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Berkshire-Hauptversammlung Buffett-Show macht Quartalsverlust zur Nebensache

Auf dem Aktionärstreffen von Berkshire Hathaway geht es um Themen wie Wells Fargo oder die Zukunft des Buffett-Konzerns. Der Quartalsverlust ist kaum Thema.

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„Wir wollen fokussierter auf die Aktionäre sein als andere Konzerne.“ Quelle: AP

Omaha „Hi, ich bin Warren, das ist Charlie.“ Bescheiden wie immer begrüßt Star-Investor Warren Buffett seine Aktionäre. 42.000 Anteilseigner sind an den Konzernsitz nach Omaha gekommen, um den Chef der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway und den stellvertretenden Verwaltungsratsvorsitzenden zu sehen. So viele wie noch nie.

Schon um vier Uhr morgens versammeln sich die ersten vor den Toren der großen Veranstaltungshalle, um die besten Plätze zu ergattern. Längst nicht alle passen in den Saal. Hunderte andere sitzen in sogenannten Überlauf-Räumen, in den die Veranstaltung auf großen Monitoren übertragen wird.

Buffett (87) und Munger (94) sind ein eingespieltes Team, werfen sich die Bälle zu, gehen routiniert auf die verschiedensten Fragen der Aktionäre ein, die aus der ganzen Welt angereist sind. Die Highlights:

Quartalsverlust

Berkshire hat im ersten Quartal des Jahres 2018 einen Nettoverlust von 1,14 Milliarden Dollar gemacht. Die Holding hat damit zum ersten Mal seit 2009 ein Minus eingefahren. Buffett machte dafür jedoch neue Bilanzierungsregeln verantwortlich, die den Gewinn verzerren.

Sie geben vor, dass der Konzern Aktienportfolios zu aktuellen Kursen bewerten und in den Quartalsergebnissen verbuchen muss. Dadurch können diese im Quartal um bis zu zehn Milliarden Dollar schwanken. Berkshire hält ein Aktienpaket im Wert von rund 170 Milliarden Dollar.

Die operativen Bereiche hätten dagegen gut abgeschnitten, betonte Buffett. Der operative Gewinn stieg im ersten Quartal um 49 Prozent auf 5,29 Milliarden Dollar. Berkshire habe dabei auch von der Steuerreform profitiert, bei der die Körperschaftssteuer von 35 auf 21 Prozent gesenkt wurde. „Doch auch auf der Vorsteuergewinn war ordentlich“, versicherte der Starinvestor.

Unterstützung für Wells Fargo

Die Bank aus San Francisco war einst eines der Lieblings-Investments von Buffett. Sie warb damit, besonders hohe ethische Standards zu haben, so wie es der 87-Jährige gerne mag. Diverse Skandale um Scheinkonten und falsch abgerechnete Versicherungen haben Wells Fargo jedoch eine schwere Vertrauenskrise beschwert.

Buffett und Munger stehen trotzdem weiter hinter dem Geldhaus. „Die Bank wird gestärkt aus der Krise kommen“, stellte Munger klar. Buffett stimmte zu. „Ich mag Wells Fargo und ich mag Tim Sloan als Manager.“ Sloan führt das Institut seit dem Abgang des langjährigen CEOs und Buffett-Vertrauten John Stumpf.

Langfristige Perspektive

„Wie sieht Berkshire im Jahr 2068 aus?“, will ein Aktionär wissen. Buffett ist schließlich bereits seit über 50 Jahren Chef von Berkshire Hathaway und hat das einstige Textilunternehmen in einen der größten börsennotierten Konzerne Amerikas verwandelt.

Doch ganz so weit wollte Buffett, der den Spitznamen „das Orakel von Omaha“ trägt, dann doch nicht in die Zukunft schauen. „Das weiß ich nicht, ich wusste ja auch vor 50 Jahren nicht, wie Berkshire heute aussehen würde“, sagte der Starinvestor. „Aber ich weiß, dass der Konzern von bestimmten Prinzipien geleitet werden wird. Wir wollen fokussierter auf die Aktionäre sein als andere Konzerne.“

Munger riet besonders jungen Anteilseignern, die Aktien nicht zu verkaufen, wenn die beiden eines Tages nicht mehr an der Spitze des Unternehmens stehen werden. „Wenn ihr die Papiere verkauft, werdet ihr schlechter dastehen als wenn ihr sie behaltet. Ich ermutige euch, den Glauben zu behalten“, sagte Munger und erntete dafür Jubel aus dem Publikum.

Das wiederum stachelte Buffett an. „Nächstes Mal, wenn ich das gefragt werde, gebe ich seine Antwort, jetzt wo ich sehe, wie ihr darauf reagiert“, scherzte der Berkshire-Chef.

Planungen zur Gesundheits-Initiative laufen

Berkshire will gemeinsam mit dem Onlinehändler Amazon und Amerikas größter Bank JP Morgan Chase eine Gesundheitsinitiative starten. Sie soll den über eine Million Mitarbeitern der drei Unternehmen eine bessere Krankenversicherung zu geringeren Kosten bieten.

Buffetts Investmentmanager Todd Combs hat maßgeblich an diesem Projekt gearbeitet. Ein Chef für diese wichtige Initiative „werden wir wahrscheinlich in den nächsten Monaten finden“, kündigte Buffett an.

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