Bankaktien Branchenweit "bunte" Bankgeschäfte

Bankpapiere sollten Anleger nach wie vor besser nicht mit der Kneifzange anfassen. Die Branche agiert völlig losgelöst von der Realwirtschaft.

Zentrale der britischen Großbank HSBC in Mexico City Quelle: REUTERS

Würden Sie Unternehmungen aus einer Branche Geld geben, aus der Mitglieder den internationalen Drogenhandel finanzieren, Mittel zur Terrorfinanzierung verschleiern, die mit Diktaturen wie dem Iran dealen? Die die wichtigsten Zinsparameter für ihre Geschäfte manipulieren und bei denen unbedeutende Mitarbeiter Milliarden verzocken, angeblich im Alleingang? Denen Gerichte bescheinigen, mit unsauberen Verträgen Kunden über den Tisch zu ziehen? Und die Staatshaushalten über Jahrzehnte Hunderte Milliarden an Steuereinnahmen vorenthalten, gebunkert in anonymen Konten, absichtlich versteckt in komplexen Konstrukten? Wahrscheinlich nicht.

Die Rede ist natürlich von der Lieblingsbranche Banken. Namentlich, in dieser Reihenfolge, von HSBC, Barclays, JP Morgan, der Deutschen Bank und Credit Suisse. Die Reihe ist aktuell, selbstverständlich unvollständig und lässt sich fast beliebig erweitern. Trotzdem gibt es immer noch genug Investoren, die bereit sind, Geld in solch, sagen wir der Einfachheit halber „bunte“ Unternehmungen zu stecken. Die von Steuerskandalen erschütterte Credit Suisse etwa will über verschiedene Wertpapiere 15,3 Milliarden Schweizer Franken an frischem Eigenkapital einwerben. Das kam an den Märkten prima an: Der Kurs legte binnen Kürze um knapp sieben Prozent zu. Warum auch immer. Anleger, die vor 20 Jahren die Aktie gekauft hatten, dürften kaum zugegriffen haben: Der Kurs liegt für sie auch nach einer Generation Wartezeit im Minus. Weshalb Aktionäre immer noch Geld in die aufgeblasene Branche stecken, ist generell rätselhaft.

Aktien auf dem Niveau von 1994

Der 46 europäische Banken umfassende Branchenindex Stoxx 600 Banks liegt auf dem Niveau von 1994. Sein Anteil an allen 600 Unternehmen und Banken, die sich im breit gefassten europäischen Aktienindex Stoxx 600 befinden, ist auf rund zehn Prozent geschrumpft. Das ist eine adäquate Relation. Nicht adäquat jedoch, wenn man die Bank-Bilanzsummen mit der Gesamtwirtschaft vergleicht. In allen europäischen Ländern übersteigen die Bankbilanzsummen das jeweils jährlich erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt. Die Spanne reicht vom knapp 1,5-fachen Faktor (Norwegen) über den gut dreifachen Faktor (Deutschland) bis hin zum gut Siebenfachen (Irland). Daran gemessen, sind Banken an der Börse entweder total unterbewertet oder die Bilanzen völlig überdimensioniert und von der Realwirtschaft losgelöst.

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Natürlich trifft letzteres zu. Anleiheinvestoren sind häufig schneller und schlauer als Aktienanleger. Erstere finanzieren immer weniger Banken. Im ersten Halbjahr 2012 brachten europäische Banken 40 Prozent weniger Anleihevolumen bei ihnen unter. Dabei sind Gläubiger von Banken wesentlich besser gestellt als deren Aktionäre. Warum also sich als Aktionär ausgerechnet ans Ende der Schlange stellen, um Bilanzlöcher (im Banken-PR-Jargon: „erhöhte Kapitalanforderungen“) zu stopfen? Da sind Papiere der Industrie nun wirklich besser – wenn auch nur relativ.

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