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Autozulieferer Hella wagt den Börsengang – ganz vorsichtig

Hella geht an die Börse. Rund 11 Millionen Aktien hat der Autozulieferer bereits bei ausgewählten Anlegern platziert. Die Gesellschafterfamilie Hueck behält die Zügel jedoch weiter fest in der Hand.

Das sind die Börsenkandidaten 2015
windeln.deDer Online-Händler windeln.de, der auf Baby- und Kindersachen spezialisiert ist, will offenbar noch im ersten Halbjahr 2015 an die Börse. Das berichten Insider. Die Deutsche Bank, Goldman Sachs und die Bank of America Merrill Lynch seien beauftragt worden, der Firma beim Börsengang zu helfen.Das frische Kapital soll dem Unternehmen Spielraum für seine weitere Expansion verschaffen. Die Banken wollen sich nicht zu den Plänen äußern, zunächst hatte das Wirtschaftsmagazin "BILANZ" über die Börsenpläne berichtet. Windeln.de wurde 2010 gegründet und schrieb 2014 bei einem Umsatz von 130 Millionen Euro einen kleinen Gewinn. Quelle: dpa
SunriseDer zweitgrößte Telekom-Anbieter der Schweiz, Sunrise, darf sich wohl über einen erfolgreichen Börsengang freuen. Die Nachfrage der Anleger war so hoch, dass das Volumen der Sunrise-Aktien sogar um 300 Millionen auf 2,3 Milliarden Franken erhöht werden konnte. Mit 68 Franken je Aktie landeten die Papiere in der Mitte der Preisspanne, kletterten aber schon am ersten Handelstag, dem 6. Februar, um über elf Prozent auf 78 Franken. Mit dem Erlös will das Schweizer Unternehmen zunächst vor allem Schulden zurückzahlen. Zudem fließt Kapital in die Kassen des Haupteigentümers, Finanzinvestor CVC. Insgesamt lieferte Sunrise damit den größten Schweizer IPO seit acht Jahren. Quelle: REUTERS
Ferratum OyiDer finnische Finanzdienstleister hat Anfang Februar den Schritt auf das Frankfurter Börsenparkett gewagt. Mit einem Kursgewinn von bis zu acht Prozent ist das Debüt gelungen. Hinter Tele Columbus feiert Ferratum bereits den zweiten Frankfurter IPO 2015. Das 2005 gegründete Unternehmen aus Helsinki vergibt Kleinkredite über 25 bis 2000 Euro, die per Handy oder Internet sofort abgeschlossen werden können. Von dem Börsengang-Volumen von brutto rund 110 Millionen Euro sollen rund 48 Millionen an Ferratum fließen. Das frische Geld will das Unternehmen in neue Produkte und die Expansion in weitere Länder stecken. Zudem soll sich Ferratum vom reinen Kreditanbieter nach und nach zu einer mobilen Bank entwickeln. Quelle: dpa
Tele ColumbusDer drittgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber Tele Columbus startet seinen bereits im Herbst angekündigten Börsengang. Wie das Unternehmen mitteilte, werden 51 Millionen Aktien zu zehn Euro das Stück ausgegeben. Das gesamte Angebotsvolumen liege damit bei 510 Millionen Euro, davbon 333 bis 367 Millionen Euro aus Kapitalerhöhung. Erster Handelstag soll der 23. Januar sein. Mit dem Geld will Tele Columbus seine Schuldenlast senken und in den Ausbau der eigenen Kabelnetze investieren. Zusätzlich zur Kapitalerhöhung werden auch Altgesellschafter Aktien verkaufen. Beteiligt an Tele Columbus sind unter anderem Londoner Finanzinvestoren. Kerngebiet des Kabelnetzbetreibers ist Ostdeutschland. Auch in einigen westdeutschen Gegenden besitzt der Anbieter Kabelnetze. Quelle: Screenshot
EtsyEtsy, eine Online-Handelsplattform für Handgemachtes, will laut einem Bericht des US-Magazins mashable noch im laufenden Quartal an die Börse. Das Ebay für Heimwerker will mit der IPO rund 300 Millionen Dollar einsammeln. Über das gut zehn Jahre alte Portal wurden vergangenes Jahr Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar gehandelt. Quelle: Screenshot
Scout24 Schon vergangenes Jahr liebäugelte die Scout24-Gruppe, zu der Immobilienscout24, AutoScout24, die Datingseite FriendScout24 und das Finanzvergleichs-Portal FinanceScout24 gehören, mit dem Börsengang. Nachdem jedoch die Papiere von Zalando und RocketInternet ins Rutschen geraten waren, wurde es still um die IPO-Pläne. Doch Anfang 2015 könnte ein Börsengang durchaus wieder ein Thema werden. Das Unternehmen ist derzeit mit gut zwei Milliarden Euro bewertet und gehört Hellman & Friedman (49 Prozent), Blackstone (21 Prozent) und der Deutschen Telekom (30 Prozent). Quelle: Screenshot
Axel Springer Digital ClassifiedsEbenfalls Anfang 2015 soll die Online-Anzeigenbörse Axel Springer Digital Classifieds aufs Parkett. Eigentümer sind Axel Springer SE (70 Prozent) und General Atlantic (30 Prozent), bewertet wird das Unternhmen derzeit mit rund drei Milliarden Euro. Wie groß das Volumen des Börsengangs sein soll, ist noch offen. Quelle: dapd

