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Banca Monte dei Paschi Warum das die gefährlichste Bank Europas ist

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Wirtschaft fördern statt Fresken

Bisher unterscheidet sich Siena auch deswegen so angenehm von den freilichtmuseumartigen anderen Toskana-Städten, weil es dort jenseits der Touristenfolklore Leben gibt. Weil dort echte Menschen echter Arbeit nachgehen.

In der Stiftung glaubt man, das auch ohne Bank retten zu können. Und verweist gerne auf den Stadtrand. Dort hat sich, in der ganz und gar toskanaunverdächtigen Schlichtheit moderner Wirtschaftsförderer-Architektur ein Gebäudekomplex in die Landschaft gerumpelt. „TLS“, steht dort. Toscana Life Science. Einen siebenstelligen Betrag gibt die Stiftung hier in diesem Jahr, um die Brücke zwischen biowissenschaftlicher Forschung und Kommerz zu schlagen. Der US-Konzern Glaxo-Smith-Kline hat bereits eine Niederlassung angedockt.

„Draghi wird Italien ganz besonders beistehen, weil´s seine Landleute sind“

Gezieltes fördern und fordern statt Manna regnen zu lassen. So stellen sie sich die Toskana der Zukunft vor: Junge, engagierte Menschen entwickeln Ideen. Die Stiftung unterstützt die besten davon mit Geld, für zwei, vielleicht drei Jahre. Was dann nicht fliegt, soll eingestellt werden, Silicon Valley trifft Italianatá. Kultur, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaftsförderung, Wohlfahrt – das alles will man punktuell fördern. Aber nur noch Modernes. Keine Fresken aus dem 15. Jahrhundert mehr vergolden, kein Geld für Vergangenheit. Ab 2018 will Usai wieder fünf Millionen Euro im Jahr ausgeben. Fünf statt 150. Es gibt Menschen in der Stadt, die behaupten: Wenn man die ganzen unsinnigen Ausgaben abzieht, waren es ohnehin nie mehr Euro, die wirklich sinnvoll investiert wurden.

Wohlstand macht träge

„Wenn wir auch weniger Geld haben, haben wir immerhin den Geist unserer Leute“, hofft Usai auf einen Mentalitätswechsel. Immobilien, Beteiligungen an etablierten Unternehmen – alles, was nach Vergangenheit riecht, verkauft er in diesen Tagen.

Wohlstand macht träge, das haben sie in Siena gelernt. Jetzt muss die ganze Gesellschaft wieder lebendig werden. Die Chance dafür hat sie, auch wenn die Bank dieser Tage wieder ins Chaos trudelt. Noch herrscht relativer Wohlstand in der Stadt: Viele Familien besitzen mehrere Immobilie, viele bekommen Unterstützung aus der Rentner-Generation. Aber das ist ein flüchtiger Wohlstand: Er kann allenfalls eine Übergangszeit finanzieren, dann ist er aufgebraucht. Er muss jetzt für die richtigen Dinge aktiviert werden.

EU-Banken tief in der Krise

Ende Juli wird die EZB die Resultate des neuesten europäischen Bankenstresstests veröffentlichen. Niemand in Europa glaubt, dass die Banca Monte dei Paschi, an der der Staat schon jetzt mit vier Prozent der zweitgrößte Anteilseigner ist, ihn bestehen wird. Die Frage wird, davor oder danach, sein, ob man sich zu einem klaren Schnitt durchringt oder der italienische Staat dem Druck der Kaste nachgibt, und die Sterbefrist ein weiteres mal verlängert.

Monte war übrigens im mittelalterlichen Italien die Bezeichnung für einen staatlichen Schuldenberg. Wuchs der Monte so hoch, dass er nicht mehr zu bezwingen war, machte man etwas ganz einfaches: Man begann einfach, einen neuen Staatsschuldenberg anzuhäufen und nannte ihn „Monte Nuovo“.

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