Argentinien Peso stürzt ab, Investoren freut's

Kaum eine Woche im Amt, rüttelt Präsident Mauricio Macri Argentiniens Wirtschaft ordentlich durch. Er macht die Währung frei handelbar und reduziert Handelsbarrieren - ein Hoffnungsschimmer für Anleger und Unternehmen.

Mauricio Macri bei einer Rede Quelle: dpa

Im Wahlkampf hatte Mauricio Macri angekündigt, Argentiniens Wirtschaft zu liberalisieren. Schon in seiner ersten Woche im Amt als Präsident unterzieht er Argentinien einer Schocktherapie - und gibt den Wechselkurs des Peso frei. Die argentinische Währung stürzte daraufhin am Donnerstag in der Spitze um 30 Prozent ab. Sie schloss bei 13,4 Peso je Dollar.

Finanzminister Alfonso Prat-Gay sagte, man habe diesen Rückgang so erwartet: "Wir sind sehr gelassen." Der erste Tag eines frei konvertierbaren Peso sei ein Erfolg gewesen. Denn der Rückgang um 30 Prozent entsprach der Abwertung auf den Schwarzmarkt-Kurs des Peso.

Sollte die Talfahrt des Peso außer Kontrolle geraten, stehe die Zentralbank bereit einzugreifen, sagte Prat-Gay auf einer Pressekonferenz. Die Regierung erwarte zudem, dass Investoren im Laufe der nächsten vier Wochen zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar ins Land bringen dürfte, was die Devisenreserven aufpolstern soll. Am Dienstag hatte bereits die argentinische Zentralbank in einer Auktion die Zinsen ihrer kurzfristig laufenden Staatsanleihen auf 38 Prozent erhöht. So will ihr neuer Präsident Federico Sturzenegger die Nachfrage nach Peso-Anlagen erhöhen.

Und auch die Kapitalverkehrskontrollen lockerte Macri, Einzelpersonen dürfen künftig bis zu zwei Millionen Dollar im Monat kaufen. Importeuren, die offene Rechnungen bei der Zentralbank haben, werden Anleihen angeboten oder ein Zeitplan, um die Rückstände abzuzahlen, die auf fünf Milliarden Dollar geschätzt werden, sagte Prat-Guy. Bis Donnerstag mussten Argentinier bei Agenturen eine Genehmigung beantragen, um Dollar für Reisen oder das eigene Sparkonto kaufen zu dürfen.

An der Börse im Leitindex Merval profitierten Donnerstag vor allem Aktien der Banken Banco Macro und BBVA Banco Francés. Sie legten rund vier Prozent gegen den allgemeinen Trend im Merval zu, der mit 0,38 Prozent im Minus lag.

Die Abwertung ist ein riskanter Schritt - denn schon jetzt liegt die Inflationsrate in Argentinien jährlich bei gut 24 Prozent. Eine Entwertung ihrer Ersparnisse in US-Dollar könnte bei der Bevölkerung für Unruhe sorgen. Am Donnerstag protestierten in Buenos Aires Zehntausende gegen die Maßnahmen des frisch vereidigten Präsidenten.

Der neue Präsident hat bereits Ausfuhrsteuern für die meisten Feldfrüchte aufgehoben, damit die Landwirte ihre Getreidespeicher leeren und ihre Dollar-Erlöse zur Zentralbank bringen. Macri strich die Ausfuhrzölle auf Rindfleisch, Mais und Getreide und lockerte die Raten für Sojabohnen um fünf Prozentpunkte. Die Maßnahmen dürften dazu führen, dass Farmer jetzt Vorräte im Wert von bis zu 11,4 Milliarden Dollar verkaufen.

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