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Anlagebetrug Wenn Anleger Verleumdern folgen - erst twittern, dann zittern

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Die Zeit zum Überprüfen fehlt

Tatsächlich hatte Markus nur ein Gastsemester in Harvard verbracht. Aurelius spricht von einer missverständlichen englischen Übersetzung des Lebenslaufs, die inzwischen geändert worden sei. Für die Aktionäre war der Konflikt alles andere als lustig. Binnen weniger Tage löste sich fast eine Milliarde Euro Börsenwert in Luft auf.

Der Ausverkauf wurde von heftigem Gewitter in den sozialen Medien begleitet. Die Anzahl der Meldungen zu Aurelius sprang Ende März auf rund 600. Die BaFin prüft, ob es Belege für Marktmanipulation gibt.

Bereits im vergangenen Jahr wurde das deutsche Unternehmen Ströer Opfer eines Angriffs des Hedgefonds Muddy Waters. Der Spekulant zweifelte die Glaubwürdigkeit von Aufsichtsrat Dirk Ströer an.

Kurs soziales Netzwerk Cynk (in Dollar). Für eine vollständige Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Ströer, so Muddy Waters, soll Aktien im Wert von 30 Millionen Euro verkauft haben, obwohl das Unternehmen weitere Verkäufe von Insidern ausgeschlossen habe.

Das Unternehmen äußert sich nicht direkt zum Aktienverkauf. Dirk Ströer habe als Sohn des Gründers keinen Einfluss aufs operative Geschäft. Der Tweet von Muddy Waters sei nach Abschluss der Wetten auf fallende Kurse verbreitet worden. Der negative Bericht sowie der Verkauf geliehener Aktien hätten den Kurs gedrückt.

Weil mittlerweile auch automatische Handelssysteme Informationen aus den sozialen Medien auswerten, können Meldungen innerhalb von Sekunden eine Vielzahl von Aktiengeschäften auslösen. Entpuppt sich eine Meldung als Falschmeldung, haben die Spekulanten in der Zwischenzeit längst ihren Schnitt gemacht.

Wie simpel das geht, zeigt ein Beispiel aus Frankreich. Im November 2016 brachten Betrüger eine gefälschte Pressemitteilung des französischen Baukonzerns Vinci in Umlauf. Darin stand, Vinci habe seinen Finanzvorstand gefeuert. Binnen weniger Minuten brach die Aktie um 18 Prozent ein. Als Vinci die Meldung kurz danach dementierte, erholte sich der Kurs schnell.

Nicht nur Shortseller, auch Aktienpusher beherrschen das Spiel. Sie pumpen die Kurse wertloser Aktien mit Jubelmeldungen über Facebook, Twitter und Co. auf. Ist der Kurs oben, steigen sie aus, die Aktien brechen ein. Diese Masche wird Pump & Dump genannt (Aufpumpen und Verschleudern). Bevorzugtes Revier der Betrüger sind Trendthemen wie Marihuana, Seltene Erden oder soziale Netzwerke.

Am 17. Juni 2014 reichte eine Kaskade von Twitter-Meldungen, um den Kurs des Social-Media-Unternehmens Cynk an einem Tag um mehrere Tausend Prozent hochzutreiben. Ein Twitter-Nutzer aus den USA kommentierte das treffend:

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