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Anleihen, Aktien, Fonds Die Anlagetipps der Woche

Warum Investoren mit der HP-Anleihe hohe Währungsgewinne winken oder sich die Aktie des italienischen Ölkonzerns Eni lohnen könnte. Aktien, Anleihen und Fonds für die private Geldanlage.

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HP-Logo im Grünen Quelle: AP

Anleihetipp - Hewlett-Packard: Währung spielen

Die Interventionen der EZB zugunsten der Krisenländer haben dem Euro zu einer künstlichen Stärke verholfen. Gegenüber dem Dollar wertete die europäische Einheitswährung seit Ende Juli 2012 von 1,2043 Dollar auf zuletzt 1,3404 Dollar auf. Die aktuelle Euro-Scheinblüte können mutige Investoren zum Kauf von Anleihen nutzen, die auf Dollar lauten – etwa Papiere des weltgrößten PC-Herstellers Hewlett-Packard. Der steckt zwar in einer tiefen Krise, aber die schwierige Situation ist bekannt. Das PC- und Druckergeschäft stagniert, die Margen schrumpfen. Erschwerend hinzu kamen 2012 Milliarden Dollar schwere Abschreibungen in der Servicesparte und auf das 2011 übernommene Softwarehaus Autonomy.

10 Tipps für Börseneinsteiger

Richtig ist, dass bereits mehr Smartphones und Tablets verkauft werden als Desktop-Computer und Notebooks. Die Post-PC-Ära ist eingeläutet. Doch das bedeutet nicht das sofortige Aus des PCs – und auch nicht das Ende von HP. Immerhin hielt HP im Schlussquartal die Verkaufszahlen stabil und gewann in einem schrumpfenden Markt Marktanteile hinzu. Die einstige Tech-Ikone wird während der Laufzeit der Anleihe, trotz Nettofinanzschulden von 17,5 Milliarden Dollar, den Schuldendienst kaum einstellen. Analysten rechnen für 2013 noch mit freien Mittelzuflüssen von 5,2 Milliarden Dollar.

Anleihe-Info: Hewlett-Packard
Kurs (in Prozent)98,27
Kupon (in Prozent) 2,6
Rendite (in Prozent) 3,00
Laufzeit bis 15. September 2017
WährungDollar
ISINUS428236BW26

Natürlich ist auch der Dollar auf lange Sicht keine unbedingt erstrebenswerte Anlagewährung. Doch der Greenback würde über einen gewissen Zeitraum als Fluchtwährung profitieren, wenn Kapital aus der Euro-Zone flüchtete. Damit ist früher oder später zu rechnen. Dann nämlich, wenn die europäischen Anleihe- und Aktienmärkte, die derzeit an das Ende der Euro-Krise glauben, erkennen, dass keine nennenswerte wirtschaftliche Erholung in den europäischen Krisenländern einsetzt, sondern sich die Situation eher noch verschlimmert – auch durch die aktuelle Stärke des Euro. Und weil Deutschland über seine Garantieversprechen inzwischen so tief mit im europäischen Schuldensumpf sitzt, wird die nächste Fluchtwelle von Kapital aus der Peripherie nicht nach Deutschland schwappen, das Kapital also innerhalb der Euro-Zone bleiben, sondern die Euro-Zone ganz verlassen. Das wird den Euro massiv schwächen und den Dollar als Fluchtwährung aufwerten. Die EZB wird natürlich versuchen, die Krise mit noch mehr Liquidität zu bekämpfen, damit aber den Absturz des Euro noch verstärken.

Für Investoren winken mit der HP-Anleihe auf Sicht von zwei Jahren hohe Währungsgewinne, die die Rendite in Euro spürbar aufbessern sollten.

Aktientipp - Eni: Wachstum aus Libyen und Kasachstan

Kursverlauf der Eni-Aktie

Die Aktie des italienischen Öl- und Gaskonzerns ist dabei, einen seit gut vier Jahren gültigen Kurswiderstand bei knapp 19 Euro nach oben zu überwinden. Als Katalysator wirkt offenbar der eingeleitete Verkauf von Beteiligungen, der zugleich zu einem spürbaren Abbau der Verschuldung führen sollte. Ende 2011 erreichten die Nettofinanzschulden des an der Börse mit 75 Milliarden Euro bewerteten Ölkonzerns fast 30 Milliarden Euro. Die Konglomeratstruktur und die hohe Verschuldung wurden von Analysten in der Vergangenheit immer als Grund genannt, warum Eni gegenüber anderen integrierten Ölmultis mit einem Bewertungsabschlag gehandelt wurde.