Der Autozulieferer Hella hat jetzt offiziell verkündet, worüber schon seit dem Frühjahr immer mal wieder gerüchteweise spekuliert wurde: Er geht an die Börse – aber wie von einem traditionsreichen Familienunternehmen aus Ostwestfalen-Lippe nicht anders zu erwarten ganz vorsichtig: In zwei Schritten werden gerade mal 15 Prozent des bisher als Kommanditgesellschaft auf Aktien geführten Unternehmens an die Börse gebracht und das auch nur an einige handverlesene institutionelle Investoren. Damit wird sichergestellt, dass die Familie Hueck weiter die Zügel in der Hand behält.

Ähnlich wie beim Essener Chemiekonzern Evonik kommen zunächst nur zehn, in einem zweiten Schritt in der kommenden Woche dann weitere fünf Prozent der Aktien an den Markt. Private Anleger und kleinere Vermögensverwalter haben allerdings keinen Zutritt zu dieser exklusiven Veranstaltung: Die erste Tranche, rund 11,1 Millionen Aktien, hat Hella bereits ohne Mitwirkung der  Börse in den vergangenen Tagen bei ausgewählten institutionellen Anlegern und Family Offices (das sind die Vermögensmanager besonders reicher Privatkunden) platziert.

Das im Börsianer-Fachjargon als „private Placement“ bezeichnete Vorgehen hat aus Sicht des Unternehmens und der den Börsengang begleitenden Banken den Charme, dass hinter den Kulissen in Ruhe ein Preis für die neuen Aktien ausgehandelt werden kann, ohne dass ständig Wasserstandsmeldungen dazu in die Öffentlichkeit gelangen, die dann wiederum Auswirkungen auf die Preisbildung haben.

