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Bitcoin und Blockchain Die skurrilen Trittbrettfahrer des Bitcoin-Booms

Bitcoin: Wer sind die Trittbrettfahrer beim

Kleine Unternehmen aus aller Welt verbuchen steigende Aktienkurse, bloß weil sie plötzlich lautstark in Bitcoin und Blockchain machen.

Händler und Makler an der Börse Düsseldorf haben vor ein paar Tagen den Begriff „Bitcoin-Boom“ zum Unwort des Jahres 2017 gewählt. Begründung: Das Reizwort kann wirtschaftliche Aktivität vortäuschen, wo keine ist. Es reicht manchmal schon, die Begriffe Bitcoin oder Blockchain in den Unternehmensnamen einzubauen, um den Aktienkurs deutlich klettern zu lassen. Das tun sogar Firmen, die eigentlich Eistee oder Zigarren hergestellt haben.

So spotteten amerikanische Medien im Dezember über den kleinen börsennotierten Zigarrenhersteller Rich Cigars aus Miami, dessen unternehmerischer Ehrgeiz plötzlich nicht mehr für den Tabak glühte und der fortan nur noch für das Bitcon-Business brennen will. Schnell hopste die Aktie in die Höhe, blieb allerdings weit entfernt von ihren historischen Hochs.

Kräftig auf den Putz haute auch das US-Biotech-Unternehmen Bioptix, das sich bereits im Oktober 2017 lautstark in Riot Blockchain umbenannte. Zuvor hatte sich der ehemalige Biotech-Wert noch seiner Patente und Kompetenzen in der Tiermedizin gerühmt. Auch hier konnten sich die Aktionäre über einen Kurssprung direkt nach dem verkündeten Kurswechsel freuen.

Der Trick, mit formellen Ad-hoc-Mitteilungen die eigene Aktie nach oben zu bewegen, erinnert an die wilden Zeiten des Neuen Marktes in Deutschland. Damals – Ende der 1990er-Jahre – veröffentlichten boomende Börsenneulinge gern profane Unternehmensnachrichten, die gar nicht ad-hoc-pflichtig gewesen wären, nur um das Investoreninteresse zu entfachen. Viele Werte des Neuen Marktes erlebten nur ein kurzes Strohfeuer. Dabei nutzten nicht nur technologieintensive Unternehmen den Nimbus des neuen Börsensegments, selbst Unternehmen der Old Economy schlüpften in den kleidsamen Mantel der New Economy, etwa ein Seniorenheimbetreiber mit Namen Refugium.

Dieses guerillahafte Namensmarketing erlebt angesichts der Popularität digitaler Währungen eine Renaissance. An der Düsseldorfer Börse, die den Bitcoin-Boom zum Unwort gekürt hat, nutzen einige Unternehmen ebenfalls die Strahlkraft der geheimnisvollen Technologie hinter dem Phänomen. Etwa die Advanced Blockchain AG, die bis Oktober 2017 noch BrainCloud AG hieß.

Für Furore sorgte auch das zuvor kaum bekannte Hamburger FinTech-Unternehmen Naga, das im Juli im Wachstumssegment Scale an der Deutschen Börse startete. Naga betreibt eine Plattform für Wertpapierhandel im Stil eines sozialen Netzwerks oder verwaltet digitales Geld, das in den virtuellen Welten von Computerspielen zum Einsatz kommt. Als Großaktionär ist der chinesische Beteiligungskonzern Fosun an Bord.

Bitcoin statt Eistee

Nach der Erstnotiz des kräftig überzeichneten Börsengangs schoss die Naga-Aktie erst in die Höhe, nur um kurz darauf wieder abzustürzen. Die Zweifel des Kapitalmarkts konterten die Investor-Relations-Experten jedoch geschickt mit einer Ad-hoc-Mitteilung, wonach das Unternehmen an einer digitalen Geldbörse arbeite, mit der Kunden Krypto-Währungen kaufen und aufbewahren können. Dabei war das Projekt bereits andeutungsweise im Börsenprospekt veröffentlicht worden. Wie auch immer, die Naga-Aktie liegt jetzt wieder hübsch im Plus.