Welche Aktien und Aktienfonds jetzt noch Chancen bieten

Ganz freiwillig startete das Eni-Management freilich nicht mit der Entflechtung des Konzerns. Den Anstoß gab die italienische Regierung mit der Anordnung zum Verkauf der Beteiligung am Gasnetzbetreiber Snam, aus dem sich Eni bis 2014 komplett zurückziehen muss. Den ursprünglichen Anteil von 53 Prozent reduzierte Eni inzwischen auf gut 20 Prozent – Marktwert: 2,42 Milliarden Euro. Abgebaut hat Eni auch den Anteil am portugiesischen Öl- und Erdgaskonzern Galp Energía. Die Beteiligung verringerte sich von 28,3 auf 24,3 Prozent – Marktwert: 2,48 Milliarden Euro. Mit 5,84 Milliarden Euro bewertet die Börse das Eni-Paket (42,9 Prozent) am größten europäischen Ölservicekonzern Saipem. Auch diese milliardenschwere Beteiligung könnte auf den Prüfstand kommen.

Welche Krisenstaaten 2013 das meiste Geld brauchen
Es war das Geschenk für Griechenland zum neuen Jahr: Am 18. Dezember hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Griechenland gleich um sechs Stufen auf das Level B- angehoben, Aussicht: stabil. Dank der neuen Pro-Griechenland-Haltung der Europäischen Union glaubt die Agentur nicht länger an einen "teilweisen Kreditausfall" des Landes. Der Schuldenberg des kleinen Mittelmeerlandes ist allerdings weiterhin erdrückend. Allein 290 Milliarden Euro, etwa das 1,5-fache Bruttoinlandsprodukt, schuldet der Staat Investoren in aller Welt. 2012 gab das Land Staatsanleihen im Volumen von rund 93 Milliarden Euro aus. Fällig werden 2013 allerdings nur 28,5 Milliarden und auch in den nächsten Jahren belaufen sich Rückzahlungen in kleinerem Rahmen. Interessant wird es erst 2017: Binnen einem Jahr muss Griechenland dann Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro ablösen. Sollte das Rating Griechenlands allerdings tatsächlich längerfristig auf dem jetzigen Niveau bleiben, stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Land weniger auf EU-Hilfen angewiesen sein wird und sich verstärkt über den Kapitalmarkt refinanzieren kann. Quelle: dapd
Geld ist schön, weil es eine Befreiung bedeutet, wusste der Portugiesische Nationaldichter Fernando Pessoa bereits in den 1920er-Jahren. Das Elf-Millionen-Land am Rande Europas wartet tatsächlich auf eine Befreiung. Gegenwärtig lasten gewaltige Schulden auf seinen Schultern. 2011 erhielt Portugal rund 80 Milliarden Euro Hilfe aus dem europäischen Rettungsschirm, die Ratingagentur Moody's stufte das Land im Februar 2012 auf das Niveau Ba3 herab. Portugiesische Staatanleihen waren fortan "spekulativ". Insgesamt hält Portugal derzeit über 200 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten aus Staatspapieren, das sind knapp 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 13,7 Milliarden neuer Anleihen kamen 2012 hinzu. Dagegen werden 2013 Staatspapiere in Höhe von rund 19,6 Milliarden Euro fällig. Dabei ist der September der kritische Monat: Dann muss Portugal auf einen Schlag sechs Milliarden Euro an Investoren zurückzahlen. Quelle: dapd
Ryanair ist trotz mancher kleineren Panne eines der erfolgreichsten Unternehmen, das Irland derzeit hat. Wann wird sich das einstige Vorzeigeland Europas, das als erstes europäische Finanzhilfe in Anspruch nahm, wieder aufrappeln können? Gegenwärtig sind die Schulden weiter bedrohlich, bereits seit Ende 2011 rangiert Irland bei Moody's unter "spekalutive Anlage" (Rating Ba1). Konkret fallen Irland allein aus Staatspapieren rund 172 Milliarden Euro Verbindlichkeiten an und übersteigen damit das Bruttoinlandsprodukt, das 2012 bei rund 162 Milliarden Euro lag. Nur 9,5 Milliarden Euro konnte sich das Land 2012 von Investoren leihen. 6,1 Milliarden Euro muss es im nächsten Jahr refinanzieren. Quelle: dpa
