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Autozölle Trump-Tweet macht Anleger an Europas Börsen nervös

Anleger an der Wall Street hielten sich vor der feiertagsbedingten Pause in den USA am Montag zurück. Die amerikanischen Börsen lagen bis zum Handelsende in Europa leicht im Minus. Quelle: REUTERS

US-Präsident Donald Trump will laut einem Bericht kommende Woche neue China-Zölle umsetzen. Zudem schlägt er ein EU-Angebot zu Null-Autozöllen aus. An den Börsen zeigt sich eine gewisse Nervosität.

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Aus Furcht vor einer erneuten Eskalation des Handelsstreits mit den USA fassen Anleger europäische Aktien nur mit spitzen Fingern an. Weil die Weltleitbörse in New York wegen eines Feiertags am Montag geschlossen bleibt, scheuten sie vor größeren Verkäufen zurück. Dax und EuroStoxx50 notierten jeweils knapp im Minus bei 12.334 und 3389 Punkten. Der Euro notierte ebenfalls kaum verändert bei 1,1608 Dollar.

Als Grund für die trübe Stimmung nannten Börsianer die Drohung von US-Präsident Donald Trump via Twitter, das geplante Handelsabkommen mit Kanada platzen zu lassen. „Es ist recht schwierig, Hoffnungen auf die Verhandlungen mit China zu setzen, wenn die Gespräche mit Kanada, die als problemlos galten, nicht gut laufen“, sagte Yukio Ishizuki, Anlagestratege des Brokers Daiwa.

Trump will im Laufe der Woche zusätzliche Strafzölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar verhängen. „Peking dürfte ziemlich schnell mit ähnlichen Maßnahmen antworten“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Nach den gescheiterten Gesprächen ist eine baldige Einigung zwischen beiden Ländern kurzfristig unwahrscheinlich.“

Auch für die EU sei die Kuh trotz des Deals zwischen Trump und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vom Juli noch nicht vom Eis, warnte Cutkovic. „Strafzölle auf europäische Autos sind noch immer möglich.“ Der europäische Branchenindex für Fahrzeug-Hersteller und Zulieferer büßte 0,9 Prozent ein. Im Dax war Volkswagen mit einem Kursminus von 1,7 Prozent das Schlusslicht. Die Papiere litten Börsianern zufolge zusätzlich unter einem Bericht der „Bild am Sonntag“, demzufolge der Wolfsburger Konzern auch bei einigen Modellen mit Benzinmotor die Abgastests manipuliert hat. „Das ist nicht neu, aber wo Rauch ist, ist auch Feuer“, sagte ein Aktienhändler.

Im Devisenmarkt geriet die türkische Währung erneut unter die Räder. Die Inflation in dem Land am Bosporus stieg im August auf 17,9 Prozent, den höchsten Stand seit Ende 2003. Die Ankündigung von Gegenmaßnahmen durch die türkische Zentralbank verschaffte der Lira nur eine kurze Verschnaufpause. Der Dollar, der nach den Inflationsdaten bis auf 6,7304 Lira gestiegen war, notierte am späten Vormittag noch 1,6 Prozent im Plus bei 6,6230 Lira.

Auch aus dem Pfund Sterling zogen sich Anleger zurück. Die britische Valuta verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 1,2889 Dollar, nachdem sich EU-Chefunterhändler Michel Barnier und die britische Premierministerin Theresa May in Zeitungsinterviews unnachgiebig zu den stockenden Gesprächen über den EU-Ausstieg geäußert hatten. Anleger befürchten einen ungeordneten Brexit ohne Einigung über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU.

Mit sorgenvoller Miene blickten Investoren außerdem nach Italien. Die Regierung werde bei ihren Beratungen für den neuen Haushalt Wahlversprechen einlösen müssen, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Die Neuverschuldung könnte zu einem Streitthema zwischen Rom und Brüssel werden.“ Bei den Anleihen den Landes griffen Anleger dennoch zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 3,178 von 3,239 Prozent. Investoren seien erleichtert, dass die Ratingagentur Fitch die Bonitätsnote für den hoch verschuldeten Staat nicht gesenkt habe, sondern einen solchen Schritt nur prüfe, sagte Anlagestratege Daniel Lenz von der DZ Bank.

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