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Anlagebetrug Wenn Anleger Verleumdern folgen - erst twittern, dann zittern

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Nur eine leere Hülle

Zeitweise war Cynk mehr wert als das Bruttoinlandsprodukt von Belize, dem Firmensitz. Am 11. Juli 2014 nahm die US-Börsenaufsicht SEC die Aktie aus dem Handel. Cynk war wohl nur eine leere Hülle. Die Adresse in Belize existierte jedenfalls nicht.

Das Aufpumpen von Cent-Aktien wird im Internet oft von Promotern gegen Bezahlung gesteuert. In jüngster Zeit wurden zum Beispiel Lithium-Aktien gehypt. Lithium gehört zu den Seltenen Erden und wird zum Bau von Batterien für Handys und Elektroautos benötigt. Schon 2013 hatte die US-Börsenaufsicht SEC wegen Manipulationsverdacht mehrfach in den Handel mit Lithium-Aktien eingegriffen. Viele zweifelhafte Aktien waren nur noch wenige Cent wert.

Jetzt, da der Bedarf an Lithium wieder steigt, erleben diese Zombie-Aktien ein Comeback – auch dank PR aus den sozialen Medien. Beispiel: Für das kanadische Unternehmen Southern Lithium Corp etwa wurde Anfang Mai bei Twitter kräftig getrommelt: Die Botschaft „Southern Lithium erwirbt zusätzliche Schürfrechte“ wurde vielfach geteilt. Doch schon am 15. Mai warnte die BaFin vor Kaufempfehlungen für Southern Lithium. Sie enthielten „unrichtige und irreführende“ Angaben. Southern Lithium meldete bisher keine nennenswerten Umsätze und schrieb rote Zahlen.

Besonders eifrig wird auch für Marihuana-Aktien getrommelt. Auf Twitter werben Branchendienste wie Cannabis Biz News oder Marijuana Observer, aber auch reihenweise anonyme Nutzer. Im Fokus stehen einige umstrittene Aktien, darunter CV Sciences. Vorstandschef Michael Mona soll den Börsenwert des Unternehmens manipuliert haben, wie die SEC im Juni mitteilte. Mona war der erste Marihuana-Milliardär, nachdem einige US-Bundesstaaten den kommerziellen Anbau von 2014 an erlaubt hatten.

Bereits im März verurteilte die SEC Vincent Mehdizadeh, Chef des kalifornischen Marihuana-Unternehmens Medbox, zu zwölf Millionen Dollar Geldstrafe, weil er Umsätze gefälscht hatte. Der Medbox-Chef soll auch 630.000 Dollar abgezweigt haben, um eine Luxusimmobilie in Los Angeles zu kaufen. Bei Twitter hielt das Unternehmen Anleger mit Meldungen über den medizinischen Nutzen von Marihuana bei Laune. Mit Erfolg: Der Kurs stieg von 2012 bis 2014 von 1,25 auf 102 Dollar.

Am 18. Februar 2014 polterte Andrew Left von Citron Research über Medbox: „Die Aktie ist wertlos.“ Und schob großspurig nach: „Citron hat mehr Betrügereien von Unternehmen aufgedeckt als jede andere Quelle an der Wall Street.“

Left liebt Trophäen. In seinem Büro stehen Zigarrenkisten der Pleitefirmen Enron und Madoff. Er ist wohl auch so erfolgreich, weil er die dunkle Seite der Börse kennt. So wurde er 1998 von der National Futures Association (NFA) abgemahnt, weil er mit falschen Informationen über riskante Rohstoffwetten Kunden betrogen haben soll. Die NFA schränkte seine Lizenz ein und schickte ihn zu einem Training für ethisches Verhalten.

Im Fall Medbox lag Left jedoch richtig. Als der Schwindel von Vincent Mehdizadeh aufflog, stürzte die Aktie auf zwei Cent ab.

Derzeit schießt Left das britische Pharmaunternehmen Mallinckrodt an. Nicht nur diese Aktie werde auf null fallen, warnt er. Ob das nur Wunschdenken ist, bleibt offen.

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