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Balda-Aktionäre Vorsätzliches Vermeiden guter Geschäfte

Warum Kunststoffbauer Balda seine Anteile am Apple-Zulieferer TPK viel zu spät verkaufte – zum Schaden der eigenen Aktionäre. Anleger fühlen sich verraten, interne Dokumente stützen die Vorwürfe.

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Baldas Beteiligung am Apple-Zulieferer TPK war für den Bielefelder Kunststoffteile-Produzenten eine Goldgrube. Verkauft wurden die Anteile aber viel zu spät, weil der Aufsichtsrat blockierte. Quelle: dpa

Balda-Aktionäre sind Kummer gewohnt. Die Aktie, von der Nord/LB zu 24 Euro an den Neuen Markt gebracht und an brave ostwestfälische Sparkassen-Kunden verkauft, fiel zeitweise auf 21 Cent. Fünf Mal binnen zwei Jahren wurden Aktionäre zur Hauptversammlung (HV) gebeten. Es gab das volle Programm: Rücktrittsforderungen, Beschuldigungen, Geschrei – und einen Aktionär, der sich von Bodyguards beschützen ließ. Beim letzten Treffen im Bielefelder Ringlokschuppen hing an der Garderobe ein Hinweis, dass dort Ohrenstöpsel zu beziehen seien. Der Service könnte auch bei der Hauptversammlung an diesem Dienstag nachgefragt werden.

Dass Baldas einstiges Kerngeschäft – Plastikgehäuse für Handys von Nokia & Co. – mausetot ist; dass Balda, die zu Glanzzeiten 400 Millionen umsetzten, zuletzt nur noch 60 Millionen einnahmen, wirft keinen Aktionär mehr um. Balda verkauft heute Tablettenspender, Pipetten und Inhalatoren: wenig aufregend, nicht der Rede wert. Trotzdem aber kostet Balda an der Börse stolze 318 Millionen Euro; und trotzdem könnten Ohrenstöpsel auf der HV gut ankommen.

Aufsichtsrat kostete Millionen

Etwa dann, wenn ein spektakulärer Coup zur Sprache kommt, der Balda 480 Millionen Euro in die Kassen spülte. Im Februar 2012 hatte Balda begonnen, seinen 16-Prozent-Anteil am taiwanesischen Apple-Zulieferer TPK zu verkaufen. Die TPK-Aktie notierte damals um 486 Taiwan-Dollar (TWD), rund 11,80 Euro. Doch Balda hätte sehr viel mehr erlösen können, wenn das Unternehmen – wie ursprünglich geplant – bereits 2011 zu Spitzenkursen von bis zu 876 TWD verkauft hätte.

Der von TPK nahe stehenden Vertretern durchsetzte Balda-Aufsichtsrat aber hatte einen Verkauf des TPK-Pakets 2011 mehrfach blockiert (siehe Grafik). Balda-Aktionär Octavian witterte daraufhin Verrat. „Dieser Aufsichtsrat hat die Aktionäre 350 Millionen Euro gekostet“, sagte Octavian-Chef Richard Hurowitz. Die Mitglieder des Aufsichtsrats wiesen die Vorwürfe zurück.

Durch den verspäteten Verkauf der TPK-Aktien gingen Balda hohe Verkaufserlöse verloren. (Für eine vollständige Ansicht bitte anklicken)

Unterlagen, die der WirtschaftsWoche jetzt vorliegen, legen aber nahe, dass der Octavian-Chef recht haben könnte. Sie zeigen, dass TPK-Chef Michael Chiang und sein Finanzvorstand Freddie Liu Druck auf Vorstand und Aufsichtsrat von Balda ausübten, um einen schnellen Verkauf zum damals hohen TPK-Kurs zu verhindern. Sie zeigen auch, dass der Aufsichtsrat ein Angebot ablehnte, das Balda die Möglichkeit bot, TPK-Aktien noch im Frühherbst 2011 zu einem guten Preis zu verkaufen. Balda-Vorstand Oliver Oechsle, seit Oktober im Amt, will den Vorgang nun prüfen.

