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Anleihemärkte Hochverschuldete Unternehmen säen die nächste Krise

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Kreditversicherern droht die Pleite

Der Kredithebel, mit dem Investoren in CLOs investieren, ist beträchtlich. Auf einen Dollar Eigenkapital, den etwa Hedgefonds in die CLOs investieren, geben die Banken zusätzlich acht bis neun Dollar Kredit. Dabei winken den Hedgefonds Renditen von bis zu acht Prozent auf das Eigenkapital. Banken holen sich Risiken, die sie auf Druck der Regulierer loswerden wollen, durch die Hintertür wieder herein: Über CLOs können sie Kreditforderungen, die mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, aus ihren Bilanzen verbannen. Aber über die Kreditvergabe an Hedgefonds kehren die Risiken im Falle einer Kreditkrise wieder zu den Banken zurück.

Mit welchen Maßnahmen Regierungen und Notenbanken Sparer attackieren können
Instrument: NiedrigzinsAusgestaltung: Notenbank kauft (über Banken, die günstig Geld bekommen) Staatsanleihen; Notenbank hält Leitzinsen unten negativ betroffen wären/sind: Konten, Anleihen, Lebensversicherung, Betriebsrenten, Versorgungswerke Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft bereits; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: Inflation frisst Zinsen; Sparen lohnt sich kaum; ••••∘ Vorteil für Staaten: niedrige Zinslast auf eigene Schulden historische Vorbilder: USA • = unwahrscheinlich/ sehr niedrige Einbußen; ••••• = so gut wie sicher/ sehr hohe Einbußen Quelle: dpa
Instrument: Inflation zulassenAusgestaltung: Notenbanken schöpfen weiter Geld; Bürger verlieren Vertrauen; Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt negativ betroffen wären/sind: Bargeld, Konten, Anleihen, Lebensversicherung Eintrittswahrscheinlichkeit: aktuell gering; langfristig wahrscheinlich; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Hohe Inflation kann sämtliche Geldvermögen entwerten; ••••• Vorteil für Staaten: Schulden werden nicht auf dem Papier, aber real drastisch verringert historische Vorbilder: Deutschland 1923; Frankreich 18. Jahrhundert; Zimbabwe 2009 Quelle: dpa
Instrument: NegativzinsAusgestaltung: Notenbank setzt negativen Leitzins fest; Banken legen negative Zinsen auf die Guthaben von Sparern um oder verteuern Gebühren/Kredite negativ betroffen wären/sind: Konten Eintrittswahrscheinlichkeit: ist bereits in der Diskussion; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Erspartes leidet nominal durch Negativzinsen und real durch Inflation ••••∘ Vorteil für Staaten: höheres Wachstum durch ausgeweitete Kreditvergabe erhofft historische Vorbilder: Schweiz 1964, 1970er; Schweden; Dänemark Quelle: dpa
Instrument: VermögensabgabeAusgestaltung: Staat schneidet sich von allen Vermögenswerten einmalig ein Stück ab negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: je reicher desto härter; ••••∘ Vorteil für Staaten: kann Schulden sofort drastisch senken historische Vorbilder: Deutschland 1918/19, 1952 Quelle: dpa
Instrument: ZwangsanleiheAusgestaltung: Staat zwingt Bürger, einen Teil ihres Vermögens in Staatsanleihen zu packen; wird (teilweise) zurückgezahlt negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: hängt von Rückzahlungen ab; •••∘∘ Vorteil für Staaten: verschafft Spielraum bis zum Rückzahlungsdatum historische Vorbilder: Deutschland 1914, 1922/23 Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Vermögensteuer, zum Beispiel ein Prozent auf steuerpflichtiges Vermögen (nach Abzug von Freibeträgen) negativ betroffen wären/sind: Vermögen generell Eintrittswahrscheinlichkeit: politische Forderung; ••••∘ wie gefährlich für das Vermögen?: für Vermögende; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland, wurde 1997 abgeschafft Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Transaktionsteuer von 0,1 Prozent auf Aktien und Anleihen und 0,01 Prozent auf Derivate; fällig für jedes Geschäft negativ betroffen wären/sind: Aktien, Anleihen, Derivate; indirekt auch Fonds und Lebensversicherungen Eintrittswahrscheinlichkeit: politisch herrscht Konsens; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: drückt auch Rendite von Fonds und Versicherungen; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland 1881–1991; Schweden 1985–1992 Quelle: dpa

Vor einer neuen Bankenkrise in den USA warnt gar das Office of the Comptroller of the Currency (OCC). Die Aufsichtsbehörde für das US-Bankensystem geht dabei auf Kollisionskurs mit der US-Notenbank, wenn sie warnt, US-Banken gingen wieder dieselben großen Risiken ein, die bereits die Finanzkrise von 2008 ausgelöst haben. Der Bericht des OCC verweist auf die extrem niedrigen Schwankungen (Volatilitäten) an den Aktien- und Anleihemärkten, die Resultat der extrem expansiven Geldpolitik seien. Die niedrigen Volatilitäten beeinflussten die Risikomodelle der Banken, weil Risiken nicht mehr richtig abgebildet würden. Zudem sorge die Tiefzinspolitik für geringere Erträge im klassischen Zinsgeschäft, weshalb Banken wieder in riskantere Geschäfte gedrängt würden.

Fondsanleger im Risiko

Auch die milliardenschweren Anleihefonds werden in riskantere Geschäfte getrieben. Die Jagd nach Rendite hat liquides Kapital, das früher meist in Geldmarktfonds geparkt wurde, verstärkt in Fonds getrieben, die in langfristige Staats- und Unternehmensanleihen investieren. Deren Volumen verdoppelte sich in den USA zwischen 2008 und 2013 auf gut 7.000 Milliarden Dollar. Einige dieser Megafonds haben zudem stark in Junk-Bonds investiert. Billionen Dollar, die täglich abgezogen werden dürfen, steckten im Fall einer Krise fest, wenn die Fonds Gelder nicht ausbezahlen können. Das von diesen Megafonds ausgehende Systemrisiko sei beträchtlich, meint sogar das US-Schatzamt.

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Außerhalb der USA geht ein weiteres Systemrisiko durch Unternehmensschulden von China aus. Dort rollt gerade eine Pleitewelle an. Kleine und mittlere Unternehmen können sich in China meist nur im Schattenbankensystem Geld beschaffen, über Fonds mit Privatanlegergeldern oder mithilfe von unregulierten Kreditversicherern. Die zunehmende Zahl von Unternehmenspleiten treibt nun verstärkt auch diese Kreditversicherer in die Pleite. Das erinnert an die Pleiten der US-Anleiheversicherer Ambac und MBIA während der US-Immobilienkrise.

Ende 2013 hatten chinesische Unternehmen einen Schuldenberg von 14.200 Milliarden Dollar aufgetürmt. Die Ratingagentur Standard & Poor’s warnt, dass etwa 4.000 bis 5.000 Milliarden Dollar den Risiken des chinesischen Schattenbankensystems ausgesetzt sind. Das allein wären schon zehn Prozent aller weltweit ausstehenden Unternehmensschulden.

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