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Barron's Roundtable 2018 "Aktien sind so teuer, dass es wehtut"

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"Wenn Qualitätstitel in den Ausverkauf gehen, können Investoren profitieren"

Paul, welche Trends erwarten Sie?
Wick: Die Zinsen könnten steigen, aber das erklärt nicht alles. Seit 2000 hat sich in den USA die Zahl der börsennotierten Gesellschaften halbiert. Entsprechend positiv ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage an der Börse. Nach der Kapitalrückführung durch die Steuerreform werden Unternehmen mehr Geld in Akquisitionen, Aktienrückkäufe, Dividenden und den Schuldenabbau stecken. Das wird gerade für Techaktien vorteilhaft. Die Techindizes könnten 10 bis 15 Prozent zulegen.

Wir sehen keinen Boom bei Börsengängen. Ist ein Top an der Börse dennoch denkbar?
Ellenbogen: Ja, weil es anderswo überschäumen könnte. Wir befinden uns im drittlängsten Aufwärtstrend der vergangenen 100 Jahre, aber die breite Masse greift nicht begeistert zu. Die Energie ist in andere Märkte gegangen, etwa in Bitcoin. Die Macht der großen Plattformkonzerne dämpft das Anlegerinteresse an jungen Wachstumsfirmen, die den Giganten Konkurrenz machen könnten. So sichern sich die Giganten Marktanteile auch in neuen Innovationsfeldern. Zudem kommen junge Unternehmen dank Finanzinvestoren länger ohne Eigenkapital von der Börse klar.

Wick: Auch, weil Investmentfonds und Hedgefonds die Bewertungen außerhalb der Börse in astronomische Höhen getrieben haben. Softbank etwa will 90 Milliarden Dollar in Start-up-Firmen investieren.

Die Investmentideen von Anlageguru Oscar Schafer

Meryl, haben Sie eine Prognose?
Meryl Witmer: Ich erwarte viele Umschichtungen zwischen den Sektoren. Wenn Qualitätstitel in den Ausverkauf gehen, können Investoren profitieren.

Gabelli: Ich glaube wie Meryl, dass man mit Einzeltiteln gut fahren kann.

Cohen: Der Aktienmarkt hat noch Luft nach oben, aber die hohen Bewertungen erlauben keine bösen Überraschungen, etwa Turbulenzen am Anleihenmarkt. Wir haben uns so sehr an niedrige Zinsen gewöhnt, dass selbst kleine Änderungen schon sehr unangenehm werden könnten. Auch der zunehmende Protektionismus ist bedenklich. Die USA ziehen sich aus den Gesprächen über freien Welthandel zurück. Ein schwerer Fehler.

Könnte eine Verkaufswelle durch passive Investmentstrategien verschärft werden, durch Fonds, die automatisch Aktien aus einem Index kaufen?
Gundlach: Ja. Das Herdenverhalten hat den Trend zu Indexfonds und Robo-Advisors, die auf Indexfonds basierende Anlagestrategien bieten, bestimmt. Wenn der Markt dreht, rennt die Herde auch – nur in die andere Richtung.

Ellenbogen: Abwärtstrends werden durch Indexfonds und automatisierte Anlageentscheidungen verschärft. Die Kurse fallen so lange, bis sie für aktiv handelnde Manager attraktiv werden.

Gundlach: Amen. Zeigen Sie mir die Käufer, wenn das große Anleiheangebot auf den Markt drängt. Notenbanken werden das nicht sein, die werden verkaufen. Und Unternehmen, die gerade Kapital heimgeholt haben, werden es nicht für den Kauf von Staatsanleihen einsetzen. Also, wer kauft?

Ellenbogen: Neue Käufer werden kommen, aber erst nach hohen Abschlägen.

Die Investmentideen von Anlageguru Paul Wick

Wenn die Zinsen steigen und die Kurse fallen, wohin sollte man als Anleger flüchten?
Gabelli: Das hängt vom Alter ab. Leute, die den Aktienmarkt timen wollen, schaffen es nie, rechtzeitig wieder einzusteigen.

Black: Wenn man am Aktienmarkt investiert bleibt und die kurzfristigen Aufs und Abs ausblendet, kann man die Zyklen aussitzen.

Gabelli: Sinnvoll ist, zu einem vernünftigen Kurs in gute Unternehmen zu investieren, die Preismacht haben.

Gundlach: Ist niemand für Cash? Eine zweijährige Staatsanleihe mag langweilig sein. Aber sie läuft nach zwei Jahren aus. Dann kann man das Geld wieder neu investieren.

Die Investmentideen von Anlageguru Meryl Witmer

Niemand hat über Schwellenländer geredet. Dort war 2017 mehr zu holen als in den USA. Gibt es da noch Chancen?
Cohen: Absolut. In China wird das Wachstum etwas nachlassen, aber langfristig über sechs Prozent pro Jahr liegen. Mit dem Wachstum der chinesischen Mittelschicht bieten sich interessante Chancen. Auch Indien ist interessant, aber viele Aktien dort sind nicht mehr preiswert. Südkorea dagegen ist unterbewertet.

Gundlach: Die Schwellenländer haben sich gut entwickelt. Insgesamt sind Aktien dort preiswert. Wer mit Glück Ende 2015 in die Schwellenländer eingestiegen ist, kann dabeibleiben. Die nächste große Bewegung des Dollar wird nach unten gehen. Damit fällt eines der größten Risiken für Schwellenländer weg. Vor einem Jahr habe ich einen indischen Aktienfonds empfohlen, der sich gut entwickelt hat. Derzeit würde ich ihn nicht empfehlen, aber auch nicht verkaufen. Denn wer verkauft hat, schafft es nicht, rechtzeitig wieder einzusteigen, wie Mario gesagt hat.

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