Es war unklar, wer wem etwas zu sagen hat

Rückblick: Im Sommer 2006 war Balda in Not. In der Handybranche tobte ein Preiskampf, Balda schrieb rote Zahlen. Mit Michael Chiang aber hatten die Deutschen einen brillanten Asienchef. Der hatte – seltsam genug, dass ihm sein Job bei Balda die Zeit dafür ließ – quasi nebenbei das familieneigene Unternehmen TPK hochgezogen, das berührungsempfindliche Bildschirme (Touch-Screens) entwickelte. Mit seinem ersten Touch-Screen-iPhone rollte Apple wenig später den Handymarkt auf.

Balda beteiligte sich mit 50 Prozent an Chiangs TPK. Chiangs Familie erhielt im Rahmen weiterer Geschäfte rund um TPK 15 Prozent an Balda, stockte später auf und hielt zuletzt rund 27 Prozent.

Kontrolliert wurden die Balda-Aktien von einer Gesellschaft, die laut Balda Chiangs Gattin gehörte. Wer hier wem etwas zu sagen hatte, blieb unklar. Michael Naschke, Ex-Aufsichtsratschef von Balda, verneinte vor einigen Monaten einen möglicherweise hohen Einfluss von Chiang auf Balda und wies darauf hin: Nach taiwanesischem Eherecht könne Chiang seiner Gattin keine Weisungen erteilen.

Mehrere Verkaufsversuche

Baldas Ex-Aufsichtsratschef Michael Naschke blockierte den Verkauf der TPK-Aktien, Balda gingen Millionen durch die Lappen. Im September 2013 warf er hin Quelle: dpa

2007 bekam TPK den Auftrag, die Bildschirme für Apples iPhone zu produzieren. Balda aber flog das Geschäft mit Handyschalen um die Ohren. In der Not verkaufte Balda TPK-Aktien.

Zum Beispiel an Chiang, der Balda 2008 zwölf Prozent abkaufte und hierfür inklusive verrechneter Kredite zehn Millionen Euro zahlte sowie Balda fünf Prozent an einer Holding überließ, die bemessen am Eigenkapital, knapp sechs Millionen Euro wert waren.

Der Preis erscheint äußerst günstig. Im Folgejahr verkaufte Balda weitere 17 Prozent an TPK für stolze 92 Millionen Euro an institutionelle Anleger. Das entspricht dem Vierfachen dessen, was Chiang gezahlt hat. Balda gab hierzu keine Stellungnahme ab.

Als TPK im Oktober 2010 an die Börse ging, war Balda nur noch mit 16 Prozent an dem Milliardenunternehmen beteiligt. Und auch diese Aktien sollten weg. Balda brauchte Geld.

Erster Verkaufsversuch (Juli 2011)

Auf der Hauptversammlung im Mai 2011 kündigte der damalige alleinige Balda-Vorstand Rainer Mohr an, die TPK-Aktien noch im selben Jahr zu veräußern.

Der Zeitpunkt schien optimal. Im Frühjahr lag der Kurs zeitweise über 900 TWD, und war damit mehr als viermal so hoch wie beim Börsengang. Verglichen mit Konkurrenten, war die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,5 laut einem Researchbericht der Berenberg Bank vom März schon recht teuer; ein weiterer Kurssprung schien unwahrscheinlich.

Im Juli und Oktober 2011 liefen Haltefristen für die Aktien aus. Dann konnte Balda raus. Umso erstaunlicher ist es, dass der Aufsichtsrat sieben Wochen nach der HV den Verkauf der Aktien ablehnte. Die Argumente, mit denen Aufsichtsratschef Naschke später den raschen Stimmungswechsel erklärte, klingen konstruiert und sind teilweise widerlegbar.

