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Anleihe Zamek könnte Anlegern die Suppe versalzen

Die Anleihe von Zamek ging weg wie warme Semmeln. Anleger des Suppenherstellers könnten allerdings einiges auszulöffeln haben.

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Einige Zamek-Prdukte Quelle: PR

Der Appetit der Anleger war gewaltig. Als der Suppenhersteller Zamek im Mai seine Anleihe servierte, da schlugen sie zu, als ob es seit Wochen nichts zu essen gegeben hätte. 7,75 Prozent Zinsen pro Jahr dufteten ja auch unwiderstehlich. Noch am ersten Zeichnungstag beendete die Günther Zamek Produktions- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG die Ausgabe, um zehn Uhr morgens war das Papier überzeichnet – und die erhofften 35 Millionen Euro hereingeholt.

Doch den Anlegern wurde eine riskante Wette aufgetischt. Im operativen Geschäft kämpft Zamek seit Jahren mit Schwierigkeiten, die Einnahmen aus dem Suppenverkauf reichen kaum aus, um die Kosten zu decken. Mit dem Geld aus der Anleihe wollen die Geschäftsführer nun kräftig expandieren. Sie sind zum Erfolg verdammt: Nur wenn die ambitionierten Pläne aufgehen, kann Zamek die Traumzinsen auch erwirtschaften.

Die Produkte der Düsseldorfer stehen in fast jeder Küche. Zamek produziert Suppen und Soßen, Brühe, Würze, Fix-Gerichte. Verkauft unter den eigenen Marken "Zamek" und "Dr. Lange", vor allem aber unter zahlreichen Vertriebsnamen für Discounter und Supermärkte. Die Familie Zamek hält alle Anteile. Bernhard Zamek, der Enkel des Firmengründers, ist Chef des Beirats, seine Frau Petra führt gemeinsam mit dem externen Manager Michael Krüger die Geschäfte. Allerdings ist Zamek weder ein beschaulicher Familienbetrieb noch ein glänzend aufgestellter Mittelständler.

Diese Zahlen lügen nicht

Umsatz ist seit Jahren rückläufig

2,3 Millionen Euro an Zinsen muss Zamek den Zeichnern der Anleihe künftig jedes Jahr zahlen. Obendrein noch Rücklagen aufbauen, sollte in fünf Jahren eine Refinanzierung der Anleihe nicht klappen. Dann wollen die Investoren ihr Geld zurück. Dabei ist der Umsatz seit Jahren rückläufig. Im Geschäftsjahr 2010/11 machte der Familienbetrieb 79 Millionen Euro Umsatz, drei Jahre zuvor waren es noch 15 Millionen mehr. Hängen blieb im Kerngeschäft zuletzt ohnehin kaum etwas. Nur dank außerordentlicher Erlöse wegen einer gewonnenen Klage schrieb Zamek 2010/11 keinen Verlust, im Jahr zuvor schaffte es der Suppenfabrikant – Sondererlöse herausgerechnet – gerade so über die Nulllinie. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2011/12 schlug nun ein Defizit von 1,5 Millionen Euro zu Buche. Zudem stiegen die Nettoschulden binnen 18 Monaten stark an, von 10 auf 16 Millionen.

Mit der Anleihe will Zamek die Wende finanzieren. 15 Millionen Euro alte Schulden sollen abbezahlt, 17 Millionen in neues Wachstum investiert werden. Trocken-Hackfleisch für Deutschland, Fisch-Fertigsuppe für Portugal und Brühwürfel-Boxen für Frankreich sind die Hoffnungsträger.

In den Boxen steckt nichts anderes als ganz normale Brühwürfel, dafür aber mit revolutionärer Verpackung. "In Frankreich haben unsere Klick-Boxen den ganzen Markt durchgewirbelt", schwärmt Krüger, in Deutschland sollen sie bald folgen.

