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Apple Warum die Apple-Aktie noch viel zu billig ist

Apple ist zwar das teuerste Unternehmen der Welt. Doch gemessen am Rest der Börse ist die Aktie viel zu billig. Mit dem Musik-Streaming nimmt Apple nun einen weiteren großen Markt ins Visier.

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Apple in Hangzhou Quelle: REUTERS

Genau 71 Zeichen musste er tippen, um jene Kettenreaktion auszulösen, die ihn in nur 25 Stunden 117 Millionen Dollar reicher machen würde: „Think you will find our latest letter to @tim_cook re $AAPL interesting“, schrieb Carl Icahn, berüchtigter Wall-Street-Veteran, auf Twitter an seine 220 000 Follower. „Unser Brief an Apple-Chef Tim Cook könnte Sie interessieren.“

Und wie er interessierte: Die Nachricht mit dem Link zum zehn Seiten langen Brief wurde auf Twitter sofort 440 Mal vervielfältigt, erreichte Millionen Menschen; Börsenblogs und Agenturen griffen sie auf, noch in der Nacht füllten sich die Orderbücher an der Börse. Bis zum Abend des nächsten Tages legte die zuvor schwächelnde Apple-Aktie um 2,25 Dollar zu, der Marktwert Apples um 8,3 Milliarden Dollar.

Warum die Apple-Aktie eine Goldgrube ist
Apple: Milliardengewinne dank iPhone 6Ende des vierten Quartals des Apple-Geschäftsjahres 2013/14, das Ende September zuende ging, präsentierte Apple-Chef Tim Cook ein Ergebnis, das die Erwartungen weit übertraf. Der Umsatz erreichte mit 42,12 Milliarden Dollar einen neuen Rekord, übertraf das selbst gesteckte Ziel von 40 Milliarden Dollar und liegt fast fünf Milliarden Dollar über dem Vorjahreswert. Damit stieg auch der Nettogewinn um eine Milliarde auf 8,5 Milliarden Dollar. Aktionäre wie der aktivistische Carl Icahn können sich freuen: Nach den guten Zahlen und den von ihm durchgesetzten Aktienrückkäufen im Wert von 17 Milliarden Dollar kletterte auch der Gewinn pro Aktie um 24 Cent auf 1,42 Dollar. Icahn dürfte aber noch nicht zufrieden sein. Denn er sieht noch viel Potenzial für einen weiteren Kursanstieg der Apple-Aktie. Quelle: dpa
Carl Icahn ist bekannt für sein aktivistisches Investorenverhalten. In einem Brief an Apple-Chef Tim Cook begründete Icahn, warum die Aktie des iPad-Herstellers eigentlich an der Börse bei 203 Dollar stehen sollte. Das ist ungefähr das Doppelte des aktuellen Kurses. Icahn zufolge müsste Apple damit 1,2 Billionen Dollar wert sein. Einen Rat an Tim Cook enthielt der Brief auch... Quelle: REUTERS
Apple-Chef Tim Cook solle einen Aktien-Rückkauf im Volumen von bis zu 100 Milliarden Dollar angehen, schrieb Icahn. Er sprach von einer „massiven Unterbewertung von Apple auf dem heutigen Markt, von der wir glauben, dass sie nicht lange anhalten wird.“Für seine Einschätzung nannte Icahn fünf Argumente... Quelle: AP
Grund 1: Das iPhone dominiert den Premium-MarktDas neue iPhone 6 und iPhone 6 Plus sind wie Mercedes-Benz- Luxuswagen, jedoch erschwinglich genug für den Massenmarkt, argumentierte Icahn. Daher würden die Smartphones Marktanteile von anderen Herstellern gewinnen, deren Handys auf Android und damit auf dem Betriebssystem von Google basieren. Das gelte besonders auf dem Premiummarkt. Apple würde ein „zunehmend dominierendes mobiles Öko-System schaffen“, schrieb Icahn. Quelle: AP
Grund 2: Apple-Watch als neuer WachstumstreiberDie Apple Watch, die das Unternehmen vergangenen Monat vorgestellt hat und deren US-Verkaufsbeginn für Anfang 2015 in Aussicht gestellt wurde, sollte laut Icahn einen signifikanten Einfluss auf das Wachstum von Apple haben. Der Investor glaubt, dass Apple im kommenden Geschäftsjahr 20 Millionen Uhren verkaufen wird. In den Jahren 2016 und 2017 werde der Absatz dann auf insgesamt fast 120 Millionen Stück ansteigen. Icahn prognostizierte einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 450 Dollar pro Uhr. Quelle: AP
Grund 3: iPads ziehen immer mehr in Unternehmen einDie neuen iPads und die im Juli dieses Jahres verkündete Allianz mit IBM sollten dazu beitragen, das Tablet-Geschäft von Apple in jedem der drei nächsten Geschäftsjahre um 13 Prozent nach oben zu treiben, sagte Icahn. Quelle: REUTERS
Grund 4: Der Fernseher könnte kommenSamsung und LG bauen bereits seit längerem sogenannte „Smart TVs“ – Fernsehgeräte, die mit dem Internet verbunden sind und ein ganzes Betriebssystem enthalten. Icahn glaubt, dass auch Apple in diesen Markt einsteigen könnte... Quelle: REUTERS