Laut Protokoll der HV vom Februar 2012 begründete Naschke den Verzicht auf einen Verkauf im Juli 2011 unter anderem so:

  • Wenn Balda bereits neun Monate nach dem Börsengang von TPK und unmittelbar nach Ablauf der Haltefrist die frei gewordenen Aktien vollständig verkauft hätte, sei mit „erheblichen Verwürfnissen am Markt“, zu rechnen gewesen – sprich: Der TPK-Kurs hätte gelitten.

Doch wenn die Aufsichtsräte tatsächlich derlei Sorgen geplagt hätten, hätten sie die auch schon bei der HV im Mai haben müssen. Stattdessen kündigte Balda auf der HV an, TPK-Aktien zu verkaufen. Im Juli waren die Verkaufspläne schon seit Wochen bekannt. Analysten gingen schon im März davon aus, dass Balda nach Ablauf der Haltefrist verkauft. Investoren wären also nicht überrascht worden.

Um Irritationen bei Investoren oder gar „Verwürfnisse“ machten sich Anfang Juli ja offenbar nicht einmal die Herren von TPK Sorgen: Finanzvorstand Freddie Liu schlug damals selbst vor, wie aus einem internen Dokument hervorgeht, dass Balda noch im Juli verkaufen solle. Die TPK-Manager hatten bereits Vereinbarungen mit Banken vorbereitet und einen Zeitplan erarbeitet.

Naschke muss es gewusst haben

Wie viel Dividende Deutschlands Großaktionäre kassieren
Herz Quelle: dpa/picture-alliance
Celesio-Gebäude Quelle: dapd
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August Baron von Finck und seine Frau Francine Quelle: dpa/picture-alliance
Metro-Fahnen Quelle: dapd
Günter Fielmann Quelle: dpa
Dietmar Hopp Quelle: dpa/picture-alliance

TPK sagt hierzu heute, Balda habe um technische Unterstützung beim Verkauf gebeten, etwa bei der Auswahl der Broker und regulatorischen Themen.

  • Der TPK-Kurs, so Naschke auf der HV 2012 weiter, sei in den Tagen vor der Ablehnung des Verkaufs stark gefallen. Es sei zu befürchten gewesen, dass Marktgerüchte über Baldas Verkaufspläne unmittelbar nach Ablauf der Haltefrist kursierten.

Als Naschke das sagte, musste er längst gewusst haben, dass das nicht stimmt. TPK-Finanzvorstand Liu persönlich hatte ihm im Juli die Gründe für den Kursverfall genannt: neben dem Auslaufen der Haltefrist von Balda auch Gerüchte darüber, dass TPK Marktanteile an einen Wettbewerber verlieren und die Margen unter Druck geraten könnten. Das alles hätte einen „perfekten Sturm“ verursacht, heißt es in internen Unterlagen. TPK will hierzu keine Stellungnahme abgeben, da die Korrespondenz zwischen dem Finanzvorstand und Balda geheim gewesen sei.

  • Naschkes drittes Argument zieht ebenfalls nicht. Laut Hauptversammlungsprotokoll sagte er, es habe damals „an einer vollständigen Ausarbeitung der vertraglichen Dokumentation“ gefehlt und keinen klaren Zeitplan gegeben.

Seltsamerweise findet sich im Protokoll der Aufsichtsratssitzung vom 14. Juli 2011 kein einziger Hinweis darauf, dass die Verträge für den Aktiendeal mangelhaft gewesen seien. Im Gegenteil: Am selben Tag verwies Naschke an anderer Stelle darauf, dass die mit den Banken ausgehandelten Verträge noch genutzt werden könnten. Naschke äußert sich dazu nicht. Eine Aufarbeitung habe bereits stattgefunden. Wenn weitere Fragen bestünden, seien „diese intern aufzuarbeiten“.

Chiang ist sehr dominant aufgetreten

Wenn es weder die Angst vor Kursverlusten der TPK-Aktie noch mangelhafte Dokumente waren – wer oder was brachte den Balda-Aufsichtsrat dann dazu, den TPK-Verkauf zu verschieben – zulasten der eigenen Aktionäre, die letztlich weit über 100 Millionen Euro weniger erlösten?