Auch Spanien kämpft mit den Auswirkungen der Krise. Im Juni 2012 schlüpfte das Land nach längerem Zögern unter den europäischen Rettungsschirm. Die EU sicherte 100 Milliarden Euro Garantien für notleidende Banken zu. Die Regierung unter dem konservativen Mariano Rajoy setzte fortan auf harsche Sparmaßnahmen etwa im Gesundheitssektor. Rund 940 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten in Form von Staatspapieren hält Spanien, rund 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Knapp 100 Milliarden neue Schulden konnte das Land dabei 2012 aufnehmen, 151 Milliarden muss es in 2013 refinanzieren. Wie teuer das wird, ist noch ungewiss. Im Oktober hatte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit spanischer Staatspapiere als "durchschnittlich gute Anlage" (Baa3) bestätigt. Quelle: dapd
Fast wäre Italien im vergangenen Jahr unter der Schuldenlast zusammengebrochen. Dank der Technokratenregierung unter Führung des Wirtschaftsprofessors Mario Monti konnte das Land das Schlimmste abwenden, ging Reformen an und erlangte das Vertrauen der Investoren zum Großteil zurück: Für zehnjährige Staatsanleihen sank der Zins von mehr als sieben zwischenzeitlich auf 4,5 Prozent. Bei der letzten Auktion Ende des Jahres lag er wieder bei 5,5 Prozent. Trotz allen Reformeifers steckt das Land finanziell weiter in der Schlinge. Italien hält insgesamt 2,13 Billionen Euro Schulden in Staatspapieren, 291 Milliarden kamen allein 2012 hinzu. Ein wenig mehr, rund 312 Milliarden Euro, werden 2013 fällig und müssen refinanziert werden. Der größte Brocken, rund 25 Milliarden Euro, fällt im August an. Es wäre Italien zu wünschen, dass Monti auch nach den Wahlen im Februar weiterregieren und Italien auf Wachstumskurs trimmen kann. Dann vielleicht könnten die führenden Ratingagenturen Italien wieder bessere Kreditwürdigkeit zusichern. Moody's hatte Italien zuletzt im Juli 2012 auf das Niveau Baa2 herabgestuft, mit damals noch negativen Aussichten. Moody's fürchtete vor allem das fehlende Vertrauen der Märkte und eine Negativspirale, sollten andere Krisenstaaten weitere EU-Hilfen beantragen oder Griechenland aus der Währungsunion ausscheiden. Quelle: dpa
Belgien steht in Europa vor allem für zwei Dinge. Innenpolitisch dringt hin und wieder der Streit zwischen Politikern aus dem flämischen und wallonischen Landesteil an die Öffentlichkeit, der stets die Regierungsbildung erschwert. Aus europäischer Sicht ist Brüssel der zentrale Treffpunkt der Diplomatie und Sitz der Europäischen Kommission. Doch wie steht es um die Schulden des Landes? Die laufenden Staatsanleihen übertreffen mit einem Volumen von 440 Milliarden Euro das Bruttoinlandsprodukt um 17 Prozent. Voraussichtlich ein ähnlich großes Volumen an neuen Staatsanleihen wie 2012 muss Belgien in diesem Jahr emittieren, um die gut 60 Milliarden Euro Verbindlichkeiten aus Staatspapieren zu bedienen, die 2013 fällig werden. Im März muss das Königreich rund 16 Milliarden, im September 18 Milliarden Euro refinanzieren. Die Ratingagentur Moody's hatte die Kreditwürdigkeit Belgiens bereits Ende 2011 auf Aa3 herabgestuft, belgische Papiere gelten demnach weiterhin als sicher. Doch zweifelt Moody's langfristig am Wachstumspotenzial des kleinen Königsreichs. Quelle: dpa
Seit dem 26. Dezember regiert der Liberaldemokrat Shinzo Abe, nach 2006 bereits zum zweiten Mal, Japan. Bereits weniger Tage nach seinem Amtsantritt gab er deutlich die politische Richtung vor. Japan setzt weiter auf Atomkraft und Japan schwächt den Yen. Unter dem Druck des neuen Regierungschefs will die japanische Notenbank Wertpapiere mehr als zehn Billionen Yen (rund 85 Milliarden Euro) aufkaufen. Ob dadurch die hohe Schuldenlast abebbt und sich die deflationäre Stimmung im Land dreht, ist unklar. Derzeit schuldet Japan den Finanzmärkten rund eine Billiarden Yen (etwa acht Billionen Euro). Ein gutes Viertel davon, rund 251 Billionen Yen (2,1 Billionen Euro), gab Japan 2012 an neuen Staatsanleihen aus. Wie Belgien schätzt die Ratingagentur Moody's auch die Kreditwürdigkeit Japans als "sicher" (Aa3) ein. 2013 muss Japan rund 261 Billiarden Yen (2,23 Milliarden Euro) aus fälligen Staatspapiere ablösen. Quelle: dpa

