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Blockchain-Platzierung Greyp Bikes 600 Prozent Rendite mit der E-Bike-Firma des kroatischen Elon Musk

Der Kroate Mate Rimac, dessen Hauptgeschäft superschnelle Elektroautos sind (er kooperiert mit Porsche) gilt als Elon Musk des Balkans. Quelle: imago images

Auf der Plattform Neufund können Anleger sich über die Blockchain an einem innovativen E-Bike-Bauer beteiligen. Unser Autor hat das Verfahren getestet – mit eigenem Geld.

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Zugegeben: Die Überschrift verspricht viel. 600 Prozent Rendite sind drin, aber nur, wenn ich mir eines der rund 7000 Euro teuren E-Bikes der kroatischen Firma Greyp Bikes hole. Deren Haupteigner kooperiert mit Porsche und baut hauptberuflich E-Autos, die Tesla locker abhängen sollen. Jetzt platziert er einen kleinen Teil seiner Fahrradfirma bei Privatanlegern. Und weil seine E-Bikes ohnehin total vernetzt sind (und eine normale Kapitalaufnahme viel zu aufwändig wäre), läuft das Geldeinsammeln nach einem innovativen Verfahren: online, über die Blockchain und mit Hilfe von Kryptowährungen.

So was interessiert mich. Um die angebliche Zukunft der Geldanlage besser zu begreifen, hatte ich schon Ende 2017 mit den Digitalwährungen Ether und Bitcoin getradet – mit überschaubarem Erfolg. Einen Teil des Digitalgeldes hatte ich dann in Euro zurückgetauscht. Eine weise Entscheidung, denn die Kryptowährungen haben seither alle kräftig verloren. Den anderen Teil meines Einsatzes, vier Einheiten der Digi-Währung Ether, Gegenwert heute: 640 Euro, investierte ich über die Blockchain in das Berliner Start-up Neufund.

Wie Neufund funktioniert

Auf der Plattform sollen junge Unternehmen Anteile an jedermann verkaufen. Diese Anteile werden als Tokens – eine Art Wertmarken – auf der Blockchain abgebildet. Die Blockchain ist eine Liste von Datensätzen, Blöcke genannt, die miteinander verkettet sind und in denen immer neue Transaktionen abgebildet werden. Fälschungssicher, für jedermann offen und einsehbar, also irgendwie basisdemokratisch – so wie das Internet in seiner Frühzeit.

Die Tokens können also von Anlegern wie mir gekauft werden. So könnte ich mich auch an kleinen GmbHs beteiligen. Ich muss nicht warten, bis die Firmen an die Börse kommen. Details dazu gibt es hier.

Die erste Kapitalaufnahme auf der Plattform war die von Neufund selbst. Ich zahlte meine Ether ein und bekam Anteile am Unternehmen gutgeschrieben, insgesamt gut 3660 so genannte NEU-Tokens.

In 2018 gab es massenhaft Blockchain-Emissionen, sogenannte ICOs („Initial Coin Offerings“), bei denen mit Bitcoin oder Ether bezahlt wurde. Unternehmen sollten sich so Kapital beschaffen, Privatanleger sich wie beim Crowdfunding an tollen Start-ups beteiligen können. Die meisten ICOs aber waren von Spinnern oder, schlimmer: Gaunern initiiert, die heiße Luft verkauften. Viele davon sind auf null gefallen, die Firmen pleite, ihr tolles Geschäft, mit dem sie auf der Blockchain irgendwelche Branchen disruptieren wollten, startete nicht mal.

Neufund wollte das etwas anders machen. Die Berliner, die damit werben, dass Start-up Guru Frank Thelen an ihnen beteiligt ist, nennen ihren Blockchain-Modell „Equity Token Offering“ (ETO). Ich bekommen nicht nur abstrakten Rechte, sondern bin wirklich, wenn auch indirekt, weil noch Konstruktionen dazwischengeschaltet sind, an einem Unternehmen beteiligt.

Hinzu kommt: Wann immer eine solche Kapitalaufnahme über die Plattform läuft, sollen Neufund-Anteilseigner mit weiteren NEU-Tokens belohnt werden, also eine Art Provision bekommen.

Flucht nach Liechtenstein

Den ersten Versuch machte Neufund im November 2018, ein Selbstversuch, mit Fifth Force, der Muttergesellschaft von Neufund. Kapital breit unter Kleinanlegern zu streuen, klappte aber nicht: Die deutsche Aufsicht BaFin grätschte dazwischen. Die verlangt nämlich bei Börsengängen jeder Art einen ordentlichen Wertpapierprospekt. Der soll Anlegern vor allem klarmachen, dass solche Geschäfte riskant sind.

Den juristischen Aufwand und mögliche Haftungsrisiken will sich aber kein Start-up antun. Neufund – und auch Thelen – vertraten die Position, ein Verkauf von Tokens sei eigentlich kein Börsengang. Und versuchten, die BaFin rauszuhalten. Das ging schief. Die BaFin legte fest, dass nur am ETO teilnehmen durfte, wer 100.000 Euro oder mehr einsetzte.

Damit war ich persönlich draußen. Zum Glück.

Das Neufund-Büro in Berlin. Quelle: Neufund

Fifth Force wurde damals nämlich mit 125 Millionen Euro bewertet – viel zu viel für ein Unternehmen, das weder sein Geschäftsmodell ausgerollt noch bis dato auch nur einen Cent verdient hatte. Heute dürfte die Firma nur einen Bruchteil davon wert sein. 37 Investoren aber zahlten damals immerhin den Gegenwert von 3,4 Millionen Euro ein – und bekamen dafür Token. Die Technik funktioniert offensichtlich.

Um künftig eben doch Kleinanleger ansprechen zu können, musste Neufund der BaFin ausweichen. Die Deals auf der Plattform sollen nun nach dem Recht von Liechtenstein laufen. Alles legal, so scheint es: In Liechtenstein, das Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums ist, gilt EU-Recht. Das heißt: Was die Aufsichtsbehörden in dem Zwergstaat durchwinken, darf in der ganzen EU verkauft werden.

Für 2019 hatte Neufund dann eine ganze Reihe von Blockchain ETOs in Aussicht gestellt, unter anderem von Brille 24, dem Start-up-Incubator Next Big Thing und der E-Commerce-Plattform Swoop. Davon kam: nichts. Eine mögliche Erklärung für den Wertverfall des NEU-Tokens. In der Berliner Startup-Szene machten sogar Pleitegerüchte die Runde.

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