Wer dieser Frage nachgeht, landet bei TPK-Chef Michael Chiang, dessen Ehefrau zuletzt 27 Prozent von Balda kontrollierte. Ein Insider sagt, Chiang sei sehr dominant aufgetreten, auch gegenüber Vorständen. Bei Balda brachte ihm dies den Spitznamen „Napoleon“ ein. „Auf mich wirkte er, als sei er der Boss“, sagt ein Insider.

Bei der Balda-HV im Mai 2011 hatte Chiang den von sechs auf drei Personen reduzierten Aufsichtsrat faktisch gekapert. Neben Naschke saßen dort fortan Chun-Chen Chen, der für eine Chiang-Firma arbeitete, und Yu-Sheng Kai, ein Berater von TPK. „Brisant“ nannte es Warburg-Analyst Jochen Reichert, dass „zwei der drei neuen Mitglieder dem Umfeld von Michael Chiang zuzurechnen sind.“ Das Balda-Management gehe aber davon aus, „dass der neue Aufsichtsrat den eingeleiteten Verkaufsprozess nicht aufhalten wird“, so Reichert.

Der TPK-Vorstand macht Druck

Deutsche sind die größten Finanz-Analphabeten Europas
53 Prozent ohne FinanzbildungMehr als die Hälfte der Deutschen gibt an, keine Finanzbildung erhalten zu haben. Dies ergab eine Umfrage der Ing-Diba in Zusammenarbeit mit Ipsos Marktforschung. Auf die Frage: „Haben Sie jemals Finanzbildung erhalten?“ antworteten 53 Prozent der Deutschen mit „Nein“, was die höchste Quote unter den befragten Ländern war. Für finanziell besser gebildet halten sich dagegen... Quelle: dpa
...die Polen. Dort antworteten nur 39 Prozent mit „Nein“. Auf Platz zwei landete Luxemburg. Dort gaben 42 Prozent an, keinerlei Finanzbildung erhalten zu haben. Quelle: dpa
Alle wollen sie, kaum einer kriegt sieIn Großbritannien fordern 88 Prozent der Befragten Finanzbildung in der Schule. Doch nur zwölf Prozent haben sie auch wirklich erhalten. In Deutschland wünschen sich 78 Prozent, dass Finanzbildung in der Schule vermittelt wird. Jedoch nur 18 Prozent bekamen diese auch in der Schule. Damit haben etwa 40 Millionen Erwachsene keinerlei Finanzbildung in der Schule erhalten. Quelle: dpa
Frauen kennen sich besser ausAuf die Frage: „Wer kann besser Geld verwalten, Mann oder Frau?“ antworteten in Deutschland 25 Prozent mit „Frau“ und 14 Prozent mit „Mann“. 54 Prozent gaben an, dass es keinen Unterschied gebe. Die größte Differenz bei dieser Frage gab es... Quelle: dpa
...in der Türkei. Dort sagten 46 Prozent, dass Frauen Geld besser verwalten könnten, 30 Prozent stimmten für die Männer. 20 Prozent gaben an, es gebe keinen Unterschied. In allen befragten Ländern lief es auf dasselbe hinaus: Frauen können es besser. Quelle: dpa
Die wenigsten Unterschiede zwischen Mann und Frau sahen die Luxemburger und die Österreicher. Hier gaben 58 Prozent an, dass es zwischen Männern und Frauen keinen Unterschied in der Finanzkompetenz gebe. Quelle: dpa
Die eigene Bank via Social Media kontaktieren? In Deutschland noch eine Seltenheit. Nur 20 Prozent der Deutschen gaben an, dass sie ihre Bank oft per Social Media ansprechen würden. 73 Prozent antworteten mit „selten/nie“. Anders ist dies dagegen in... Quelle: REUTERS