Dank der Rückkehr zu alten Fördermengen in Libyen, wo die Italiener traditionell stark engagiert sind, konnte Eni die weltweite Fördermenge im dritten Quartal 2012 um 16 Prozent auf 1,7 Millionen Barrel Öläquivalent ausweiten. Unter dem Strich verdient wurden im Septemberquartal 2,48 Milliarden Euro und damit 40 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Bis 2022 wollen die Italiener die Produktion im Schnitt um drei Prozent pro Jahr erhöhen. Neben einer Ausweitung der Produktion in Libyen soll dafür das Kashagan-Ölfeld im Kaspischen Meer sorgen. Das zusammen mit Exxon und Shell entwickelte Megaprojekt wird in Kürze in Produktion gehen. Aus Anlegerperspektive reizt bei Eni vor allem die hohe Dividendenrendite von 5,4 Prozent.

Fondstipp - Carmignac Patrimoine A: Bringt Einkaufstour in Südeuropa die Wende?

Kursverlauf Carmignac Patrimoine A

Französische Vermögensverwalter haben in den letzten Jahren mit sehr guten Ergebnissen geglänzt. Während kleine Anbieter wie Rouvier Associés, die den Spitzenplatz bei Mischfonds innehaben, hierzulande kaum bekannt sind, haben viele deutsche Anleger den 23 Milliarden Euro schweren Patrimoine des Pariser Hauses Carmignac im Depot. Doch 2012 wurden sie enttäuscht. Der Fonds schafft im Einjahresvergleich ein Plus von 4,1 Prozent, während eine je zur Hälfte auf internationale Aktien- und Anleihenindizes verteilte Mischung bis zu zehn Prozent gebracht hätte. Chef-Fondsmanager Edouard Carmignac hatte zwar schon Anfang 2012 den Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, in einem offenen Brief aufgefordert, zur Stützung des Euro-Staatsanleihen-Marktes die Titel der Schuldenländer aufzukaufen. Als Draghi am 26. Juli tatsächlich ankündigte, notfalls unbegrenzt Anleihen zu kaufen und alles zu tun, um den Euro zu retten, war Carmignac nicht vorbereitet.

Fonds-Gebühren im Überblick

Die Aktion beruhigte Investoren und entfachte eine Rally am Euro-Land-Kapitalmarkt. Da der Patrimoine nur fünf Prozent Aktien im Portfolio hielt, profitierte er kaum. In dem schweren Fahrwasser der vergangenen zehn Jahre aber bleibt sein Erfolg unter dem Strich beachtlich. Mit im Schnitt jährlich acht Prozent gehört er zu den besten Mischfonds. Dabei hat Carmignac heiße Eisen wie Nachranganleihen angefasst und sich früh auf Schwellenländer und Rohstoffe konzentriert. Geht die Strategie auf, ist alles wunderbar, sonst ist der Fonds riskanter als rein europäische Portfolios, zumal ein rascher Schwenk bei dem großen Volumen unmöglich ist.

Börse



Jetzt hofft das Fondsteam, dass es mit der aktuellen Aufstellung besser läuft. Hinter der inzwischen auf die maximal möglichen 50 Prozent ausgedehnten Aktienquote stehen manche japanische Titel und auch Euro-Land-Banken wie die niederländische ING, die spanische Santander und die italienische UniCredit. Auch bei Anleihen kauften sie diverse Papiere von Euro-Land-Banken zusammen, die schnell wieder verkauft werden könnten. Santander ist auch hier mit von der Partie. Carmignac setzt auf die Stabilisierung in den Euro-Schuldenstaaten und hakt die Euro-Krise zunächst ab.

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