Mit seinen 52,6 Millionen Apple-Aktien gehört Icahn, dessen Gesamtvermögen auf 22 Milliarden Dollar geschätzt wird, zu den größten Profiteuren seines Tweets, gefolgt von Fondsgiganten wie Blackrock, Vanguard, gut 2400 weiteren Großanlegern und Millionen privaten Apple-Aktionären. Und viele Investoren stehen noch an der Seitenlinie. „Wir warten seit 2012 auf einen größeren Rücksetzer, um günstig Positionen aufzubauen“, sagt Marco Günther, Analyst bei der Hamburger Sparkasse. Die Kaufgelegenheit kommt nicht. Tausende von Großinvestoren, sagt Erin Gibbs, Aktienstrategin bei S&P Capital Markets, hätten „zu früh Gewinne mitgenommen, oder sie warten seit Jahren auf die günstige Kaufchance“.

Natürlich gibt es keine Aktie, die immer nur steigt. Das wissen auch die Apple-Enthusiasten. Immer wieder werden Stimmen laut, die auch Apple, das mit 753 Milliarden Dollar Börsenwert teuerste Unternehmen der Welt, an seine Grenzen stoßen sehen:

  • Seit dem Tablet-PC iPad (2010) hat es keine echte Produktinnovation mehr gegeben. Frühere, wie der Mini-Musikplayer iPod und das Internet-Handy iPhone, zündeten stets die nächste Stufe des Apple-Höhenfluges an der Börse, weil sie aus dem Nichts eine neue Produktkategorie, neue Kunden und echtes Umsatzwachstum erzeugten. Zuletzt haben sich Apples Neuheiten auf Handys mit größeren Displays und leichtere, flachere iPads und Laptops beschränkt.
  • Apples enorm hohe Gewinnmargen seien in Gefahr, denn andere, allen voran Samsung, böten inzwischen oft technisch bessere Produkte zu attraktiveren Preisen.
  • Zu viele neue Produkte ähnlicher Machart seien auch nicht gut: Neue Apple-Handys mit größeren Displays etwa könnten Käufer davon abhalten, sich ein iPad zuzulegen – zu gering sind die Unterschiede.
Erfolgsgarant: Apples Smartphone-Verkäufe treiben den Aktienkurs. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Ganz anders sieht das Carl Icahn. Die Aktie sei „dramatisch unterbewertet“, schrieb er an Apple-Chef Tim Cook, und 240 Dollar wert, nicht 130, wie zurzeit. Denn Apple könne bereits 2016 zwölf Dollar je Aktie verdienen, im Geschäftsjahr 2013/14 waren es nur 6,45 Dollar. Abzüglich der Schulden hat Apple netto 153 Milliarden Dollar Cash angesammelt, jedes Quartal kommen 15 bis 20 Milliarden Dollar hinzu.