Ein frommer Wunsch. Denn der TPK-Vorstand machte vehement Druck: „Ich empfehle dringend“, schreibt Finanzvorstand Liu Mitte Juli den Balda-Leuten, dass der Aufsichtsrat sich so schnell wie möglich trifft. Die Ostwestfalen sollten verkünden, dass Balda kein Interesse daran habe, TPK-Aktien zum aktuellen Preis zu verkaufen und dass sie TPK als langfristiges Investment ansähen. Letzteres wäre glatt gelogen gewesen. Balda solle sagen, dass sie nicht unter Verkaufsdruck seien. „Ihr WERDET NICHT darüber sprechen“ mit welchem Preis ihr zufrieden wäret, so Liu. Damit sollte Balda helfen, den TPK-Kurs zu stabilisieren.

Infolge der massiven Spekulationen und Marktgerüchte, heißt es von TPK heute, habe das Unternehmen Balda vorgeschlagen eine Klarstellung zu veröffentlichen. „Die finale Entscheidung wurde aber stets vom Balda-Management und dem Aufsichtsrat getroffen.“ TPK hätte nicht in den Entscheidungsprozess von Balda eingreifen können und habe dies auch nicht gewollt.

Zweiter Verkaufsversuch (August 2011)

Balda-Vorstand Mohr beeindruckten die harschen Worte aus Taiwan wenig, den Aufsichtsrat offenbar schon. Im August 2011 wollte der Balda-Vorstand erneut TPK-Aktien verkaufen, „auch im Hinblick auf das nicht auszuschließende Risiko weiterer negativer Entwicklungen der TPK-Aktie“. Die Aktie fiel; der TPK-Gewinn schwächelte im Sommer erstmals leicht, im vierten Quartal 2011 brach er ein.

Der Aufsichtsrat lehnte den Vorschlag einen Tag später ab. Naschke begründete den Schritt später unter anderem damit, dass es keine konkreten Käufer gegeben habe. Man hätte der Börsenaufsicht mitteilen müssen, dass man die Anteile„sozusagen blind“ verkaufen wolle. Das hätte den Preis der TPK-Anteile erheblich unter Druck gesetzt und Balda geschadet.

Was Naschke nicht sagt: Balda arbeitete mit einer Investmentbank zusammen, der zufolge eine hohe Nachfrage von institutionellen Anlegern nach TPK-Aktien bestehe. Ob sie für die TPK-Aktien schon einen Käufer hatte, ist nicht bekannt.

Die Begründung, warum der Aufsichtsrat blockierte, scheint abermals vorgeschoben. Tatsächlich scheint er vor dem Druck der Chiang-Fraktion eingeknickt zu sein. TPK plante nach Informationen der WirtschaftsWoche damals schon eine Kapitalerhöhung. Ende September 2011 wurde diese auch offiziell angekündigt. TPK wollte dies nicht kommentieren. Hätte Balda zuvor Aktien verkauft, hätten Investoren naturgemäß weniger TPK-Aktien aus der Kapitalerhöhung nachgefragt.

In Taiwan lagen die Nerven offensichtlich blank. „Sagt nicht immer, dass ihr für den größtmöglichen Vorteil der Balda-Aktionäre kämpft“, wetterte Chiang im September 2011 in einem Brief, der unter anderem an Naschke ging, „ich kann euch sagen, das tut ihr nicht. Im Gegenteil.“ Weiter heißt es: „Ihr habt zu verstehen, dass das TPK-Team den Preistrend und das Timing kennt, nicht die deutsche Seite.“ TPK kann heute „derartige Aussagen von Herrn Chiang nicht bestätigen, da sie eindeutig nicht im Auftrag von TPK getätigt wurden“, und weist darauf hin, dass „niemand auf der Welt weiß, wie sich der Aktienkurs entwickelt“.

