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Anleihenmarkt Neue Zehnjährige auf Rekordtief

Deutschland hat am Vormittag eine Bundesanleihe um fünf Milliarden Euro aufgestockt, die Minusrendite steigt weiter. Noch turbulenter ging es bei den britischen Staatsanleihen zu.

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Die Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: Die Renditen der Anleihen aus den jeweiligen europäischen driften weiter auseinander. Quelle: dapd

Frankfurt/London Anleihen haben am Mittwoch weltweit fester notiert. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentierten mit minus 0,100 Prozent zwei Basispunkte niedriger. Deutschland stockte am Mittwochvormittag eine zehnjährige Bundesanleihe um fünf Milliarden Euro auf. Der Bonds mit Laufzeit bis 2026 hatte eine rekordniedrigen Rendite in Höhe von minus 0,09 Prozent nach minus 0,05 Prozent bei der vorherigen Auktion am 13. Juli. Der Bund Future stieg 26 Basispunkte auf 167,70 Prozent.

US-Treasuries rentierten mit 1,54 Prozent einen Basispunkt niedriger. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen gab drei Basispunkte auf 1,09 Prozent nach, spanische Papiere mit entsprechender Laufzeit rentierten mit 0,97 Prozent drei Basispunkte niedriger.

Stärker legten britische Staatsanleihen zu, die Rendite zehnjähriger Gilts fiel um sechs Basispunkte auf 0,52 Prozent. Die Verzinsung fünfjähriger Titel fiel auf ein neues Allzeittief von 0,122 Prozent. Die Bank von England, die am Dienstag ihr Kaufziel für Anleihen verfehlt hatte, hatte mitgeteilt, dass sie die Lücke in der zweiten Hälfte ihres sechsmonatigen Anleihenkauf-Programms ausgleichen werde.

„Die Verkäufer streikten“, kommentierten die Marktexperten der National-Bank in Essen. Für die BoE werde es nun teuer, das geplante Volumen bei ihrem Staatsanleihen-Kaufprogramm zu schaffen oder sie müsse bald auf andere Anleihen ausweichen.

„Die Tatsache, dass die BoE keine Änderungen verkündet hat, deutet an, dass sie nicht besorgt ist“, sagte hingegen Simon Peck, Zinsstratege bei der Royal Bank of Scotland. „Die BoE wird in der Lage sein, ihr Programm wie geplant fortzusetzen. Die Renditen langlaufender Bonds fallen aufgrund von Nachfrage-Angebots-Dynamiken.“

Die britische Notenbank will nach dem Ausrutscher zum Start ihrer Anleihenkäufe zum Ankurbeln der Wirtschaft verlorenen Boden erst in einigen Monaten gutmachen. Ab November sollen die ausgefallenen Käufe über mehrere Monate nachgeholt werden, kündigte die Bank von England (BoE) am Mittwoch an. Sie hatte von Investoren am Dienstag britische Staatspapiere mit langen Laufzeiten ab 15 Jahren erwerben wollen. Diese ließen sich aber nicht ausreichend locken - der Notenbank wurden zu wenig Titel angeboten. Es fehlten schließlich Papiere im Volumen von 52 Millionen Pfund (umgerechnet 60,8 Millionen Euro). Es war es das erste Mal, dass die Notenbank seit dem Beginn der Anleihenkäufe im Jahr 2009 bei einer Rückkauf-Auktion nicht genügend verkaufswillige Investoren fand.

Vermutlich dürfte es nicht mehr lange dauern, bis es auch negative Renditen für britische Staatsanleihen gibt. Denn eine Grafik von Volkswirt David Mackie (JP Morgan) zeigt, dass die Transmission der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank nie besser funktioniert hat als im letzten Jahrzehnt. Mit Programmen zum Ankauf von Anleihen und für Kredite sind die Zinsen für die Verbraucher in den letzten beiden Jahren mehr als doppelt so stark gesunken wie der Einlagenzins, im Vergleich zu einer Durchleitung von zwischen 50 Prozent und 75 Prozent in den vorherigen Zyklen. Zuvor hatte Mark Carney, der Gouverneur der Bank von England, seinen Kollegen in Europa und Japan noch erklärt, sie hätten es wohl ein bisschen falsch verstanden, als sie die Zinsen unter null Prozent senkten.

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