Bank of Japan Japans Notenbank lockert Geldpolitik weiter

Während die Kollegen in den USA erstmals seit Jahren wieder die Zinsen anheben, bleibt Japans Notenbank auf ihrem Billiggeld-Kurs. Die aggressive Lockerung dürfte - wie in Europa - vorerst nicht aufhören.

Gouverneur Quelle: REUTERS

Japans Zentralbank hält die Geldschleusen weit geöffnet. Die Bank von Japan (BoJ) beschloss am Freitag nach dem Abschluss zweitägiger Beratungen, die Geldmenge unverändert um jährlich 80 Billionen Yen (rund 602 Mrd Euro) auszuweiten.

Zugleich wurde der Aufkauf von Staatsanleihen durch neue Maßnahmen ergänzt. So legte Tokioter Notenbank ein Programm auf, um Käufe von Papieren börsengehandelter Investmentfonds - sogenannten ETF (Exchange-traded funds) - um 300 Milliarden Yen pro Jahr zu erhöhen. Bisher wurden für ETF rund drei Billionen Yen jährlich aufgewendet.

Zudem verlängerte die BoJ die Laufzeit ihrer Bestände an Staatsanleihen ab dem kommenden Jahr auf sieben bis 12 Jahre. Bislang haben sie eine Laufzeit von sieben bis 10 Jahren. Auf diese Weise sollen die langfristigen Zinsen niedrig gehalten werden, damit Unternehmen leichter Kredite aufnehmen können.

Die größten Pleitestaaten der Welt
Norwegische Insel Quelle: dpa
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Brunnen am österreichischen Parlamentsgebäude Quelle: dpa
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Big Ben und Westminster Abbey Quelle: REUTERS
Eiffelturm und Feuerwerk Quelle: dpa
Vancouver Lake Quelle: AP
Platz 6: ItalienItaliens Schulden sind mit 2,75 Billionen Euro immens hoch. Schließlich ist das mehr, als die italienische Volkswirtschaft in einem Jahr erwirtschaftet. Die Schulden im Verhältnis zum BIP liegen bei 139,5 Prozent. Die 60,8 Millionen Italiener sind im Durchschnitt pro Kopf mit 46,757 US-Dollar (rund 45.000 Euro) verschuldet. Quelle: dpa
Platz 5: BelgienNoch höher sind die Schulden pro Einwohner allerdings in Belgien. Hier beträgt die Pro Kopf-Verschuldung 47.749 US-Dollar (44,338 Euro). Die absoluten Staatsschulden belaufen sich auf 375 Milliarden Euro. Das entspricht ziemlich genau der Wirtschaftsleistung des Landes. Quelle: dpa
Platz 4: SingapurDas asiatische Land gilt als wirtschaftlicher Vorreiter in der Region. Allerdings ist die Schuldenlast des 5,5-Millionen-Einwohner-Staates hoch: Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 56.980 US-Dollar (52,910 Euro). Insgesamt liegen die Staatsschulden bei 106,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Quelle: dpa
Platz 3: USAMehr als eine Billion Dollar Defizit stand in den Haushaltsbüchern der USA, als Obama Präsident wurde. Noch im letzten Jahr schoben die Vereinigten Staaten von Amerika einen gigantischen Schuldenberg in Höhe von 18,195 Billionen US-Dollar vor sich her - das waren 58,604 US-Dollar (54,418 Euro) pro Kopf. Mittlerweile hat sich das Haushaltsloch verringert. Wegen höherer Einnahmen und geringerer Ausgaben werde nun nur noch mit einem Defizit von 455 Milliarden Dollar (413 Milliarden Euro) gerechnet. Im kommenden Haushaltsjahr soll das Loch dann bei 429 Milliarden Dollar und damit bei 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Quelle: dpa
Platz 2: IrlandGetoppt wird die Pro-Kopf-Verschuldung nur noch von Irland und einem weiteren Land. Das Euro-Land hat infolge der Finanzkrise eine Pro-Kopf-Verschuldung von über 60,000 US-Dollar aufgebaut. Die Gesamtschulden betragen 121 Prozent des irischen BIP. Zahlen, über die der Spitzenreiten nur lachen kann... Quelle: dapd
Platz 1: JapanJapans Verschuldung beträgt inzwischen über zehn Billionen US-Dollar. Das sind 199 Prozent des BIP - oder 79,525 US-Dollar (73,844 Euro) pro Einwohner. Quelle: dpa

Nach Einschätzung von Experten will die Notenbank mit der Verlängerung der Anleihe-Laufzeiten demonstrieren, dass man vorerst beim Ankurbeln der Wirtschaft nicht nachlassen will. Das Vorgehen der Bank von Japan steht im Gegensatz zur Strategie der US-Zentralbank, die kürzlich erstmals seit 2006 die Zinsen wieder angehoben hatte. Ähnlichkeiten gibt es zum Verhalten der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Märkte ebenfalls weiterhin mit billigem Geld flutet.

Ob es zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik in Japan im Januar kommt, wie in Marktkreisen zuletzt spekuliert worden war, bleibt abzuwarten. Die Wirtschaft des Landes habe sich moderat erholt, befanden die Notenbanker. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Dank der Investitionsbereitschaft vieler Firmen konnte die japanische Wirtschaft im dritten Quartal ein Abrutschen in eine erneute Rezession vermeiden.

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Nach Berechnungen der Regierung legte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt zwischen Juli und September um eine hochgerechnete Jahresrate von 1,0 Prozent zu. Dennoch kommt Japans Konjunktur nicht richtig in Schwung, unter anderem weil die Verbraucher sparsam bleiben. Hinzu kommt der Verfall der Ölpreise, der es der BoJ erschwert, ihr Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen.

Die Tokioter Börse reagierte zunächst mit kräftigen Kursgewinnen auf die überraschende Entscheidung der BoJ. Der Nikkei-Index für 225 führende legte kurzzeitig um mehr als 2 Prozent zu, sackte danach aber in Folge von Gewinnmitnahmen wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 19 000 Punkten ab. Am Ende notierte er einen deutlichen Abschlag von 1,90 Prozent bei 18 986,80 Punkten.

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