"Bleiben Sie weg. Das ist tödlich."
Axel Weber, Präsident der Schweizer Bank UBSDer ehemalige Präsident der Bundesbank ist Bitcoin gegenüber sehr skeptisch. „Das kommt wahrscheinlich von meinem Hintergrund als Notenbanker“, sagte er. Eine Währung müsse allgemein akzeptiert sein, als Wertaufbewahrung dienen und als Zahlungsmittel sowie für Transaktionen verwendet werden können. „Bitcoin ist nur eine Transaktionswährung“, sagte Weber. Ihren Kunden rate die UBS bewusst von Bitcoins ab. Sie hätten keinen intrinsischen Wert und die Bank sehe keine darin keine Substanz. Quelle: REUTERS
Jamie Dimon Quelle: dapd
Warren Buffett:Der US-Starinvestor hat vor Bitcoin und anderen Digitalwährungen gewarnt. „Ich kann mit annähernder Sicherheit sagen, dass sie ein böses Ende nehmen werden“, sagte der 87-jährige Börsen-Guru am Mittwoch im Sender CNBC. Wann es soweit sein werde, könne er allerdings nicht sagen. Buffett spekuliert mit seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway nach eigenen Angaben bislang noch nicht aktiv auf einen Crash. Die Frage, ob er mit sogenannten Futures gegen Kryptowährungen wette, verneinte Buffett. Er würde aber mit langfristigen Optionsgeschäften - etwa über einen Zeitraum von fünf Jahren - auf Kursverfall setzen, wenn dies möglich wäre. Buffett räumte jedoch auch offen ein, sich mit Bitcoin und Co. nicht sonderlich gut auszukennen. „Doch ich denke, was derzeit abläuft, wird definitiv böse enden“, so die Investorenlegende. Quelle: AP
Lars Rohde, Notenbankchef von Dänemark„Bleiben Sie weg. Das ist tödlich“, so Dänemarks Nationalbankgouverneur Lars Rohde. „Ich sehe Bitcoin als Tulpenmanie, was eine außer Kontrolle geratene Blase ist“, sagte er im Dezember 2017 in einem Interview. Die Tulpenmanie in den Niederlanden gilt als erste dokumentierte Spekulationsblase der Welt. In den 1630er Jahren waren dort die Tulpenpreise auf astronomische Höhen gestiegen, bevor sie 1637 abrupt einbrachen.
Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Quelle: dpa
Deutsche Bundesbank Jens Weidmann Quelle: REUTERS
Valdis Dombrovskis:Die EU-Kommission warnt vor Risiken der Cyberwährung Bitcoin für Investoren und Verbraucher. Es bestehe die Gefahr, dass diese ihr gesamtes Vermögen verlören, sagte der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis. Die Investoren sollten realisieren, dass der Bitcoin-Kurs jeden Moment fallen könnte. "Virtuelle Währungen wie Bitcoin sind nicht wirklich Währungen." Dombrovskis sagte, er habe die Bankaufseher der EU aufgefordert, ihre Warnungen zu Bitcoin auf aktuellen Stand zu bringen. Quelle: REUTERS

Besonders bemerkenswert ist der Marketing-Schachzug des amerikanischen Erfrischungsgetränkeherstellers namens Long Island Iced Tea Corp. Das börsennotierte Unternehmen hieß plötzlich Long Blockchain Corp., was den Kurs um 200 Prozent in die Höhe schnellen ließ. Die Aktie mit dem Börsenkürzel LBCC notiert jetzt übrigens immer noch 200 Prozent über ihrem Wert vor der Namensänderung. Mit geschickten Namensschöpfungen kennt man sich in Long Island aus, schließlich heißt die ursprüngliche Eistee-Marke wie ein über die Region im Staat New York hinaus bekannter Longdrink, obwohl die Produkte des Hauses alkoholfrei sind.

Ach ja, das Eistee-Unternehmen heißt nicht nur anders, es will jetzt auch Beteiligungen an Firmen aus der Kryptowährungs-Szene erwerben und eigene Projekte in dem boomenden Bereich starten. Vom Geschäft mit Erfrischungsgetränken dürfte sich dieser Ansatz gravierend unterscheiden. Es sei denn, bei den neuen Beteiligungen handelt es sich ebenfalls um kurz vorher umbenannte Unternehmen aus der Getränkeindustrie.

Kurse steigen deutlich

Die alte Internetpräsenz des Unternehmens gibt es noch immer. Über leckeren Eistee-Rezepten prangt dort stolz das von den Getränketüten am Supermarktregal bekannte Markenzeichen. Im Investorenbereich berichtet der Erfrischungsgetränkehersteller, Verzeihung, das Blockchain-Unternehmen natürlich, über seine durchaus zahlreichen ersten Aktivitäten auf dem Feld der Krypto-Währungen. Beispiel gefällig?

