Berkshire Hathaway Star-Investor Buffet warnt vor zu teuren Unternehmen

Die hohen Bewertungen von Unternehmen bereiten dem Star-Investor Kopfzerbrechen. Anleger warnt er in seinem Aktionärsbrief davor, Aktien auf Pump zu kaufen.

Er wolle künftig weniger reisen und sich stärker auf den eigenen Konzern konzentrieren, hieß es. Quelle: Reuters

New YorkSeit Jahren ist Warren Buffett auf der Suche nach der perfekten Übernahme. Ein großes Unternehmen sollte es sein, denn nur so kann es sich deutlich auf die Bilanz seines Konglomerats Berkshire Hathaway auswirken, das mit einem Marktwert von 500 Milliarden Dollar einer der größten börsennotierten Konzerne Amerikas ist. Die Suche hat er einst mit einer Elefantenjagd verglichen. Er habe stets den Finger am Auslöser seines Elefantengewehrs. Doch Buffett kommt nicht zum Zug.

Vor einem Jahr wollte er gemeinsam mit der brasilianischen Beteiligungsgesellschaft 3G den britischen Konsumgüterkonzern Unilever übernehmen und mit Kraft Heinz fusionieren – für die Rekordsumme von 143 Milliarden Dollar. Doch daraus wurde nichts, weil Unilever sich wehrte und Buffett feindliche Übernahmen grundsätzlich ablehnt.

Im Sommer dann scheiterte ein vergleichsweise kleinerer Deal. Beim Kauf des texanischen Stromanbieters Oncor für neun Milliarden Dollar wurde Buffett in letzter Minute überboten – ausgerechnet von Hedgefund-Manager Paul Singer. Buffetts Aversion gegen Hedgefonds, über die er seit Jahren offen spricht, wird das nicht geschmälert haben.

Buffett wird ungeduldig. Gern würde er in diesem Jahr einen großen Deal abschließen, schrieb der Berkshire-Chef am Samstag in seinem viel beachteten Brief an die Aktionäre. Die nötigen Mittel dazu hätte er. Berkshires Barreserven beliefen sich Ende vergangenen Jahres auf 116 Milliarden Dollar. Damit sind sie so hoch wie nie zuvor und liegen knapp 30 Milliarden Dollar über dem Vorjahresniveau. Hinzu kommt etwa noch einmal so viel in Einnahmen aus Versicherungsprämien, die Berkshires Versicherungsgeschäft generiert und die der legendäre Investor klassischerweise ebenfalls für Übernahmen und Aktienkäufe nutzt.

„Diese außerordentlich große Menge an Liquidität bringt uns nur Almosen ein“, räumte Buffett gegenüber seinen Aktionären ein. Die Reserven hält Berkshire in bar und in US-Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit. Durch eine große Übernahme könnte Berkshire den Überschuss „in deutlich produktivere Assets lenken“, so der Berkshire-Chef. Doch Buffett ist kniepig.

Die hohen Preise, die derzeit vorherrschen, „waren ein Hindernis bei praktisch allen Deals, die wir 2017 angeschaut haben“, monierte er. „Preise für Unternehmen, die zwar attraktiv, aber keineswegs spektakulär sind, waren auf einem Allzeithoch. Es scheint, als seien Preise fast irrelevant für die Armee von optimistischen Käufern da draußen.“ Berkshires Erfolg beruht seit Jahrzehnten darauf, dass Buffett gemeinsam mit seinem stellvertretenden Verwaltungsratschef Charlie Munger unterbewertete Unternehmen findet, die langfristig erfolgreich sind. Doch davon gibt es in Zeiten niedriger Zinsen nur sehr wenige.

Berkshire profitierte im vergangenen Jahr jedoch deutlich von der US-Steuerreform, die Ende 2017 von Präsident Donald Trump verabschiedet wurde. Die Reform senkt die Unternehmensteuer von 35 auf 21 Prozent und begünstigt vor allem Unternehmen, die wie Berkshire einen Großteil ihres Gewinns in den USA erwirtschaften. Der Nettogewinn hat sich im vierten Quartal dadurch fast verfünffacht und lag bei 32,6 Milliarden Dollar.

