. Die Zahl der Toten durch das Virus ist in China sprunghaft angestiegen. Die Gesundheitskommission berichtete am Montag in Peking weitere 150 neue Covid-19-Todesfälle – so viele wie noch nie innerhalb eines Tages. In Südkorea, wo sich gerade ein größerer Ausbruch entwickelt, wurden zwei neue Tote durch die Lungenkrankheit und 231 neu entdeckte Infektionen gemeldet. Damit gibt es schon 833 Ansteckungen und sieben Todesfälle in Südkorea. In keinem anderen Land außerhalb Chinas, wo das Sars-CoV-2-Virus im Dezember ausgebrochen war, wurden bisher mehr Infektionen gemeldet.

In Europa ist Italien mit mehr als 150 Infektionen am schwersten betroffen. Ein Fehlalarm legte am Sonntagabend den Zugverkehr zwischen Italien und Österreich über Stunden lahm. Zwei Eurocitys auf dem Weg von Venedig nach München wurden von Österreichs Behörden am Brenner gestoppt. Einer der Züge hatte zwei deutsche Frauen an Bord, die Fieber und starken Husten hatten. Sie wurden aber in Verone nach Angaben des österreichischen Innenministeriums negativ getestet. Danach konnten die 500 Passagiere nach München weiterfahren.

In vielen Gegenden in Norditalien steht das öffentliche Leben praktisch still. In der Lombardei wurden zehn Gemeinden in der Provinz Lodi zu Sperrzonen erklärt. Sie liegen in der Nähe des Finanzzentrums Mailand, der zweitgrößten Stadt Italiens. In Venetien wurde die Gemeinde Vo abgeriegelt. Schulen, Universitäten und Museen bleiben geschlossen. Auch der Karneval von Venedig, der bis Dienstag gehen sollte, wurde vorzeitig beendet. Drei Infizierte sind in Italien bisher an der Krankheit gestorben.

Die EU-Kommission kündigte wegen des rasanten Anstiegs Hilfszahlungen in Höhe von 232 Millionen Euro an. „Mit mehr als 2600 Toten gibt es keine andere Option, als sich auf allen Ebenen vorzubereiten“, sagte der EU-Kommissar für Krisenmanagement, Janez Lenarcic, am Montag in Brüssel. Das neue Hilfspaket solle die Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützen und Ländern mit schwächerem Gesundheitssystem zur Verfügung stehen. Allein 90 Millionen Euro sollen in die Suche nach einem Impfstoff investiert werden.

Aus rund 30 Ländern und Regionen außerhalb Festlandchinas sind mehr als 2200 Infektionen und 27 Todesfälle berichtet worden. In Südkorea konzentriert sich der Ausbruch auf die südöstliche Millionen-Stadt Daegu und Umgebung. Allein 129 neue Infizierungen wurden wieder unter Mitgliedern der christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu gezählt. Mehr als die Hälfte aller Fälle im Land entfällt auf Anhänger der Sekte – möglicherweise durch einen „Superverbreiter“. Die Regierung hat die höchste Alarmstufe für Infektionskrankheiten verhängt.

In China stieg die Zahl der Infizierten bis Montag erneut um 409 auf insgesamt 77 150. Mit den 150 neuen Todesfällen sind 2592 Tote zu beklagen. Die überwiegende Zahl der Toten und Infektionen wurden aus der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina gemeldet. Am Wochenende besuchte ein Team der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit chinesischen Kollegen die Provinzhauptstadt Wuhan.

Mehr zum Thema: Duisburg ist nicht nur Endpunkt der neuen Seidenstraße, sondern auch Partnerstadt von Wuhan, dem Zentrum der Coronavirus-Epidemie. Nun fürchtet die Stadt, dass sich das Virus überträgt – und die Wirtschaft lähmt.

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