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Balda-Aktionäre Vorsätzliches Vermeiden guter Geschäfte

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Naschke muss es gewusst haben

Wie viel Dividende Deutschlands Großaktionäre kassieren
Herz Quelle: dpa/picture-alliance
Celesio-Gebäude Quelle: dapd
Peter-Alexander Wacker Quelle: dpa/picture-alliance
August Baron von Finck und seine Frau Francine Quelle: dpa/picture-alliance
Metro-Fahnen Quelle: dapd
Günter Fielmann Quelle: dpa
Dietmar Hopp Quelle: dpa/picture-alliance

TPK sagt hierzu heute, Balda habe um technische Unterstützung beim Verkauf gebeten, etwa bei der Auswahl der Broker und regulatorischen Themen.

  • Der TPK-Kurs, so Naschke auf der HV 2012 weiter, sei in den Tagen vor der Ablehnung des Verkaufs stark gefallen. Es sei zu befürchten gewesen, dass Marktgerüchte über Baldas Verkaufspläne unmittelbar nach Ablauf der Haltefrist kursierten.

Als Naschke das sagte, musste er längst gewusst haben, dass das nicht stimmt. TPK-Finanzvorstand Liu persönlich hatte ihm im Juli die Gründe für den Kursverfall genannt: neben dem Auslaufen der Haltefrist von Balda auch Gerüchte darüber, dass TPK Marktanteile an einen Wettbewerber verlieren und die Margen unter Druck geraten könnten. Das alles hätte einen „perfekten Sturm“ verursacht, heißt es in internen Unterlagen. TPK will hierzu keine Stellungnahme abgeben, da die Korrespondenz zwischen dem Finanzvorstand und Balda geheim gewesen sei.

  • Naschkes drittes Argument zieht ebenfalls nicht. Laut Hauptversammlungsprotokoll sagte er, es habe damals „an einer vollständigen Ausarbeitung der vertraglichen Dokumentation“ gefehlt und keinen klaren Zeitplan gegeben.

Seltsamerweise findet sich im Protokoll der Aufsichtsratssitzung vom 14. Juli 2011 kein einziger Hinweis darauf, dass die Verträge für den Aktiendeal mangelhaft gewesen seien. Im Gegenteil: Am selben Tag verwies Naschke an anderer Stelle darauf, dass die mit den Banken ausgehandelten Verträge noch genutzt werden könnten. Naschke äußert sich dazu nicht. Eine Aufarbeitung habe bereits stattgefunden. Wenn weitere Fragen bestünden, seien „diese intern aufzuarbeiten“.

Chiang ist sehr dominant aufgetreten

Wenn es weder die Angst vor Kursverlusten der TPK-Aktie noch mangelhafte Dokumente waren – wer oder was brachte den Balda-Aufsichtsrat dann dazu, den TPK-Verkauf zu verschieben – zulasten der eigenen Aktionäre, die letztlich weit über 100 Millionen Euro weniger erlösten?

Wer dieser Frage nachgeht, landet bei TPK-Chef Michael Chiang, dessen Ehefrau zuletzt 27 Prozent von Balda kontrollierte. Ein Insider sagt, Chiang sei sehr dominant aufgetreten, auch gegenüber Vorständen. Bei Balda brachte ihm dies den Spitznamen „Napoleon“ ein. „Auf mich wirkte er, als sei er der Boss“, sagt ein Insider.

Bei der Balda-HV im Mai 2011 hatte Chiang den von sechs auf drei Personen reduzierten Aufsichtsrat faktisch gekapert. Neben Naschke saßen dort fortan Chun-Chen Chen, der für eine Chiang-Firma arbeitete, und Yu-Sheng Kai, ein Berater von TPK. „Brisant“ nannte es Warburg-Analyst Jochen Reichert, dass „zwei der drei neuen Mitglieder dem Umfeld von Michael Chiang zuzurechnen sind.“ Das Balda-Management gehe aber davon aus, „dass der neue Aufsichtsrat den eingeleiteten Verkaufsprozess nicht aufhalten wird“, so Reichert.

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