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Apple In Jobs’ Schatten

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Der Buchhalter-Typ

Steve Jobs' markanteste Zitate
Abschied Quelle: rtr
Wirtschaftswoche-Interview Quelle: ap
Piraten Quelle: rtr
Apple-Computer Quelle: dpa
Geschichte Quelle: dpa
Stolz Quelle: dpa
Qualität Quelle: dapd

Nun ist sie da. Kanes Buch charakterisiert den neuen Apple-Chef Cook als Person voller Widersprüche: „Manche sahen ihn als Maschine, andere als fesselnd. Er konnte seine Mitarbeiter terrorisieren, aber gleichzeitig dazu bringen, für ein Wort der Anerkennung rund um die Uhr zu arbeiten.“ Zumal er kaum lobt. Ganz im Gegenteil: Wie Jobs beschimpft er Mitarbeiter gern mal als Idioten.

Doch Jobs, dem das Image des genialen, kreativen Kops anhaftete, der Trends nicht nur erspürte, sondern selbst erfand, wurden solche Ausraster schneller verziehen. Cook ist mehr der Buchhalter-Typ. Während Jobs sogar dafür Geld ausgab, das Innenleben von Produkten aufzuhübschen, feilscht Cook um jeden Cent.

Klar, auch Cook hat bereits einiges geleistet. Seine Karriere bei Apple hat er dem Aufbau der berühmten Lieferkette des Konzerns zu verdanken, die bei Bedarf direkt vom Werk in China per Luftfracht an den Kunden ausliefern kann und die trotz Massenproduktion Geheimnisse bis zur Produktenthüllung bewahrt.

Apple verliert seine Zulieferer

Doch diese Kette läuft offenbar nicht mehr so geölt wie früher. Und hier liefern Kanes Recherchen die interessantesten Rückschlüsse auf Apples Zukunft. Denn Apple ist zu abhängig von Foxconn, seinem größten Fertiger, geworden. Dessen Chef Terry Gou, so ist Kane überzeugt, ist nicht mehr länger mit zwei bis drei Prozent Gewinnmarge zufrieden, während Apple die großen Profite scheffelt. Er könnte durchaus mit dem Aufbau einer eigenen Marke beginnen.

Apple versucht bereits, seine Abhängigkeit zu verringern, und setzt stärker auf andere Auftragsfertiger wie Pegatron aus Taiwan. Doch je dichter das Know-how in der Fertigung ist, umso schwerer wird dessen Transfer. Apple ist zudem wegen seiner Praktiken, Zulieferer ständig im Ungewissen zu lassen und bis zur letzten Minute über die Preise zu verhandeln, in Verruf geraten. Laut Kane bemühen sich einige Zulieferer daher gar nicht mehr um Geschäft mit Apple.

China, immerhin Apples größter Wachstumsmarkt, ist ein weiteres Risiko. Denn die chinesische Regierung sieht es nicht gern, wenn ausländische Unternehmen hohe Marktanteile erringen und mit dem Potenzial auch noch prahlen. Nicht ohne Grund mischen nun die chinesischen Konzerne Huawei, ZTE und Lenovo im Smartphone- und Tablet-Markt mit.

Job's Schatten ist Segen und Fluch

Kanes Buch ist in den USA kritisiert worden, weil es die Frage nicht beantwortet, ob Apple nach dem Tod von Jobs dem langsamen Untergang geweiht ist oder nicht. Das tut es tatsächlich nicht. Doch das ist weniger Schwäche als Stärke des Buchs.

In Arbeit
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Ob Apple gewinnen oder verlieren wird, ist Glaubenssache. Niemand hatte erwartet, dass Jobs das nahezu bankrotte Unternehmen in eins der wertvollsten der Welt wandeln würde. Und nie wird man wissen, ob Apple heute erfolgreicher wäre, wenn der Konzern noch von Jobs geführt würde.

Cook muss nun beweisen, dass er nicht nur verwalten, sondern auch gestalten kann. Ist Cook also der richtige Mann am Ruder?

Kane zögert nur kurz. „Ja“, sagt sie. Vor allem habe er einen unschätzbaren Vorteil. „Er wurde von Steve Jobs auserwählt. Das wird es nie wieder geben.“ Jobs’ großer Schatten – er kann ein Segen sein, aber auch ein Fluch.

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