Aufs Jahr gesehen kletterte der Berkshire Gewinn damit um 88 Prozent auf 45 Milliarden Dollar. Die Berkshire-Aktie der Klasse A legte 2017 in einem insgesamt starken Markt ebenfalls deutlich zu. Sie stieg um 22 Prozent und durchbrach Ende 2017 zum ersten Mal die Rekordmarke von 300.000 Dollar.


Rückschlag für Versicherer

Doch nicht überall lief es rund. Das Versicherungsgeschäft, eines der wichtigsten Standbeine des Konzerns aus Omaha im US-Bundesstaat Nebraska, stand gewaltig unter Druck. Mit drei großen Hurrikans in Florida, Texas und Puerto Rico sowie den Waldbränden in Kalifornien war es für die gesamte Industrie ein schwieriges Jahr.

Die Naturkatastrophen sorgten dafür, dass das Versicherungsgeschäft den ersten Verlust seit 14 Jahren schrieb: ein Minus von 2,2 Milliarden Dollar. Insgesamt belaufen sich die Schäden laut Branchenschätzungen auf 100 Milliarden Dollar.

Zu den jüngsten Turbulenzen an den Märkten äußerte sich Buffett nicht. Der 87-Jährige, der wegen seines guten Händchens bei der Aktienauswahl auch „das Orakel von Omaha“ genannt wird, hatte jedoch einen wichtigen Rat für Investoren: Niemals sollte man sich Geld leihen, um Aktien zu kaufen.

„Niemand kann sagen, wann der Markt einbrechen wird. Die Ampel kann jeden Moment von Grün auf Rot springen, ohne vorher bei Gelb kurz haltzumachen“, warnte Buffett. Wenn die Aktienpreise gefallen sind, würden sie jedoch „für all diejenigen außerordentlich gute Chancen bieten, die nicht von Schulden behindert werden“.

Der Brief fiel in diesem Jahr nur etwa halb so lang aus wie sonst. Buffett und sein 94-jähriger Kompagnon Munger stehen seit 53 Jahren an der Spitze von Berkshire. Seit Jahresanfang zieht sich Buffett allerdings schrittweise von verschiedenen Aktivitäten zurück. Künftig wird er beispielsweise nicht mehr im Verwaltungsrat von Kraft Heinz sitzen, an dem Berkshire knapp 27 Prozent hält.

Buffett wolle künftig weniger reisen und sich stärker auf den eigenen Konzern konzentrieren, hieß es. Buffett und Munger sollen verstärkt nach großen Deals Ausschau halten und im großen Stil Aktien kaufen. Das Portfolio, zu dem unter anderem die Bank Wells Fargo, Apple und American Express gehören, ist auch dank eines starken Aktienmarktes auf 170 Milliarden Dollar angewachsen. Berkshires Investmentmanager Ted Weschler und Todd Combs verwalten beide rund 12 Milliarden Dollar in Eigenregie.

Wer für welche Zu- und Verkäufe verantwortlich ist, verrät Buffett aus Prinzip nicht. Erst im Januar hat er zwei langjährige Berkshire-Manager befördert und damit einen deutlichen Hinweis gegeben, wer eines Tages sein Nachfolger werden könnte.

Ajit Jain, der Chef der Versicherungssparte, und Greg Abel, der das Energie-Geschäft leitet, sind in den Verwaltungsrat berufen worden und nun zusätzlich stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende. Berkshire-Aktionäre könnten sich glücklich schätzen, dass Jain und Abel für Berkshire da sind, lobte Buffett. „Durch ihre Adern fließt Berkshire-Blut. Ihr Charakter ist genauso stark ausgeprägt wie ihr Talent. Und damit ist eigentlich alles gesagt.“

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