Die zehn größten deutschen Autozulieferer
Platz 10: EberspächerUmsatz 2014: 3,60 Milliarden Euro Das aus Esslingen am Neckar kommende Familienunternehmen zählt zu den weltweit führenden Systementwicklern und -lieferanten für Abgastechnik, Fahrzeugheizungen und Klimasysteme Quelle des Rankings: Berylls Stretagy Advisors Quelle: dpa
Platz 9: BroseUmsatz 2014: 5,17 Milliarden Euro Aus Coburg kommen die Sitzsysteme, Türmodule, Fensterheber und Schließsysteme von Brose. 22.000 Menschen arbeiten für das Familienunternehmen, das bereits seit 1908 existiert. Quelle: Presse
Platz 8: HellaUmsatz 2014: 5,18 Milliarden Euro In Lippstadt in Nordrhein-Westfalen produziert Hella mit rund 29.000 Mitarbeitern Licht- und Elektroniksysteme für den Fahrzeugbau, wie hier die LED-Scheinwerfer für eine Mercedes E-Klasse. Das Unternehmen blickt auf eine lange Historie zurück. Der Grundstein wurde bereits 1899 gelegt. Quelle: Presse
Platz 7: Benteler AutomobiltechnikUmsatz 2014: 5,87 Milliarden Euro Fahrwerkteile, Abgassysteme, Umformtechnik und Rohre – das sind die Komponenten, die Benteler Automobiltechnik mit weltweit rund 20.850 Mitarbeitern entwickelt und produziert. Zum 1. September 2014 hat Benteler zwei Teilbetriebe aus der insolventen Wilco Wilken Lasertechnik übernommen, um seine Kompetenz in diesem Bereich zu verstärken. Quelle: Presse
Platz 6: SchaefflerUmsatz 2014: 8,89 Milliarden Euro Von Herzogenaurach aus schickt Schaeffler seine weltberühmten Wälzlager, aber auch Motoren- und Getriebeelemente, sowie Kupplungs- und Antriebstechnik rund um den Globus. Schaeffler übernahm 2008 Continental und bürdete sich damit einen riesigen Schuldenberg auf, den das Unternehmen in den nächsten Jahren nur mühsam abstottern konnte. Die Schaeffler-Gruppe hat rund 76.000 Mitarbeiter. Quelle: REUTERS
Platz 5: ThyssenKruppUmsatz 2014: 9,72 Milliarden Euro Der Stahlkonzern aus Essen verdient an der Automobilindustrie mit dem Verkauf von Karosserieteilen, Fahrwerksmodulen, Antriebssträngen, Lenksystemen und Aufhängungen. Im Bild die Achsmontage an einem Smart Fortwo. Insgesamt arbeiten 157.000 Menschen für ThyssenKrupp. Quelle: Presse
Platz 4: MahleUmsatz 2014: 9,98 Milliarden Euro Die Stuttgarter beliefern Autobauer weltweit mit Kolben, Lagern, Ventiltrieben, Filtersystemen, Turboladern und Klimaanlagen. Rund 65.000 Menschen arbeiten für das Traditionsunternehmen, das 1920 gegründet wurde. 2010 fusionierte Mahle mit dem Klimaanlagenbauer Behr und stieg damit damals unter die Top 4 der größten deutschen Automobilzulieferer auf. Quelle: dpa

Diese erste Tranche sind ausschließlich neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung, dem Lippstädter Unternehmen fließen dadurch netto knapp 280 Millionen Euro zu. Auch die zweite Tranche in der kommenden Woche geht ausschließlich an Profianleger, allerdings wird es dabei ein klassisches Bookbuilding-Verfahren geben: Wie bei Öffentlichen Börsen üblich, wird von den Banken zunächst eine Preisspanne festgesetzt, die sogenannte Bookbuilding-Spanne, bei Hella liegt sie nun bei 25,00 bis 28,00 Euro.

Am unteren Ende der Spanne nimmt das Unternehmen gerade noch so viel ein, wie es sich aus dem Schritt an den Kapitalmarkt erhofft. Ist das Interesse an den neuen Aktien dagegen sehr hoch, sind die Emissionserlöse entsprechend höher. Am 11. November sollen die Hella Aktien zum ersten Mal in Frankfurt im Qualitätssegment Prime Standard unter der Wertpapierkennnummer (ISIN) DE000A135SX22 gehandelt werden.

Unsicheres Marktumfeld

Das zögerliche Vorgehen des Herstellers von Autobeleuchtungstechnik und Elektronikkomponenten ist eine Reaktion auf das derzeit unsichere Marktumfeld, passt aber auch zur Tradition und Kultur des Familienunternehmens. Zwar stammen die rund 5, 75 Millionen Aktien, die in der zweiten Tranche an die Börse gehen, aus den Beständen der Familie Hueck, die bisher alle Hella-Aktien hält. Die will aber auch in Zukunft die Fäden in der Hand behalten.

Das wird zum einen durch die Rechtsform der KGaA erreicht, die erhalten bleiben soll. Zum anderen haben sich die Familienmitglieder im Rahmen eines Pooling-Vertrages verpflichtet, mindestens 60 Prozent der Hella-Aktien bis ins Jahr 2024 oder länger zu behalten. „Hella war, ist und bleibt ein Familienunternehmen, zumindest für die kommenden zehn Jahre“, sagt Rolf Breidenbach, der Vorsitzende der Geschäftsführung.

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