Zunächst soll teure Ausrüstung für das digitale Schürfen von Bitcoins angeschafft werden, die Lieferung erwartet man noch im Januar. Die Finanzierung der Antminer genannten Geräte des chinesischen Herstellers Bitmain allerdings scheint laut einer aktuelleren Investoren-Mitteilung noch nicht ganz geklärt zu sein. Sobald die Gerätschaften zur Verfügung stehen, soll das Bitcoin-Schürfen beileibe nicht in den gleichen Fabriken stattfinden, in denen der Eistee zusammengerührt wird.

Als Standort für die neue Ausrüstung haben die Manager stattdessen ein sicheres Rechenzentrum an einem geheimen Ort in Skandinavien auserkoren, das von einem externen Dienstleister mit reichlich Erfahrung in diesem Geschäft betrieben wird. Wer und wo genau das ist, dazu hüllt sich die Mitteilung in bedeutungsvolles Schweigen. Immerhin verrät die Investorenmitteilung, dass die Kälte Skandinaviens beim Kühlen der vom Bitcoin-Schürfen heiß laufenden Rechner helfen soll. Die auch im Eisteegeschäft erforderliche Kühlkompetenz scheint hier zumindest eine Parallele zum ursprünglichen Unternehmenszweck darzustellen.

Große Hoffnung liegt bei dem Eisteebrauer jetzt auf dem vor wenigen Tagen angekündigten Zusammenschluss mit dem FinTech-Unternehmen Stater, das in Großbritannien eine Tauschbörse für Devisen und Krypto-Währungen betreibt. Sollte der Merger klappen, würde die ehemalige Eisteefirma komplett im Unternehmen des Fusionspartners aufgehen. Stater ist noch nicht börsennotiert und hätte mit diesem Kniff einen schnellen Weg aufs Parket gefunden.

Der Eisteehersteller hat unter seinem neuen Namen Long Blockchain Corp. zwischenzeitlich eine zweite Webseite ins Netz gestellt, auf der er sich bereits als lupenreines Blockchain-Unternehmen präsentiert. Das Design ähnelt auffällig dem der Internetseite von Stater, des Fusionspartners in spe. Dort verleiht er dem Ziel Ausdruck, ein bedeutendes Blockchain-Geschäft aufbauen zu wollen. Die Verhandlungen mit Geschäftspartnern stünden freilich noch am Anfang.

Frei von Häme lässt sich zumindest sagen, dass sich die Altaktionäre dank des Namenstricks über deutliche Kurserholungen freuen können. Vorher hatte ihre Aktie viel schwächer ausgesehen.
Trotz Kursturbulenzen bei den Krypto-Währungen dampft der Bitcoin-Zug munter weiter – und nicht nur börsennotierte Unternehmen springen auf.

Finger weg oder kaufen? Zehn Fragen zum Bitcoin

Das Frankfurter Start-up savedroid etwa legt für seine Nutzer automatisch jeden Euro oder Cent zurück, den diese sparen, wenn sie zum Beispiel einen von dem Sparroboter vermittelten billigeren Handyvertrag abschließen. Motto: Spar dich glücklich. Das ist der Kern des Geschäftsmodells. Doch auf der Webseite und bei der Kommunikation des Unternehmens stand in diesen Tagen das Thema Bitcoin im Fokus.

Grund: Die vom Sparroboter abgeknapsten Ersparnisse sollen bald auch in Bitcoin fließen, denn savedroid tauscht ab Mitte des Jahres Guthaben in die Cyberwährung um, wenn der Kunde das wünscht. Gründer Yassin Hankir sagt ganz offen, dass er mit diesem Angebot die Bekanntheit seines Unternehmens bei potenziellen Nutzern steigern will, weil die Cyberwährungen so populär geworden sind. Aus dem gleichen Grund lässt er seine Nutzer auch Beteiligungen an savedroid auf Basis einer digitalen Bezahleinheit zeichnen. Vor solchen Token-ICOs, hat die Finanzaufsicht Bafin die Verbraucher jüngst gewarnt.

Die Kommunikationsstrategie von savedroid jedenfalls ist aufgegangen, bereits nach Stunden war die in einem Vorverkauf angebotene Tranche im Volumen von fünf Millionen Euro ausverkauft.

Auch das Investoreninteresse ist hoch: Auf dem ganz klassischem Weg der Venture-Capital-Finanzierung hat savedroid gerade 1,5 Millionen Euro frisches Geld von dem FinTech-Investor Alfred Schorno, Krypto-Unternehmer Dennis Weidner und weiteren Kapitalgebern für seine Geschäftsidee erhalten.

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