Mitarbeiter sind verstimmt

Die größten Lebensmittelhersteller der Welt
Das Ranking der größten Lebensmittel-ProduzentenPlatz 10: Smithfield FoodsSitz: Virginia, USA Umsatz 2010: 9,3 Milliarden US-Dollar Mitarbeiter: 48.000 Die bekanntesten Marken: Aoste Wurstwaren, Weight Watchers (gekochte Fleischprodukte), Yano, Constar Quelle: dapd
Mars Inc.Umsatz: 33 Mrd. Dollar Werbeausgaben: 2,2 Mrd. Dollar Gewinn: k. A. Angestellte: 60.000 Sitz: McLean, Virginia Bekannte Marken: Mars, Snickers, Twix, Chappi-Hundefutter, Uncle Ben’s Reisprodukte, Pedigree-Hundefutter Quelle: dpa
Platz 8: JBS (USA)  Sitz: Greeley, ColoradoUmsatz 2010: 13,1 Milliarden US-Dollar Mitarbeiter: 120.000 Die bekanntesten Marken: Swift Rindfleischwareen, American Reserve, Pilgrim’s  
General Mills Inc.Umsatz: 17,9 Mrd. Dollar Werbeausgaben: 1,1 Mrd. Dollar Gewinn: 1,8 Mrd. Dollar Mitarbeiter: 43.000 Sitz: Golden Valley, Minnesota Bekannte Marken: Häagen-Dazs Eiscreme, Knack & Back – Brötchen- und Croissantsteig aus dem Kühlregal zum selbst aufbacken, Old El Paso   Quelle: AP
Platz 6: Dean Foods - Milchprodukte  Sitz: Dallas, Texas, USA Umsatz 2010: 12,1 Milliarden Mitarbeiter: 25.585 Die bekanntesten Marken: Alpro Soya-Sojaprodukte, Creamland, Mayfield, Swiss-Tee
Platz 5: Anheuser-Busch – Bier  Sitz: Löwen, Belgien Umsatz 2010: 15,5 Milliarden US-Dollar Mitarbeiter: 120.000 Die bekanntesten Marken: Biermarken Beck’s, Diebels, Hasseröder, Budweiser Quelle: AP
Pepsico Inc.Umsatz: 66,4 Mrd. Dollar Werbeausgaben: 2,5 Mrd. Dollar Gewinn: 6,7 Mrd. Dollar Angestellte: 274.000 Sitz: New York Bekannte Marken: Pepsi, Mountain Dew, 7Up Quelle: dapd

Insgesamt „zehn Millionen Euro Umsatzplus“ verspricht sich Krüger für das gerade begonnene Geschäftsjahr 2012/13 von neu entwickelten Produkten.

Die Schweizer Vermar AG glaubt offenbar nicht an dieses Wachstumskonzept. Dank der eingesammelten Anleihegelder war reichlich Liquidität vorhanden, als die Vermar AG zum 30. Juni 2012 ihre stille Beteiligung bei Zamek kündigen konnte. Sie nutzte die Gunst der Stunde, drei Millionen Euro aus dem Anleiheerlös flossen direkt weiter nach Zürich.

Die Mitarbeiter haben ebenfalls ein Auge auf die gefüllten Geldtöpfe geworfen. 2009 hatten sie einem Sanierungstarifvertrag zugestimmt, jetzt sind sie ziemlich verstimmt. Die Mitarbeiter wollen mehr verdienen, fordern ihren Anteil an den Anleiheerlösen. Seit Juni läuft offiziell ein Streik, an bisher acht Tagen haben sie die Arbeit niedergelegt.

Zameks riskieren Dauer-Zwist mit der Belegschaft

"Die hohe Verzinsung der Anleihe wird in der Belegschaft bitterböse gesehen", sagt Betriebsratschef Marian Demmer. Als das Unternehmen in die Krise geriet, hätten die Mitarbeiter auf Geld und Urlaubstage verzichtet, um Zamek zu helfen, „und jetzt sollen auf ihre Kosten die Anleihezinsen erwirtschaftet werden“. Nachdem der Sanierungstarifvertrag Ende 2011 ausgelaufen war, sollte ab 2012 wieder der Branchentarifvertrag gelten. Doch Zamek trat kurzerhand aus der Tarifgemeinschaft aus.

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Überhaupt reagierten die Zameks ziemlich undiplomatisch und riskieren damit einen Dauer-Zwist mit der Belegschaft. Sie verhängten Hausverbote gegen Gewerkschaftsvertreter und mussten diese wieder lockern. Sie kündigten Demmer und seinem Stellvertreter, der Betriebsrat kassierte die Kündigungen wieder. Auch vergangene Woche wurde gestreikt. Die Streiks schränken die Produktion ein, auch wenn Krüger betont: "Alle Lieferungen, die notwendig waren, haben wir ausliefern können."

Wenigstens vom dauer-kriselnden Eishockey-Club Düsseldorfer EG kommen derzeit keine Hiobsbotschaften. Der Club, an dem Zamek mit gut zwölf Prozent beteiligt ist, spielt auch in der kommenden Saison erstklassig. Er bekam eine Finanzspritze aus der Stadtkasse – und sammelte reichlich neues Sponsorengeld ein.

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