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Beats-Übernahme Warum Apple teure bunte Kopfhörer kauft

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Apple kann nicht negativ überraschen

Keine Krise in Sicht. Für eine Großansicht bitte auf das Bild klicken

Analyst Mewawalla hat die jüngste Studie „Warum Apple wieder steigen wird“ überschrieben. „Machen wir Tabula rasa“, fordert er, „was haben wir? Wir haben ein hoch profitables Unternehmen, das noch immer wächst; wir haben weiter steigende Gewinne, wenn auch langsamer als zuletzt, und wir hatten sehr lange kein neues Produkt.“ Apple könne kaum noch negativ überraschen. Gerd Häcker, Leiter Portfoliomanagement beim Vermögensverwalter Huber, Reuss, Kollegen, sieht das ähnlich: „Apple hat ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von nur 11,5 – das wäre die angemessene Bewertung für ein Unternehmen, das überhaupt nicht mehr wächst.“

Doch Apple wächst, wenn auch langsamer als in den besten Jahren: Nach 108 Milliarden Dollar Umsatz 2011 waren es 2012 schon 157 Milliarden (plus 45,4 Prozent) und 2013 171 Milliarden (plus 8,9 Prozent). Für 2014 schätzen Analysten 181 Milliarden Dollar Umsatz, immerhin 5,8 Prozent Zuwachs. Der Gewinn je Aktie kletterte seit 2011 von 27,7 auf fast 39,8 Dollar; für 2015 werden 42,8 erwartet. Vor allem passe das Apple-KGV nicht zum Gesamtmarkt: „Aktien sind zurzeit nicht günstig; der S&P 500 Index hat ein KGV von 17,5, der Dax von 17,7“, sagt Häcker, „Apple wird als überdurchschnittlich wachsendes und profitables Unternehmen mit einem Abschlag von fast 40 Prozent auf den Markt bewertet.“ Fondsmanager Dreide, der abwechselnd am Bodensee und im Silicon Valley arbeitet, meint: „Würde Apple nicht High-Tech-Produkte, sondern, wie in dem alten Gag im Film ,Forrest Gump‘, tatsächlich Äpfel produzieren, wäre die Aktie derzeit 50 bis 60 Prozent teurer.“

Nackte Zahlen sprechen für Apple
Wichtige Kennzahlen Apples im Vergleich zu den größten Wettbewerbern
AktieAppleSamsung*Lenovo*
ISIN US0378331005US7960508882US5262501050
Kurs (in Euro)407,35484,6116,16
Börsenwert2354.018122.7968.628
Umsatz 20132130.301108.97826.320
Gewinn 2013227.89812.337491
Gewinn/Aktie30,52 Euro77,87 Euro0,05 Euro
KGV 2014 (1)11,59,914,1
KUV (2)2,61,20,3
Cash/Aktie33,34 Euro162,98 Euro0,27 Euro
Cash-Flow39.861 Mill. Euro19.572 Mill. Euro50 Mill. Euro
Kurs/Cash-Flow8,16,3158,1
Kurs/Buchwert3,41,53,9
Dividende2,6 %1,3 %2,3 %
Empfehlung kaufenkaufen verkaufen 
* an westlichen Börsen gehandelter Anteilsschein; 1 = Kurs-Gewinn-Verhältnis laufendes Jahr, geschätzt; 2 Kurs-Umsatz-Verhältnis, 2013, gesch.; Quelle: Bloomberg, Unternehmensangaben

Er verweist auf die Aktien von Lebensmittelproduzenten wie Nestlé, die derzeit durch die Bank hohe KGVs (zwischen 18 und 22) aufweisen. Die üblichen Erklärungen dafür sind deren „Gewinnqualität“ und „verlässliche Dividenden“. Klar: Für Stabilität und zuverlässige Ausschüttungen zahlen viele Anleger einen Aufpreis. Nur: Apples Gewinnqualität (dessen Höhe, die Wachstumsrate und die Abwesenheit negativer Überraschungen) ist sogar höher als die der Nahrungsmittelkonzerne. In zehn Jahren stieg der Gewinn neun Mal, der Umsatz jedes Jahr. Dreide: „Da passt etwas nicht zusammen. Auch die Margen im Geschäft mit überteuerten Kaffeekapseln sind schließlich nicht auf Dauer haltbar.“

Mehr Geld für Innovationen

Noch gar nicht berücksichtigt ist dabei Apples Cash-Reichtum: 150 Milliarden Dollar liquide Mittel hatten die Kalifornier zuletzt; das entspricht etwa der Wirtschaftsleistung 2013 von Neuseeland oder Rumänien. Cook hat jetzt zwar eine Dividendenerhöhung und weitere Aktienrückkäufe angekündigt. Doch selbst wenn das den Cash-Berg etwas erodiert – Apple bleibt das reichste Unternehmen der Welt. Rechnete man das Cash aus dem KGV heraus – man kauft das Bargeld an der Börse schließlich mit – sänke das KGV auf acht.

Vor allem kann Apple mit dem Geld einiges anfangen: „Apple kann mehr in Forschung und Entwicklung stecken als irgendein anderer Hersteller“, sagt James Cordwell, Analyst bei Atlantic Equities; nicht einmal Samsung habe ein solches Budget. Wenn alle Stricke reißen, könnte Apple neue Technologie auch einfach kaufen. Hedgefondsmanager David Einhorn und der Milliardär Carl Icahn fordern Dividendenerhöhungen. Zuletzt schüttete Apple drei Dollar pro Quartal und Aktie aus. Am Mittwoch versprach Cook eine Erhöhung auf 3,30 Dollar. Doch die Ausschüttungsquote (Anteil des Nettogewinns, der in Dividenden fließt) liegt noch immer bei rund 30 Prozent – ausbaufähig.

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