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Anlagestrategie „Frauen hassen das Risiko noch mehr als Männer“

Eine repräsentative Umfrage zeigt: Frauen scheuen das Risiko stärker als Männer. Ansonsten denken die Geschlechter beim Thema Geldanlage ähnlich.

Abgesehen von der unterschiedlichen Risikoneigung verhalten sich Mann und Frau beim Thema Geldanlage nahezu gleich. Quelle: dpa

FrankfurtDass Frauen und Männer unterschiedlich drauf sind, liegt bekanntlich am typisch unterschiedlich hohen Testosteron-Gehalt im Blut. Und das könnte sich auch auf das Thema Geldanlage auswirken. Auf Studien, die hormonelle Unterschiede und deren Einfluss auf die Risikobereitschaft von Männern und Frauen feststellen, verweist zumindest Finanzprofessor Martin Weber von der Universität Mannheim.

Denn Frauen sind seiner neuen Untersuchung zufolge weniger bereit, finanzielle Risiken einzugehen. Drei Viertel der Frauen unter gut 9000 befragten Menschen lehnen demnach jegliche finanziellen Risiken ab, aber nur knapp zwei Drittel der Männer.

„Frauen hassen das Risiko noch mehr als Männer“, resümierte Weber auf einer Veranstaltung in Frankfurt. Die Folge laut der repräsentative Umfrage der Bundesbank, die der Ökonom im Forschungsinstitut ZEW für die Direktbank ING Diba ausgewertet hat: Die per se vorsichtigeren Frauen legen das Geld der Familie noch seltener in Wertpapiere oder Fonds an als Männer. Gerade mal 15 Prozent der Frauen stecken ihr Kapital in Fonds, Anleihen, Aktien oder Zertifikate. Unter Männern sind es 22 Prozent.

Und wenn Frauen am Kapitalmarkt investieren, legen sie das Geld eher breiter an - eher in Fonds als in einzelne Aktien. So haben 11 Prozent der befragten Frauen das Kapital ihres Haushalts in Fonds angelegt, nur 7 Prozent in Aktien und vier Prozent in Anleihen.

Frauen eröffnen seltener ein Wertpapierdepot

Bei den Männern sind es mit 12 Prozent über die Hälfte mehr, die Aktien kaufen. 15 Prozent halten Fonds, fünf Prozent Anleihen. Auch Martin Schmidberger, Generalbevollmächtigter der ING Diba, stellt fest, dass Frauen seltener ein Wertpapier-Depot eröffnen als Männer: Unter den 6,5 Millionen Tagesgeldkunden der Direktbank besitzen mit 12 Prozent halb so viele Frauen ein Wertpapier-Depot wie Männer.

Die Untersuchung untermauert die immer wieder geäußerte Kritik, dass beide Geschlechter zu wenig ihres Finanzvermögens in Anlagen mit längerfristig höheren Renditechancen investieren. Stattdessen lassen sie zu viel Geld auf Konten liegen, wo es im Zinstief nach Abzug von Inflation abschmilzt.

Die Befragung räumt aber auch auf mit der Diskussion darum, wie geschlechtsspezifisch das Thema Geldanlage eigentlich ist: Denn abgesehen von der unterschiedlichen Risikoneigung verhalten sich Mann und Frau demnach beim Thema Geldanlage nahezu gleich. Je älter die Menschen, desto weniger risikofreudig sind sie.

Zugleich gehen sie eher ein finanzielles Risiko ein, je höher das Einkommen. So sagten 69 Prozent der Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 2000 Euro im Monat, dass sie nicht zu finanziellen Risiken bereit seien.

Bei den über 65 Jährigen lehnen bereits 88 Prozent der Frauen finanzielle Risiken ab. Bei einem Haushaltseinkommen von über 4000 Euro im Monat, war es noch gut die Hälfte der Jüngeren und knapp zwei Drittel der Älteren, die extrem risikoscheu sind.

Ob es nun an geringerem Testosteron im Blut liegt oder nicht: Frauen sind offenbar generell etwas vorsichtiger als Männer – auch in Sachen Finanzen. Doch auch sie wollen beim Geld anlegen verdienen, möglichst ohne die Gefahr, das Ersparte zu verlieren – nicht mehr und nicht weniger.

Interessant ist die Schlussfolgerung der ING Diba: Die Direktbank verzichtet auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Ansprache ihrer Kunden: „Wir machen keine Rosa-Blau-Kommunikation“, sagte Schmidberger. Vielmehr will sich die Bank auf das Risikoempfinden der Kunden konzentrieren.

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