Nicht im Sinne der Balda-Aktionäre

So klappt die Geldanlage für Sparer ab 50
Keine langen LaufzeitenGeht es ums Sparen im Alter, müssen sich Anleger zunächst die Frage stellen, wie sie ihr Geld besser nicht anlegen sollten. Denn vor allem Sparprodukte, die sehr langfristig angelegt sind, sind für Ältere nicht geeignet. Zu hoch ist das Risiko, dass das Ende der Laufzeit nicht mehr erlebt wird. Die Riester-Rente hat beispielsweise eine Mindestlaufzeit von zwölf Jahren. Auch Schiffsfonds, die viele Rentner zeichneten, hatten oft eine lange Laufzeit. Anleger hätten teilweise über 100 Jahre alt werden müssen, um kündigen zu dürfen. Für Ältere sind flexiblere Anlagezeiträume wichtig, um im Notfall auf zusätzliche Liquidität zugreifen zu können. Quelle: dpa
SparstrumpfBei vielen Hausentrümpelungen findet er sich noch an: der gute alte Sparstrumpf. Zwar liegt die Idee eines Notgroschens unter dem Kopfkissen nah. Allerdings gibt es mittlerweile kaum noch Argumente für viel zu Hause gelagertes Bargeld. Denn die jüngste Geschichte und ihre Bankenrettungen durch den Staat haben bewiesen, dass eine Bank in Deutschland nicht so einfach Pleite geht. Plötzliche Bargeld-Knappheiten sind daher unwahrscheinlich. Langfristig verliert das Bargeld im Strumpf aufgrund der Inflation seinen Wert. Die entgangenen Zinsen fallen trotz der aktuellen Niedrigzinsphase zusätzlich ins Gewicht. Quelle: dpa
Geschlossene FondsGerade Senioren wurden in den letzten Jahren immer wieder von ihren Bankberatern in undurchsichtige, riskante geschlossene Fonds gelockt. Auch die Zertifikate der 2008 in die Insolvenz gerutschten US-Bank Lehman Brothers vertickten die Berater gerne an ältere Anleger, die ihrem langjährigen Ansprechpartner vertrauten. Gleiches gilt für Schiffsfonds, auch hier waren viele Senioren investiert. Von derart riskanten Papieren sollten Sie in jedem Fall die Finger lassen. Sie sind nicht nur zu intransparent, auch die Laufzeiten sind in der Regel für Senioren viel zu lange. Nur wer seine Geldanlage versteht, kann weiterhin ruhig schlafen. Quelle: dpa
Kredite abzahlenOberste Priorität für reifere Geldanleger sollte das Tilgen der Altkredite haben, wie beispielsweise Hypotheken auf Wohneigentum. Denn nur wer schuldenfrei ist, kann sich über den Aufbau des weiteren Vermögens kümmern. Quelle: AP
Rentenversicherung/SofortrenteWer als älterer Mensch viel angespart hat, kann auch eine Rentenversicherung abschließen, die sogenannte Sofortrente. Der Versicherte zahlt eine größere Menge Geld ein, aus diesem Topf wird dann ab sofort eine regelmäßige Rente gezahlt. Immerhin garantiert die Rentenversicherung eine lebenslange Zahlung, während etwa ein Banksparplan irgendwann ausläuft. Allerdings ist diese Form der Rentenvorsorge eine Wette auf ein langes Leben. Stirbt der Versicherte kurz nachdem er eingezahlt hat, ist das Geld futsch - die Reste eines Banksparplans könnten an die Nachkommen vererbt werden. Quelle: dpa
AktienAuch Aktien sind für Ältere eine gute Geldanlage, viele Senioren halten Papiere. Das wird spätestens auf den jährlichen Hauptversammlungen der Konzerne klar, die Senioren gerne als Ausflug mit Erbsensuppe und Bockwurst nutzen. Der Zeithorizont sollte beachtet werden, da möglicherweise nicht endlos Zeit bleibt, um ein Kurstief auszusitzen. Vergleichsweise sicher fahren ältere Anleger mit der Dividendenstrategie, bei der gezielt Titel mit einer hohen Dividendenrendite ausgewählt werden, wie Aktien des Schweizer Lebensmittelherstellers Nestlé oder des Rückversicherers Munich Re. Auf diese Weise bringen die jährlichen Ausschüttungen regelmäßige Renditen ins Depot. Und die Bockwurst gibt es als Bonus oben drauf. Quelle: dpa
Tages- und FestgeldTages- oder Festgeldkonten sind ein Klassiker unter den Geldanlagen von Senioren. Das Ersparte ist vergleichsweise sicher angelegt und - im Fall von Tagesgeld - auch täglich verfügbar. Allerdings drohen angesichts der niedrigen Zinsen und etwas Inflation real bei vielen Konten sogar Verluste. Denn die meisten Banken und Sparkassen geizen gerade bei den Zinsen. Wer eine erträgliche Rendite einfahren will, muss sich mit Hilfe der verfügbaren Tagesgeldrechner über die aktuell besten Angebote informieren und möglicherweise den Kontoanbieter wechseln. Oft sind es Direktbanken, die beim Tagesgeld die besten Zinsen bieten. Wer sein Geld bei einer ausländischen Bank parkt, sollte sich informieren, wie die Einlagensicherung geregelt ist. Diese greift im Fall einer Pleite der Bank in der Regel für Einlagen bis 100.000 Euro. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Balda-Vorstand Mohr aber versuchte weiter, die Aktien zu verkaufen. Im September 2011 legte er dem Aufsichtsrat einen Plan vor, den dieser im Interesse der Balda-Aktionäre nicht hätte ablehnen können. Eigentlich.

