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Balda-Aktionäre Vorsätzliches Vermeiden guter Geschäfte

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Mehrere Verkaufsversuche

Baldas Ex-Aufsichtsratschef Michael Naschke blockierte den Verkauf der TPK-Aktien, Balda gingen Millionen durch die Lappen. Im September 2013 warf er hin Quelle: dpa

2007 bekam TPK den Auftrag, die Bildschirme für Apples iPhone zu produzieren. Balda aber flog das Geschäft mit Handyschalen um die Ohren. In der Not verkaufte Balda TPK-Aktien.

Zum Beispiel an Chiang, der Balda 2008 zwölf Prozent abkaufte und hierfür inklusive verrechneter Kredite zehn Millionen Euro zahlte sowie Balda fünf Prozent an einer Holding überließ, die bemessen am Eigenkapital, knapp sechs Millionen Euro wert waren.

Der Preis erscheint äußerst günstig. Im Folgejahr verkaufte Balda weitere 17 Prozent an TPK für stolze 92 Millionen Euro an institutionelle Anleger. Das entspricht dem Vierfachen dessen, was Chiang gezahlt hat. Balda gab hierzu keine Stellungnahme ab.

Als TPK im Oktober 2010 an die Börse ging, war Balda nur noch mit 16 Prozent an dem Milliardenunternehmen beteiligt. Und auch diese Aktien sollten weg. Balda brauchte Geld.

Erster Verkaufsversuch (Juli 2011)

Auf der Hauptversammlung im Mai 2011 kündigte der damalige alleinige Balda-Vorstand Rainer Mohr an, die TPK-Aktien noch im selben Jahr zu veräußern.

Der Zeitpunkt schien optimal. Im Frühjahr lag der Kurs zeitweise über 900 TWD, und war damit mehr als viermal so hoch wie beim Börsengang. Verglichen mit Konkurrenten, war die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,5 laut einem Researchbericht der Berenberg Bank vom März schon recht teuer; ein weiterer Kurssprung schien unwahrscheinlich.

Im Juli und Oktober 2011 liefen Haltefristen für die Aktien aus. Dann konnte Balda raus. Umso erstaunlicher ist es, dass der Aufsichtsrat sieben Wochen nach der HV den Verkauf der Aktien ablehnte. Die Argumente, mit denen Aufsichtsratschef Naschke später den raschen Stimmungswechsel erklärte, klingen konstruiert und sind teilweise widerlegbar.

Laut Protokoll der HV vom Februar 2012 begründete Naschke den Verzicht auf einen Verkauf im Juli 2011 unter anderem so:

  • Wenn Balda bereits neun Monate nach dem Börsengang von TPK und unmittelbar nach Ablauf der Haltefrist die frei gewordenen Aktien vollständig verkauft hätte, sei mit „erheblichen Verwürfnissen am Markt“, zu rechnen gewesen – sprich: Der TPK-Kurs hätte gelitten.

Doch wenn die Aufsichtsräte tatsächlich derlei Sorgen geplagt hätten, hätten sie die auch schon bei der HV im Mai haben müssen. Stattdessen kündigte Balda auf der HV an, TPK-Aktien zu verkaufen. Im Juli waren die Verkaufspläne schon seit Wochen bekannt. Analysten gingen schon im März davon aus, dass Balda nach Ablauf der Haltefrist verkauft. Investoren wären also nicht überrascht worden.

Um Irritationen bei Investoren oder gar „Verwürfnisse“ machten sich Anfang Juli ja offenbar nicht einmal die Herren von TPK Sorgen: Finanzvorstand Freddie Liu schlug damals selbst vor, wie aus einem internen Dokument hervorgeht, dass Balda noch im Juli verkaufen solle. Die TPK-Manager hatten bereits Vereinbarungen mit Banken vorbereitet und einen Zeitplan erarbeitet.

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