Da will Icahn ran: Immer wieder fordert er das Management unter öffentlichem Getöse auf, mehr Geld auszuschütten. Seit August 2012 hat Apple bereits 112 Milliarden Dollar an seine Aktionäre verteilt – als Dividenden und über den Rückkauf eigener Aktien an der Börse. Die Rückkäufe steigern Gewinn und Dividende je Aktie für jeden, der Apple-Aktien hält, weil die Zahl der Aktien und damit der Nutznießer sinkt.

Apples Reichtum hängt an einem Produkt

Woher kommt der Reichtum? Vor Kurzem veröffentlichte der Marktforscher Gartner die neuesten Verkaufszahlen zu Smartphones. Weltweit wurden im ersten Quartal 2015 336 Millionen Stück verkauft. Apple triumphierte.

„Dank des iPhone 6 mit größerem Display, das etwa in China die Umsätze gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres um 72,5 Prozent steigen ließ, hat Apple den Trend der vergangenen Jahre gedreht“, sagt Anurag Gupta von Gartner. Apple hatte davor kontinuierlich Marktanteile an Samsung und andere Hersteller verloren.

China entwickelt sich vom Sorgenkind zum Wachstumstreiber für Apple: „Die Kooperation mit Chinas größtem Mobilfunkbetreiber China Mobile zahlt sich allmählich aus und verspricht weiteres Wachstum“, sagt Analyst Markus Friebel von Independent Research. Apple kann außerdem die höchsten Preise für ein Smartphone durchsetzen; die iPhones kosten derzeit weltweit im Schnitt 659 Dollar, ohne Mehrwertsteuer, fast zehn Prozent mehr als vor einem Jahr. Damit war das iPhone im ersten Quartal 2015 für 69 Prozent des Apple-Konzernumsatzes verantwortlich.

„Die starke Abhängigkeit von einem Produkt ist natürlich ein Risiko“, sagt Analyst Günther. Doch Kritiker übersehen Apples ausgeklügelte Kundenbindung: „Zwar ist das Apple-Handy nicht in jedem technischen Detail das beste“, sagt Analystin Kathryn Huberty von Morgan Stanley. Samsungs S6 etwa ist, dank mehr Prozessorleistung und Arbeitsspeicher, schneller als das iPhone 6. Aber darum geht es nicht nur.

Die Köpfe hinter Apple

Eintrittskarte in eine eigene Welt

„Apple-Kritiker verkennen oft, dass das iPhone nicht nur seiner technischen Fähigkeiten wegen gekauft wird; es ist für die Kunden auch die Eintrittskarte und Schnittstelle zum Apple-Universum“, sagt Huberty.

Was sie damit meint: Apple-Produkte greifen wie die keines anderen Herstellers ineinander: Ein iPad etwa spielt seine Stärken erst aus, wenn es über die Datenwolke iCloud mit anderen Apple-Geräten wie iPhone oder Mac-Rechner verbunden wird. Die iCloud erkennt automatisch, wenn ihr Besitzer mit einem anderen Apple-Gerät sein heimisches WLAN betritt oder in die Nähe seines iPhones kommt, und synchronisiert automatisch Kalender, Musik- und Foto-Ordner, E-Mails und Kontakte.

Anders als die Geräte von Samsung, Google oder HTC, die auf Googles freier Software Android laufen, können Apple-Kunden nicht beliebig die Geräte anderer Hersteller in ihr Netzwerk integrieren: Apples Geräte laufen ausnahmslos auf der hauseigenen Softwareplattform iOS. „Das“, sagt Peter Dreide, Gründer von TBF Asset Management, „sorgt für hohe Kundenbindung. Wer die Bequemlichkeit des Apple-Systems gewöhnt ist, gibt sie ungern wieder auf.“

Großaktionär hält Apple-Aktie für unterbewertet

Oder, weniger freundlich formuliert: Wer aus dem Apple-Imperium wieder raus will, muss viel Geld in die Hand nehmen und überlegt es sich in der Regel zwei Mal. Unzufriedene iPhone-Kunden etwa, die ein Samsung-Handy kaufen wollen, müssen ein zweites System für Kontakte, Bilder, Musik, Mails aufbauen. Perfide, aber wirksam: Apple hat in der Branche die niedrigste Kundenfluktuation.