Der Vorschlag klingt nach Brandbrief: Da bisherige Verkaufsfenster „nicht genutzt wurden, hat sich der Ermessensspielraum“ derartig verengt, „dass Balda zwecks Vermeidung von etwaigen Organhaftungsvorwürfen nun handeln muss“. Er wolle einen Teil der Aktien noch vor der für Oktober geplanten TPK-Kapitalerhöhung verkaufen. Was den Vorschlag so verführerisch machte: Eine deutsche Großbank hatte verbindlich erklärt, Aktien zum aktuellen Kurs minus vier Prozent Abschlag zu platzieren. Weitere Aktien sollten dann mit TPK bei der Kapitalerhöhung verkauft werden.

Der Aufsichtsrat lehnte trotzdem ab. Er gab nur ein Okay zum Verkauf eines Pakets im Rahmen der TPK-Kapitalerhöhung, davor aber durfte der Vorstand keine Aktien platzieren. Analysten rochen Lunte. Zhancheng Li von Berenberg in London fragte in einer Studie, ob TPK fürchte, dass es nicht genug Nachfrage nach TPK-Aktien gebe, wenn man erst nach dem Verkauf durch Balda Kapital erhöhe. Er wunderte sich auch, warum Balda so wenig Aktien abgebe: „Gibt es einen Deal zwischen dem Management von Balda und dem von TPK?“

Börse



Im Sinn der Balda-Aktionäre wäre der sicher nicht gewesen. Schlussendlich wurde Balda seine Stücke erst ab 2012 los, als der Börsenkurs zeitweise mehr als 50 Prozent unter dem Kurs von Mitte Juli 2011 lag. Die Blockade des Aufsichtsrates dürfte die Balda-Aktionäre allein beim Aktienpaket, dessen Haltefrist im Juli auslief, rund 140 Millionen Euro gekostet haben.

Der neue Balda-Vorstand Oechsle sagt, er werde „den Sachverhalt prüfen lassen“. Unter Umständen würden mit Einzelfragen Sonderprüfer beauftragt. Die sollten auch an anderer Stelle graben: So verkaufte Balda einem Ex-Manager eine Tochter in Malaysia für einen Euro. Die Firma der Familie eines früheren Managers in China erhielt einen Kredit, um eine Balda-Tochter zu kaufen. Kurz darauf verzichtete Balda schon auf einen Teilbetrag.

Für Krach auf der Hauptversammlung ist damit erneut bestens gesorgt.

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