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Beats-Übernahme Warum Apple teure bunte Kopfhörer kauft

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Die Probleme von Beats

Dessen Problem: Er wird zwar in der Branche und von Labels hoch gelobt wegen seiner kreativen Menüführung und Vorschlags-Algorithmen; er ist aber weltweit nicht unter den größten Fünf der Branche. Der Umsatz mit Streaming wird auf rund drei Millionen Dollar pro Monat geschätzt; 90 Prozent des BE-Umsatzes kommen also noch aus den Kopfhörern, die zwischen 170 und 400 Dollar das Stück kosten. Für den globalen Massenmarkt scheinen sie somit weniger gut geeignet.

BE ein reiner Panikkauf?

Vieles spricht also dafür, dass BE für Apple ein Panikkauf ist. Der einflussreiche Apple-Anlayst Gene Munster sagt:  “Wir haben so unsere Probleme, den wirtschaftlichen Nutzen hinter so einem Deal zu sehen. Beats Electronic würde zwar eine Premiummarke mehr ins Apple-Produktportfolio bringen, aber Apple ist ja bereits sehr wirksam als Premiummarke positioniert.”

Doch möglichweise war es für Apple schon eine der letzten Gelegenheiten, sein bereits rückläufiges digitales Musikgeschäft zu retten. „Mit dem Trend zum Streaming einher geht ein verändertes Nutzerverhalten“, sagt Moore, „Kunden wollen ihre Musik heute überall hören, nicht mehr nur im heimischen Wohnzimmer, ohne den starken generellen Trend in der IT hin zu mobilen Internetgeräten wie dem Smartphone oder Tablet wäre auch der Streamingboom nicht so stark.“

Auf dem Smartphone spielt die Musik

Umgekehrt ist Musik der perfekte Inhalt, mit dem Premium-Smartphone-Hersteller wie Apple  langfristig Kunden an sich binden können. „Apple unterscheidet sich je gerade durch  sein reichhaltiges Produktuniversum um die eigene Hardware herum – Musik, Software, Apps, Filme – von reinen Hardwareherstellern wie Samsung oder HTC und nutzt diese Dinge sehr effizient, um Kunden an sich zu binden“, sagt Analyst Munster, „fiele dieses Argument weg, wären auch die Apple-Margen in Gefahr. Musik ist daher kritisch für Apple: Zukunftsfähig oder nicht?“

Denn um Apple, mit 380 Milliarden Euro Börsenwert das wertvollste Unternehmen der Welt, ist ein heftiger Streit entbrannt. Kritiker bemängeln, dass Apple seit Jahren kein wirklich neues Produkt geliefert hat, wie sie unter Jobs reihenweise aus den Laboren kamen: erst der Musikplayer iPod, dann das iPhone, schließlich der Minicomputer iPad. Asiatische Konkurrenten wie Samsung, Lenovo, HTC und Huawei seien „wie eine Schar Piranhas hinter Apples Märkten her“, schreibt der Branchenblog Cult Of Android.

Die Hetzjagd zeigt an der Börse Wirkung: Die Aktie fiel vom Hoch im September 2012 bei fast 700 Dollar um fast 30 Prozent, notierte am Mittwoch bei nur noch 530 Dollar. Viel zu billig, sagen die Apple-Bullen. Auch sie haben gute Argumente: Der Gewinn wächst Jahr für Jahr, und kein anderes Unternehmen der Welt generiert auch nur annähernd so viel Cash: Über 150 Milliarden Dollar hat der Gigant auf der Bilanz. Das, so die Befürworter, reiche, um mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren als die Konkurrenz, notfalls neue Technik einzukaufen und die Dividende aufzustocken.

Mehr als zwei Jahre nach Jobs’ Tod hadert der Kapitalmarkt noch immer mit Cook. Ein neues Buch heizt in den USA die Diskussion an. „Haunted Empire“ von Yukari Kane geriet zur Generalabrechnung. Jobs’ Nachfolger sei ein knochentrockener Zahlenmensch, unter dem die 75 000 Apple-Mitarbeiter weniger motiviert seien. Cooks Augenmerk gelte vorrangig dem Drücken der Zulieferfirmen, nicht dem Design neuer Produkte. Cook konterte, das sei „Unsinn“. Buchautorin Kane verstehe weder ihn noch Jobs, noch Apple.

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