„Umgekehrt kann Apple, der vielen Zusatzdienste und Inhalte wegen, am Hardwaremarkt höhere Preise als die Konkurrenz durchsetzen“, sagt Lothar Koch, Portfoliomanager bei GSAM + Spee Asset Management. In diese Kundenbindung investiert Apple laufend. Kunden sollen nicht (nur) mit Zwang, sondern auch über Inhalte wie Musik und Filme sowie nützliche Dienste wie Landkarten oder Cloud-Speicher an Apple gebunden werden.

Apple nimmt großen neuen Markt ins Visier

Auf der Entwicklerkonferenz am Montag hat Apple sein Music-Streaming vorgestellt; und Musik wird nur der Anfang sein. Es folgen Film- und TV-Angebote, ein mobiler Bezahldienst (Apple Pay) ist in den USA bereits eingeführt; Gerüchte um ein eigenes Apple-Auto wollen nicht verstummen. Apple dürfte zwar kein eigenes Auto bauen, aber allein an Elektronikteilen und Software ist der Automarkt rund 20-mal größer als etwa der für Smartphone-Teile und Software.

In der Kombination mit Apple Pay und Geräten wie dem iPad ergibt das Sinn: So könnte zum Beispiel, wer künftig zu Hause auf dem iPad nach Biergärten in München sucht und dann ins Auto steigt, dort gleich alle passenden angezeigt bekommen, die auf der vom Navi gelieferten Route liegen – und die Apple Pay akzeptieren.

Wichtige Kennzahlen der Apple-Aktie und der Konkurrenz

Bereits zu kaufen ist die Smartwatch Apple Watch, die Gesundheitsprogramme auf dem iPhone über Sensoren mit Daten wie Puls und Blutdruck füttern kann. Analystin Huberty erwartet 36 Millionen Verkäufe 2015, Investor Icahn schätzt für 2015 sechs Milliarden Dollar iWatch-Umsatz und 22,5 Milliarden Dollar 2016.

Potenzial für die bereits existierenden Produkte birgt das Firmenkundengeschäft; bisher von Apple eher links liegen gelassen. Traditionell stark ist Apple nur in der Werbe- und Musikbranche. Eine Kooperation mit IBM verspricht Wachstum auch in anderen Industrien. Ein neues iPad mit größerem Display, das wohl 2016 kommt, könnte Apple als Ersatz für kleine Firmen-Laptops vermarkten, etwa für Außendienstler.

Viel billiger als andere Giganten

Verglichen mit dem Rest der Börse und mit anderen Tech-Aktien, ist Apple zu billig: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), basierend auf den Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate, beträgt 13,5. Im Schnitt kosten die 500 großen US-Aktien im S&P 500-Index das 17,4-Fache ihrer Gewinne. Konkurrent Google kostet den 16,4-fachen und Microsoft den 16,8-fachen geschätzten Gewinn (siehe Charts oben).

Börse



Dabei wuchs Apples Gewinn pro Aktie seit 2009 um 498 Prozent, der aller Unternehmen im Index nur um 30 Prozent. Auch in den kommenden Jahren dürfte Apple seinen Gewinn erheblich schneller steigern als der Rest der Börse. „Die Apple-Aktie müsste eigentlich teurer sein als die meisten anderen Aktien, und dabei ist der Cash-Reichtum nicht berücksichtigt“, sagt Vermögensmanager Koch.

In den vergangenen Jahren bezahlten Anleger für Apple deshalb meist mehr als heute: Ende September 2010 etwa betrug das KGV 19,3, im Jahr 2009 20,1. Nur 2013 wäre die Apple-Aktie noch günstiger gewesen als heute. Damals stieg Carl Icahn ein. Bisher liegt er 120 Prozent im Plus.

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